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Kirche in WDR 5 | 15.06.2018 | 06:55 Uhr

Einer für Alle – Alle für Einen

Guten Morgen!

Eine eindrucksvolle Beerdigung habe ich als Polizeiseelsorger vor einigen Monaten miterlebt. Oder besser: miterleben müssen, denn es war ein tragischer Todesfall: Der verstorbene Polizeibeamte war in meinem Alter, Mitte fünfzig, und schwer krank. Die Trauerfeier und Beisetzung habe ich selbst durchgeführt.

Was mich daran so beeindruckt hat: Die große Anzahl an Kolleginnen und Kollegen, die den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleitet haben. Dieses Zeichen von Gemeinschaft, von Solidarität und Zusammenhalt hat mich tief berührt. – Auch an anderen Stellen spüre ich den starken Zusammenhalt bei der Polizei – den es sicherlich auch in anderen Gruppen gibt: Da musste ein Beamter wegen einer Trennung sofort zuhause ausziehen und brauchte schnell eine Wohnung und Möbel. Ganz selbstverständlich haben die Kollegen und Kolleginnen der Dienstgruppe nach Feierabend die neue Wohnung renoviert, Möbel beschafft und beim Umzug geholfen. Einem anderen wurde nach einem sehr belastenden Einsatz angeboten: „Hörmal, du musst nicht alleine sein. Du kannst bei mir schlafen, wenn du willst.“ Mir kommt der Wahlspruch der Drei Musketiere in den Sinn: „Einer für alle, alle für einen.“ Und ich bin – ehrlich gesagt – ein bisschen neidisch auf so eine Dienstgemeinschaft.

Diese Gemeinschaft funktioniert, weil jede und jeder sich für die anderen einsetzt. Und jeder kann sich darauf verlassen, von der Gruppe getragen zu sein. Das ist ein schönes Gefühl, und, Gott sei Dank, gibt es das nicht nur in Arbeitszusammenhängen und bei der Polizei. In meiner Familie erlebe ich diesen Zusammenhalt ebenfalls: einer für alle, alle für einen. Jeder trägt jeden und jeder erträgt jeden. Auch in größeren Gemeinschaften oder Gruppen ist eine solche Solidarität wichtig und erfahrbar. Dieses Prinzip gilt aber auch für ganz große Gebilde, für Organisationen und für den Staat. Die Inhalte unseres Grundgesetzes beruhen ebenfalls darauf: „einer für alle, alle für einen.“

Mir ist noch ein anderer Aspekt an diesem Leitsatz wichtig. Ich höre darin auch: Jede und jeder einzelne ist für die Anderen wichtig. Denn jeder Mensch ist einmalig und kann etwas einbringen, was sonst niemand anderer so kann. Jeder und jede ist eine Bereicherung. „Ihr seid das Salz der Erde“, heißt es in der Bibel (Mt 5,13). Mit diesem Vergleich sagt Jesus, dass das Leben geschmacklos ist ohne Menschen, die sich engagieren. Jeder Mensch trägt zum Geschmack des Lebens bei, hilft mit, dass die Welt genießbar ist, so wie ein leckeres Essen mit vielen Gewürzen zubereitet wird.

Manchmal versuche ich, Menschen, die mir begegnen, zu sehen als Prise Salz für meinen Tag und auch für die Gesellschaft. Und zwar auch und gerade die Menschen, die eher als problematisch gelten. Auch wenn ich mich über sie ärgere, weil sie mir meine Suppe – sprich – mein Leben versalzen – was vielleicht noch nicht einmal ihre Absicht ist. Ohne sie wären die Welt und mein Leben ärmer. Diese Haltung macht Mühe. Aber wenn ich Menschen wertschätzend wahrnehmen möchte, müssen meine Geschmacksnerven sensibel sein – um noch einmal den Vergleich mit dem Salz und dem Essen heranzuziehen.

Jeder und jede bringt Würze in die Welt. Dass Sie heute davon etwas schmecken, wünscht Ihnen Pastoralreferent Martin Dautzenberg. Bis morgen!

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