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Kirche in WDR 2 | 18.01.2017 | 05:55 Uhr

Ehe-Einsichten

„Guten Morgen“, sagte mein Radiowecker. „Aufwachen! Morgenstund‘ hat Gold im Mund!“

„Oh Mann“, stöhnte ich. „Schade, dass du nicht die Morgenstunde bist. Dann hättest du jetzt den Mund voller Gold und könntest nicht reden.“

„Mannomann hast du eine Laune“, erwiderte mein Radiowecker. „Dass deine Frau heute Nacht auf dem Sofa geschlafen hat, steckt dir wohl noch ganz schön in den Knochen!“

„Was hast du denn gedacht? Das ist doch echt ordentlich zur Sache gegangen gestern Abend! Und alles nur, weil ich gesagt habe, dass es nicht mehr so schön ist mit uns wie früher.“

„Könnte es sein, dass dein Tonfall dabei leicht vorwurfsvoll klang? So weit ich mitgekriegt habe, hat sich deine Frau jedenfalls ziemlich angegriffen gefühlt.“

„Was verstehst du denn von Eheproblemen? Du bist doch Single!“

„Na ja, damals in dem Laden, in dem du mich gekauft hast, hatte ich schon eine Beziehung. Mit einer süßen kleinen Funkuhr. Hielt aber nicht lange.“

„Und woran lag’s?“

„Sie hat sich einwickeln und kaufen lassen. Treuloses Stück!“

„Herzliches Beileid nachträglich. Ganz so schlimm sieht es bei uns ja nicht aus. Ich find‘ nur: Früher haben wir viel mehr zusammen gemacht, sind Essen gegangen, ins Kino und so weiter. Inzwischen ist das alles weggefallen und irgendwie prickelt’s auch nicht mehr zwischen uns.“

„Ja, aber was hast du denn erwartet? Dass sich deine Ehe über all die Jahre immer so anfühlt wie frisch verliebt?“

„Na, vielleicht nicht ganz. Aber doch ein bisschen.“

„Tja, willkommen in der Realität, mein Bester. Oder um es mit einem weiteren Sprichwort zu sagen: Die Ehe ist ein weltlich Ding!“

„Hä? Kenn‘ ich nicht, das Sprichwort.“

„Ist von Martin Luther. 2017 ist doch das große Reformationsjubiläum. Und ich dachte, da könnten wir ruhig mal ein kleines Lutherzitat in unsere Dialoge einstreuen.“

„Wenn du meinst. Aber was hat das mit mir zu tun? Und mit meiner Frau?“

„Ganz einfach: Ich glaub‘, du hast zu hohe Ansprüche. Bei dir klingt es, als müsste die Ehe was Himmlisches sein. Also immer prickelnd und glücklich, vielleicht auch noch romantisch.“

„Wär‘ ja auch nicht schlecht.“

„Mag sein. Aber genau darauf will Martin Luther ja hinweisen. Dass die Ehe so nicht ist. Jedenfalls nicht auf die Dauer.“

„Klingt ziemlich ernüchternd.“

„Versteh mich nicht falsch. Das soll nicht heißen, dass die Ehe was Schlechtes wäre. Sie hat nur andere Vorzüge, als du verlangst.“

„Du meinst, mehr irdische Qualitäten als himmlische?“

„Genau!“

„Aha. Und was sollen das für Qualitäten sein?“

„Na ja, zum Beispiel, dass ihr euch aufeinander verlassen könnt. Einander vertraut. Erinner‘ dich doch mal, was ihr alles schon zusammen durchgestanden habt.“

„Ja gut, da gab’s echt ein paar haarige Situationen. Mit den Kindern und als es im Job schwierig war …“

„Na, siehst du. Genau das meint Martin Luther, wenn er sagt: Die Ehe ist ein weltlich Ding. Weltlich heißt hier: geerdet. Oder bodenständig. Nichts für den 7. Himmel, aber etwas für den Alltag. Was dir gut tut und was du nicht missen möchtest, wenn du’s erst mal mit diesen Augen siehst.“

„Hm. Klingt, als sollte ich unter diesem Aspekt noch mal mit meiner Frau reden.“

„Ist bestimmt keine schlechte Idee“, meinte mein Radiowecker - und schaltete auf WDR 2 um.

Das Zitat „Die Ehe ist ein weltlich Ding“ stammt aus Luthers Schrift „Von Ehesachen“ (1530).

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