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Kirche in WDR 3 | 19.07.2017 | 07:50 Uhr

Elisabeths Traum

Guten Morgen!

Es ist das Jahr 1524. Elisabeth von Meseritz hat Caspar Cruciger geheiratet. Martin Luther hat die beiden in Wittenberg getraut. Eine nüchterne Trauzeremonie. Anschließend ein rauschendes Fest.

Musik 1: Track 1 Munter Geschrey, CD Mittelalter,

Der Reformator Johannes Bugenhagen, ein Freund des Paares, schreibt an einen Freund:

Sprecher: „Wir werden aber die Hochzeit am Dienstag Mittag und den ganzen Tag feiern, (der von heute an der 13. Tag sein wird). Der Bräutigam aber, Kaspar Cruciger aus Leipzig, und die Braut, meine Elisabeth, ich und meine Gattin bitten, daß Du mit Freunden, die Du mitbringen willst, bei uns sein mögest.....und wenn es Dir nichts ausmacht, etwas Wildbret zu schicken! Für ungefähr zehn Tische müssen wir Speisen bereiten, denn wir haben Rücksicht zu nehmen auf die (leibliche) Verwandtschaft der braut, …“. (1) (Brief an Georg Spalatin)

Caspar Cruciger ist erst zwanzig, vier Jahre jünger als Elisabeth. Er ein evangelischer Theologiestudent bei Luther, Elisabeth - als Tochter einer Adelsfamilie ins Kloster geschickt, verließ dieses und zog zu Johannes Bugenhagen und seiner Frau nach Wittenberg. Jetzt also ist sie Ehefrau und Hausfrau. Eines Morgens weckt sie ihren Mann. Unbedingt muss sie ihm erzählen, was sie geträumt hat. Stell dir vor sagt sie…

Sprecherin: Ich stand hier in Wittenberg auf der Kanzel und habe gepredigt. So wie ihr. Es war ein wundervolles Gefühl.

Und was antwortet Caspar?

Sprecher: Vielleicht will euch der liebe Gott für würdig erachten, dass eure Gesänge, mit denen ihr zu Hause umgeht, in der Kirche sollen gesungen werden. (2)

Aha. Sichtbar für alle auf der Kanzel stehen und das Wort führen. Nein, das kann sich Caspar Cruciger für seine Frau nicht vorstellen. Für gar keine Frau. Man kann es ihm kaum verdenken - denn das war noch ein halbes Jahrtausend später nicht vorstellbar. Erst vor vierzig Jahren erhielten die Pfarrerinnen in Deutschland die gleichen Rechte wie ihre männlichen Kollegen. (3)

Aber immerhin: Dass Elisabeths Lieder, die sie schreibt, gern öffentlich gesungen werden, das kann ihr Ehemann sich vorstellen. Elisabeth hat Lust daran, Lieder zu dichten. Singt sie zuerst mit den Kindern - in der Küche, im Unterricht.

Noch im ersten Jahr der Ehe dichtet sie das Lied „Herr Christ der einig Gotts Sohn“. Und das findet tatsächlich auch öffentlich Anklang. Eine Generation später, im Jahr 1571, schreibt der evangelische Theologe und Kirchenlieddichter Cyriakus Spangenberg:

Sprecher: „Hie haben wir einen sehr schönen Geistreihen Betpsalm, den ihr billich eure Kindlein und Gesinde sollet lernen/ und offt singen lassen... Und hat diesen Psalm ein recht fromb Gottfürchtiges Weib gemacht/ Elisabeth Creutzigerin geheissen ...

und hat dem doctor martino so wohl gefallen/ dass er ihn selbst hat in sein Gesangbüchlein zu setzen befohlen“. (4)

„Doctor Martino“ - also Martin Luther selbst sorgt dafür, dass Elisabeth Crucigers Choral in eines der ersten Wittenberger Gesangbücher aufgenommen wird. Heute ist Elisabeths Lied „Herr Christ der einig Gotts Sohn“ der erste und damit älteste Choral einer evangelischen Liederdichterin und steht Evangelischen Gesangbuch. Elisabeth hat nachweislich noch weitere Lieder geschrieben. Erhalten aber ist nur das eine. Im Kloster hatte sie viel gelernt. Lesen, schreiben und rechnen - von der Novizenmeisterin. Musik - von der Kantorin. Sie kennt die Bibel gut und kann aus ihr zitieren. Ihr Glaube ist kein trockener Gelehrtenglaube. Sondern sie schöpft aus dem poetischen Bilderschatz der christlichen Mystikerinnen und Mystiker.

Sprecherin:

„lass uns in deiner Liebe

und Kenntnis nehmen zu,

dass wir am Glauben bleiben,

dir dienen im Geist so,

dass wir hier mögen schmecken

dein Süßigkeit im Herzen

und dürsten stets nach dir.“ (EG 67,3)

Elisabeth Cruciger stirbt am 5. Mai 1535. Sie hinterlässt zwei Kinder.

Was würde sie wohl von der Radiokanzel predigen? Was läge ihr am Herzen? Was liegt Ihnen, was liegt dir und mir heute am Herzen und sollte öffentlich gesagt werden? Raus damit. Nur Mut.

Ihre Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

Quellenangaben:

(1) Sonja Domröse: Frauen der Reformationszeit. Gelehrt, mutig und glaubensfest. 3. Auflage 2014, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-55012-0, S. 65.

(2) = (1) S. 59.

(3) In Westfalen 1974, im Rheinland 1975. In diesem Jahr gibt es die erste Bischöfin in der anglikanischen Kirche

(4) = (1) S. 60.

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