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Kirche in WDR 3 | 10.07.2017 | 07:50 Uhr

Ein Herz und eine Seele

Guten Morgen!

Jedes Mal, wenn bei mir im Prämonstratenser-Kloster in Duisburg-Hamborn unsere Ordensregel vorgelesen wird, muss ich innerlich lachen. Denn gleich zu Beginn heißt es da: „Zu allererst sollt ihr einmütig zusammenwohnen, wie ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott.“

Ich muss dann immer an die gleichnamige Fernsehserie denken „Ein Herz und eine Seele“ mit „Ekel“ Alfred Tetzlaff – unvergessen! Generationen von Zuschauern haben schon gelacht über die grotesken Familiengeschichten aus der Reihenhaussiedlung in Wattenscheid Anfang der 1970er Jahre. Kleinbürgerliche Nachkriegs-Spießigkeit wird mit dem Geist der 1968er konfrontiert.

Situationskomik pur: Ekel Alfred sitzt im Unterhemd in einem Sessel – Gelsenkirchener Barock natürlich – und erklärt die Welt, meist auf Stammtischniveau, allerdings fast immer mit abfälligen Bemerkungen über die Regierung, die Ausländer und den eigenen Schwiegersohn, den er als „langhaarige bolschewistische Hyäne“ beschimpft. Der hält natürlich dagegen.

Was ich faszinierend finde: So sehr es auch kontrovers zugeht, so sehr sich alle untereinander angiften, es kommt bei den Tetzlaffs nie zum totalen Bruch, sondern es bleibt eine Familie – eben ein Herz und eine Seele.

Offenbar karikiert der Titel der Serie das eigentliche Leben der Tetzlaffs. Oder – so denke ich mir – ein Herz und eine Seele zu sein, heißt eben nicht: Friede, Freude, Eierkuchen im Zusammenleben. Zum Zusammenleben gehören auch Differenzen, Meinungsverschiedenheiten, Konflikte, Kontroversen.

Wichtig ist allerdings, dass es trotz alledem auch etwas Gemeinsames gibt, einen Grund und ein Ziel, warum man die Verschiedenheiten erträgt. Von „Ekel“ Alfred und seiner Familie wird das nie thematisiert. Aber im wirklichen Leben – nicht nur im Kloster – ist es wichtig, sich den Grund und das Ziel für das Zusammenleben immer wieder einmal bewusst zu machen, vor allem in einer Partnerschaft, einer Familie aber auch in einer Gruppe, in einem Unternehmen und sogar in einer ganzen Gesellschaft.

In unserer Klosterregel wird das klar benannt. Da heißt es: „Ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott“! Das klingt sehr abgehoben. Ich weiß. Aber der Kirchenvater Augustinus (354-430), der unsere Klosterregel vor etwa 1600 Jahren geschrieben hat, gibt dazu noch einen Hinweis. Und diesen Hinweis halte ich für sehr wichtig, weil er eine Begründung gibt, überhaupt ein gemeinsames Lebensziel anzustreben, trotz aller Meinungsverschiedenheiten und Kontroversen. Augustinus schreibt: „Ehrt gegenseitig in euch Gott, dessen Tempel ihr seid!“

Wieder ein sehr abgehobener Satz, aber er besagt nichts anderes als: Der Weg zu Gott geht nur über dich, geht nur über meinen Mitmenschen. Das heißt doch: Hab Respekt vor dem anderen, mit dem du zusammenlebst, achte ihn, denn – egal wie und was er ist – auch in ihm hat sich Gott niedergelassen.

Zugegeben: Auch im Kloster ist das mit dem „gegenseitig ehren“ alles andere als leicht. Manchen würde ich schon mal auf den Mond schießen, aber der Gedanke aus der Regel des Augustinus, dass sich Gott im anderen – wie auch in mir – niedergelassen hat, der ruft mich dann zur Einsicht: Hab Respekt – denn letztlich möchte ich ja auch selber mit Respekt behandelt werden. Und vielleicht ist dieser Respekt ja der entscheidende Grund dafür, warum Menschen ein Herz und eine Seele sein können, nicht nur im Kloster.

Aus dem Kloster in Duisburg-Hamborn grüßt Sie Pater Philipp Reichling

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