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Kirche in WDR 4 | 21.11.2017 | 08:55 Uhr

Ein Apfel erinnert an Widerstand

Guten Morgen, ich freue mich schon auf den Apfel, den ich gleich zum Frühstück essen werde. Seine knackige rot-grüne Schale, das feste süßsaure Fruchtfleisch. Der Apel löscht Durst, stillt Hunger und putzt die Zähne. Wie praktisch.

Der Apfel ist ein dynamisches Früchtchen. Er bringt Farbe ins Leben, rot, grün und gelb als Kontrast zum grauen November. Und seit diesem Erntedankfest erinnert mich jeder Apfel daran, dass der Glaube an Gott und die Liebe zu Gottes Schöpfung einem Menschen Widerstandskraft verleihen kann. Erntedank habe ich nämlich von Korbinian Aigner gehört. Das ist ein katholischer Pfarrer, der 1885 in einem bayrischen Dorf geboren wurde. Er war Priester und Pomologe, also Apfelgelehrter. Er säte Apfelkerne, brachte Setzlinge in die Erde, beschnitt die Bäume, behandelte sie im Krankheitsfall und erntete Äpfel. Jede Sorte war für ihn interessant.. Über 600 Äpfel hat Korbinian Aigner in seinem Leben mit Wasserfarbe naturgetreu gemalt. 2012 wurden sie auf der documenta in Kassel ausgestellt.

Gleichzeitig wurden auf dem Außengelände zwei Apfelbäume gepflanzt. Einer war ein Korbinians-Apfel. Er wurde so getauft, um an Korbinian Aigner zu erinnern, den Mann, der so widerstandsfähig war wie einige der von ihm katalogisierten Apfelsorten.

Seine Vorgesetzten ermahnten ihn, er solle sich mehr um die Seelsorge als um die Apfelpflege bemühen. Doch Korbinian Aigner blieb den Äpfeln treu. Denn er wusste: Ein Fachgespräch über Äpfel war ein guter Zugang zu den Obstbauern.

Gegenüber anderen war er nicht treu: Als die Nazis 1933 nach der Wahl Glockengeläut befahlen, widersetzte er sich. Mit Glocken wollte er Gott, aber keinen Menschen loben. Als Georg Elser 1939 mit seinem Attentat auf Hitler scheiterte, erklärte der Priester vor seinen Schülern im Religionsunterricht: Mit dem Attentat wären vielleicht eine Million Menschen gerettet worden. Das wäre wichtiger gewesen, als im Blick auf Hitler das Gebot „Du sollst nicht töten“ zu beachten. Seine Kritik brachte Aigner ins Konzentrationslager Dachau. Da, wo Demütigung, Krankheit, Not und Tod Menschen zur Verzweiflung trieben, zeigte sich Aigners Widerstandskraft. Als Priester wurde er etwas besser behandelt als andere. Gemeindeglieder brachten ihm Essen und darunter waren – zum Erhalt der Gesundheit: Äpfel. Es gelang ihm, Apfelsamen in die Erde zwischen Baracken zu legen. Apfelpflanzen wuchsen auf. Und – Apfelkenner sagen, es sei erstaunlich: Dabei entstanden vier neue Apfelsorten. KZz-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4 nannte er sie. Unter Lebensgefahr konnte er die Samen aus dem Lager schmuggeln. Da wurden sie zu Bäumen und trugen Früchte. Korbinian Aigner konnte dem KZ entkommen, wurde wieder Pfarrer in seiner Gemeinde und engagierte sich weiterhin für den Obstanbau.

Korbinians-Äpfel kann man heute noch kaufen. Als sehr robust und ertragreich werden sie beschrieben. Wie sein Züchter. Der zeigt mir, wie wichtig es ist, neben der Arbeit noch andere Leidenschaften zu pflegen. Außerdem macht er mir Mut, Gottes Wort so zu folgen, dass es Menschenleben bewahrt.

Literatur: Korbinian Aigner. Ein bayerischer Pfarrer zwischen Kirche, Obstgarten und Konzentrationslager. Von Peter Brenner, ISBN: 9783955510176, September 2016

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