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Kirche in WDR 2 | 07.01.2015 | 05:55 Uhr

eine Umarmung

„Free hughs“, „Freie Umarmung“ – so steht es auf den umgehängten Pappschildern in der Fußgängerzone. Drum herum ein paar strahlende Menschen, die dazu einladen, sich einfach mal umarmen zu lassen. Zu sehen in New York, London oder Köln, mitten in der Stadt. Tolle Idee. Und es scheint gut zu tun. Immer wieder tauchen Menschen auf, die es anbieten und immer wieder bleibt dann jemand stehen und sagt „Ja, gerne!“

Sich umarmen, das geht tatsächlich nur zu zweit. Dieses Gefühl, dass mich jemand in die Arme schließt, das kann ich mir nicht selber geben. Ich kann alleine kochen oder ins Kino gehen. Ich kann allein einen guten Rotwein genießen. Ich kann mir Gedanken machen, so ganz für mich. Auch all das mag schöner sein, wenn man es zu zweit oder unter Freunden tut. Aber sich umarmen, das geht überhaupt nicht allein, dazu brauche ich einen Menschen, der mich ansieht und mir nahe kommt, der mich berührt und mich in seine Arme schließt.

Ich weiß noch genau, wie mich meine erste feste Freundin das erste Mal in den Arm genommen hat. Ich fühlte mich geliebt. Wow! Und versuchte mich zu erinnern, wann mich das letzte Mal jemand so berührt hat. Die Eltern ihren pubertierenden Sohn schon lange nicht mehr. Ich war traurig und glücklich zugleich.

Als Pfarrer besuchte ich eine Frau im Krankenhaus. Sie wollte unbedingt mit mir sprechen. Als ich da bin und ihr zuhöre, verstehe ich, dass ihr nicht nur die Operation Sorgen macht. Da ist der Mann, der trinkt, das Jugendamt, das jetzt bestimmen will, wo die Tochter leben soll, die Nachbarn, die Fragen stellen. Auch eine Freundin, die zu ihr hält und mit der sie reden kann, immerhin. – Ihr ist das alles zu viel. Viel zu viel. Ich höre ihr zu, erkundige mich, frage, was sie braucht, überlege mit ihr, was ein nächster Schritt sein könnte. Bald hat sie Geburtstag, dann will sie mit der Familie zusammen sein. Aber ich merke auch, das ist alles kompliziert. Richtig helfen kann ich ihr nicht. Am Ende wollen wir uns verabschieden. Da sagt Sie: Darf ich Sie mal drücken? Wir umarmen uns. Vielleicht sagt sie damit: Danke. Ich sage so: Hab Kraft! Du bist wertvoll. Du bist geliebt. – Eine Begegnung, die mich selbst berührt hat.

Ist es das, was vielen fehlt? Dass wir uns einfach nicht mehr nahe kommen? Ärzte, Therapeuten und Heilpraktiker berichten, dass oft die reine Zuwendung heilsam wirkt. Dass eine Berührung schon etwas verändert.

Von Jesus wird erzählt, dass eine Frau ihn besucht. Sie bricht in eine Männerrunde ein, die gelehrten Herren essen und trinken und diskutieren gerade über Gott und die Welt. Die Frau gilt als stadtbekannte Sünderin, vermutlich eine Prostituierte. Jesus lässt sie gewähren. Sie hat ein kostbares Öl dabei. Als sie Jesus näher kommt, kommen ihr Tränen. Sie fallen auf seine Füße und trocknet sie mit ihren Haaren. Sie küsst sie und salbt sie mit dem Öl. Die anderen Männer sind entsetzt: Wie kannst du das zulassen? Doch Jesus lässt sie und sagt: Diese Frau hat Liebe gezeigt. Zu ihr sagt er: Was immer war, ist dir vergeben. Es steht nicht so in der Geschichte, aber ich kann es mir kaum anders vorstellen, als dass auch Jesus sie berührt hat, vielleicht umarmt, vielleicht gesegnet.

Zuhören, den andern wahrnehmen und sich einfach mal umarmen. Aus freien Stücken, einfach weil es gut tut. Es kann so viel verändern.

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