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Kirche in WDR 4 | 25.10.2017 | 08:55 Uhr

Einen Hirten braucht jeder. Eine Schäferin erzählt.

O-Ton 1: „...meine Schafe laufen den ganzen Sommer in Bochum rum und irgendwie finden die immer wat Grünes“.

Autor: erzählt Sabine Hülser. Die Wittenerin hütet 300 Schafe. Seit 30 Jahren ist sie Schäferin mitten im Ruhrgebiet. Schon als kleines Kind liebte Sabine Hülser Tiere.

O-Ton 2: „Meine Eltern haben immer gesagt, wenn die mal heiratet, immer nur Schäfer oder irgendwie ´n Bauern. Ging gar nicht anders. Ich habe mit Kühen angefangen, Pferde und danach kamen erst die Schafe.“

Autor: Und weil die Tierliebe der Tochter so offensichtlich war, haben ihre Eltern ihr einen Satz aus Psalm 23 mit auf den Weg gegeben: „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“

O-Ton 3: „Is mein Taufspruch..., den kenn ich schon länger (lacht)...Ja, im Grunde genommen brauchen wir alle irgendwo einen Hirten. Ich glaub, ganz ohne geht’s nicht“.

Autor: Und welche Aufgaben hat Sabine Hülser als Hirtin:

O-Ton 4: „Ich denke mal die gleiche Aufgabe wie so’n Pfaffe auch... Man muss auf seine Schäfchen achten, muss gucken, dass es denen gut geht, ... die Gesundheit ein bisschen beachten und dann ansonsten geht es denen immer gut. Und mir dann auch, ich kann nur schlafen, wenn es meinen Tieren auch gut geht.“

Autor: Von der Redewendung „dummes Schaf“ hält die Schäferin wenig:

O-Ton 5: „So dumm wie die aussehen, sind se leider nicht. Die hab´n `nen hohen Intelligenzgrad, in dem Moment wo ich die anlocke, wissen die ganz genau, es gibt was Neues und dann kommen die schon hinterher. Dat ist so, die werden mir folgen, weil genau da wo ich hingehe, gibt es was Frisches zu fressen.“

Autor: Dabei gibt es unterwegs immer wieder Gefahren für ihre Schafe:

O-Ton 6: „Ja, die Leute meinen ja immer der Wolf ist gefährlich. Der Wolf ist im Moment noch nicht bis bei uns vorgedrungen. Bei uns sind es erstmal im Moment noch die ganzen Hunde, die hier rumlaufen. Die sind viel gefährlicher. Wenn die hetzen, die hochtragenden Tiere, dann kann passieren, dass die dann tote Lämmer rausschmeißen. Das ist nicht nur für das Schaf gefährlich, sondern auch für unser Portemonnaie.“

Autorin: Für Sabine Hülser bedeutet dies, dass ein Jahr Arbeit umsonst war. Und wie ist es, wenn ihr ein Tier verloren geht – so wie im biblischen Gleichnis vom verlorenen Schaf?

O-Ton 7: „Kommt drauf an, wie dat verloren geht, ne. Also, wenn es jetzt irgendwo in der Ecke steht und hat jetzt ein Lämmchen gekriegt und ich ziehe weiter, dann bleibt die einfach stehen. Das ist mir auch schon passiert, die ist einfach im Schatten stehen geblieben. Dann sind da nette Leute gekommen und haben es mir wiedergebracht. Die Herde muss schon irgendwie komplett sein, sonst sind wir auch nicht glücklich.“

Autor: Manchmal wird auch ein Schaf gestohlen. Vor allen Gefahren versucht Sabine Hülser ihre Schafe zu schützen und auf die Herde gut aufzupassen. Und das brauchen nicht nur Schafe:

O-Ton 8: „Ich denk mal, irgendwie hat man immer jemanden, der auf einen aufpasst. Wenn’s nicht Vater, Mutter, dann der Ehemann oder die eigenen Kinder, irgendjemand wird immer auf einen aufpassen und wenn die dat nicht tun, dann muss man einfach den Glauben haben, dass das dann jemand tut, den man nicht so vor Augen hat...“

Autor: Es grüßt Sie, Pfarrer Carsten Griese aus Witten.

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