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Kirche in WDR 4 | 04.02.2016 | 08:55 Uhr

Eigentlich bin ich ja ganz anders

Alaaf und Helau, so schallt es ab heute wieder in Köln und den Karnevalshochburgen am Rhein. Die tollen Tage beginnen. Da wird gefeiert und gelacht, dem Leben und der Lust gefrönt.

Da ist die Stadt im Ausnahmezustand. In den Bahnen und Kneipen, auf den Plätzen und Straßen. Überall Menschen in knallbunten Kostümen. Mit Masken, Perücken, Hüten oder Narrenkappen. Kinder als Indianer, Cowboy oder Pippi Langstrumpf. Ob lustig oder fröhlich, ob fremd, zornig und verzerrt – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und in den meisten Kostümen steckt viel Liebe zum Detail. Einmal im Jahr eine andere sein, einmal eine ganz andere Rolle spielen, eine, die ich mir wünsche. Mir eine Maske aufsetzen, um zu vergessen, wer ich bin, jedenfalls für kurze Zeit. Mich in eine andere verwandeln. Darum geht es wohl im Karneval. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Fleisch lebe wohl“. Der Lebenslust also noch einmal so richtig frönen, bevor es um bewussten Verzicht in der folgenden Fasten – und Passionszeit geht.

„Eigentlich bin ich ja ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“

steht auf einem Kalenderblatt bei mir zu Hause. Eigentlich bin ich ja ganz anders…

Im Karneval gelingt das. Und da darf und soll es auch so sein. Die Verkleidung macht's möglich. Aber was, wenn die tollen Tage vorbei sind? Wenn der Alltag wiederkehrt und ich in meine alten Rollen schlüpfe?

Welche Masken setze ich dann auf? Wenn ich nach außen freundlich erscheinen will, obwohl ich eigentlich schlechte Laune habe. Wenn ich interessiert wirke, obwohl es mir in Wirklichkeit gleichgültig ist.

Wenn ich Fröhlichkeit vorspiele, obwohl mir zum Heulen zumute ist. Masken aufzusetzen, kann auch anstrengend sein. In der Bibel findet sich im ersten Buch Samuel eine wohltuende Antwort auf diese Frage.

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) heißt es da.

Gott durchbricht den äußeren Schein. Sieht durch meine Maske, durch jede Maske hindurch. Wer immer wir auch sind. Vor Gott können und brauchen wir uns nicht zu verbergen. Können unser wahres Gesicht zeigen. Gott sieht das Herz an, und nicht das, was vor Augen ist. Gott interessiert sich nicht für unser gutes oder schlechtes Image. Den Menschen können wir etwas vormachen, aber bei Gott haben wir damit keine Chance.

Eigentlich eine schöne und entlastende Vorstellung. Und doch eine, die auch Mut braucht. Ich lasse mir nicht gerne auf die Finger gucken – mich nicht durchleuchten oder bloßstellen. Auch nicht vor Gott.

Ich kann und ich will nicht auf meine Masken und Rollen verzichten. Sie helfen mir ja auch in meinem Alltag. Wenn ich mal Ruhe brauche und mich vor anderen verstecken möchte. Oder eben, wenn ich mal eine neue Rolle ausprobieren möchte, mich nicht weiter festlegen lassen will auf die eingeübten, festgefahrenen Rollen. Und ich verstehe den Satz aus der Bibel so: Dass ich darauf hoffen und vertrauen kann, dass Gott auch zu meinen Rollen und Masken Ja sagt. Auch zu meinem Spaß an der Maskerade an Karneval.

Dass es mir immer wieder gelingt, meine Masken fallen zu lassen, wenn ich sie nicht brauche. Und dass es sich lohnt, hinter den Masken, Rollen und Verkleidungen den Menschen zu suchen, der sich dahinter verbirgt.

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“

Das zu wissen und zu glauben, ist ein schönes Geschenk. Das lässt mich befreit und fröhlich Karneval feiern. In diesem Sinne Alaaf und Helau wünscht Ihnen Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.

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