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Kirche in WDR 5 | 21.10.2017 | 06:55 Uhr

Edith Stein

Edith Stein: was für eine Biografie! Sie war Jüdin, gelangte aus einer Phase radikalen Nichtglaubens zur katholischen Kirche, wurde Ordensfrau, wurde 1942 im KZ vergast, 1987 selig- und 1998 heiliggesprochen. Man sollte meinen, eine solche Frau muss einen Zugang zur Bibel gehabt haben. Doch weit gefehlt. Für sie blieb die Bibel mit ihrer Symbolik lange Zeit ein verschlossenes Buch. Das änderte sich erst während ihres Ordenslebens.

Das klingt wenig ermutigend. Ich sehe es jedoch ein wenig anders und stelle dagegen: Lassen Sie sich nicht abschrecken durch das, was nicht sofort einleuchtet! Manches ist am Ende einfacher als gedacht. Ja, es gibt sicherlich auch sehr fremde Bilder, wenn ich etwa an das Buch der Offenbarung denke. Es ist das letzte Buch der Bibel, das in der Originalsprache noch weit dramatisch-befremdlicher klingt: die Apokalypse. Doch selbst da gibt es auch überraschend Verständliches und zugleich Wirkungsvolles: etwa, wenn der Seher Johannes im vierten Kapitel in einer Vision den Himmel mit den verschiedensten Edelsteinen in Verbindung bringt. Hier geht es nicht um einen Ort in irgendeinem Milchstraßensystem, und die Edelsteinsorten brauchen nicht zu interessieren. Es geht um das, was sich im Inneren abspielt, wenn jemandem etwas von Gott selbst aufgeht. Das hat für Johannes offensichtlich einen vergleichbaren Effekt, als wenn jemand zum ersten Mal ein Swarowsky-Studio oder den Spiegelsaal von Versailles betritt. Gott macht nicht klein und ist nicht kleinlich, sondern er wird uns mit Leucht- kraft und Funkeln und Großzügigkeit vor Augen gestellt, die einen fassungslos machen. Nicht die Erklärung bringt es an dieser Stelle, sondern dass man sich von der Symbolwelt mitreißen lässt. Das fiel der nüchternen Philosophin Edith Stein, die sie lange Zeit war, ausgesprochen schwer.

Symbole wollen nicht verrätseln, sondern in Sprache und Bilder fassen, was anders gar nicht zu sagen ist. Ein Zugang zur Bibel, der den Einsatz von Symbolen in den Mittelpunkt stellt, ist daher besonders sensibel für die Passagen der Heiligen Schrift, in denen es um das eigentlich Unsagbare geht. So ist für die Bibel das sprechendste Symbol für Ostern der vom Grab weggerollte Stein. Im sechzehnten Kapitel des Markusevangeliums erwarten drei Frauen ein verschlossenes Grab. Sie fragen sich, wer ihnen den schweren Stein wegrollen mag. Und dann ist alles ganz anders. Der Stein ist bereits weg. Ein Symbol: Es ist geschehen, was nach menschlicher Vorstellung eigentlich nicht passieren kann. Es gilt nicht mehr: Tot ist tot. Die Antwort darauf lautet nicht: Halleluja, sondern erschrockenes Davonlaufen. In diesen Schrecken, der sich erst allmählich in Osterjubel wandelt, will das Symbol des weggerollten Steins hineinziehen. Der weggerollte Stein bittet sozusagen um Einlass. Nein, nicht ins Grab. Sondern er lädt ein, sich auf das Wagnis der Hoffnung einzulassen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Eine Woche ist um und ich habe versucht, unterschiedliche Zugänge zur Bibel zu schaffen: ausgehend von den Symbolen, oder von der Bedeutung einzelner Worte und ihrer Übersetzung. Ob sie den Wert des vergleichenden und kritischen Lesens schätzen oder sich in eine biblische Szene so hineinbegeben, dass sie zum Assoziationsraum der menschlichen Fragen von heute wird: Wie immer Sie die Bibel lesen, werden sich Ihnen neue Sinnräume erschließen. Im Grunde: eine unendliche Geschichte – denn sie schreibt sich fort in jedem Menschen, für den dieses Buch sich erschließt.

Gute Lektüre und ein gutes Wochenende wünscht Gunther Fleischer von der Bibelschule in Köln.

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