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Kirche in WDR 5 | 23.05.2018 | 06:55 Uhr

Ein gutes Gerücht

Wie denn der Neue so sei, fragen die Jugendlichen. „Das ist eine coole Socke“ – sagt mein Kollege. Nach der letzten Stunde mit den Konfirmanden spielen wir noch eine Runde am Kicker, bevor wir uns verabschieden.

Wir hatten die Gruppen im Nachbarort zur Vertretung übernommen und jetzt nach Pfingsten ist endlich der neue Pfarrer da. Fast ein Jahr mussten die Leute ohne auskommen und wir Pfarrersleute von drum herum teilten uns die Vertretung.

Aber jetzt war er da; sehnlichst erwartet von der halben Gemeinde und kritisch beäugt von den anderen. Und das ganze Dorf fragte sich: Wer da wohl kommt und wie der wohl ist?

„Eine coole Socke ist der“ antwortet also mein Kollege, als die Jungs wissen wollen, mit wem sie es denn ab jetzt so zu tun bekommen – und knallt die Kickerkugel aus der letzten Abwehrreihe mit einem verdeckten Schuss ins Tor. „Noch Fragen?“

Auf dem Heimweg als wir im Auto sitzen frage ich ihn: „Sag mal, kennst du den aus dem Studium oder woher? Der war doch vorher irgendwo unten in Frankfurt.“

„Ich kenn den überhaupt nicht“ sagt mein Kollege. Den Satz, der dann kam, werd ich nie vergessen: „Ich kenn‘ den überhaupt nicht, aber ich finde, jeder hat erstmal das Recht, als coole Socke zu gelten, wenn er irgendwo neu anfängt – oder nicht?“

War das jetzt cool oder einfach nur dreist? War das weise oder einfach gelogen? Pfarrer sind schließlich der Wahrheit verpflichtet und Christen und Menschen sowieso. „Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ und so weiter.

Aber ist jeder Fakt schon die Wahrheit? Und überhaupt, warum bin ich eigentlich bei einem guten Gerücht so zimperlich, während ich bei anderen doch ganz gerne mitköchele.

Allemal aber kann man auch echte Fakten wider seine Mitmenschen einsetzen. Wenn man sie nur oft genug wiederholt, sie klug über Bande spielt und nur leise genug flüstert „Also ich hab gehört, die ist komisch“ – und ich habs wirklich gehört. „Ja ja, das war okay, aber neulich, da hat der ...“ – und das hat er wirklich. Da wird man es doch wohl auch sagen dürfen. Aber muss man es auch?

Wahrheit, die den Namen verdient, hat es immer mit Beziehung zu tun. So erklärt Dietrich Bonhoeffer, ein Pfarrer und Theologe, der im Untergrund gegen die Nazis arbeitete.

Wahrheit hat es mit meiner Beziehung zu dem zu tun, mit dem ich rede und mit meiner Beziehung zu dem, über den ich rede. Das ist doch schon mal ein Maßstab. Was immer ich sage: Nützt oder schadet es dieser Beziehung und diesem anderen? Und noch eine andere Beziehung kommt hinzu: In alle dem habe ich es bei jedem Wort mit der Wahrheit Gottes und der Welt zu tun, „die von Gott geschaffen und geliebt ist“. Und von ihr ist immer mehr und besseres zu sagen, als wir von uns aus wissen.

„Der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit“ – so sagt es Jesus einmal – „der wird Euch in alle Wahrheit leiten“ (Johannesevangelium 16,12).

Wenn das mal kein cooles Gerücht ist und wie aufregend, daran mitflüstern zu dürfen.

Einen wahrhaftigen Tag wünscht Ihnen Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld

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