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Das Geistliche Wort | 28.03.2016 | 08:35 Uhr

Emmaus ist überall

Guten Morgen, sehr verehrte Damen und Herren – und gesegnete Ostern!

Der zweite Feiertag wirkt immer etwas angehängt. Aber vielleicht ist das gerade richtig so – zumindest bei den großen Feiern, wenn es um wirklich große, um wichtige Anlässe geht? Die kann man in der Regel nicht schnell verstehen oder gar begreifen. Manchmal braucht es ein ganzes Leben dazu. So ein Anlass ist für die Christen das Osterfest: Die Vorstellung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, die Freude, dass mein Leben nicht sinnlos ist.

Niemand war ja dabei, als Jesus von den Toten auferstand und der Glaube daran war und ist nicht selbstverständlich. Jedenfalls zeigt das der biblische Bericht vom Gang nach Emmaus, wo zwei Jünger wie mit Blindheit geschlagen waren. Für sie war alles zu Ende gewesen. Aus der Traum. Und es wäre doch so schön gewesen! Diese Jünger kamen erst zum Glauben, als sie Jesus beim Brotbrechen erkannten. Und sie mussten vorher immer wieder erzählen, sich austauschen über das, was geschehen war. Kein leichter Gang. Bis – ja bis ihnen klar wurde: Es ist nicht alles aus – es geht weiter. Das Leben ist stärker als der Tod. Das ist wie bei einem schwe-ren Schicksalsschlag, einem tragischen Ereignis. Ich muss heute unweigerlich an die Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes vor fast genau einem Jahr denken.

Wie oft werden die Angehörigen über das Unfassbare erzählt haben, wieder und wieder, um es zu verstehen, um es einzuordnen. Manchmal – und das ist leider auch eine Realität – gelingt es auch ein Leben lang nicht, so einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten und man über den erfahrenen Verlust nicht hin-wegkommt.

Die Geschichte vom Gang nach Emmaus zeigt, wie wichtig das Gespräch ist, die Trauerarbeit, das immer wieder Erzählen und Erzählen, bis man zu neuen Einsich-ten kommt. Allein das ist schon ein Wunder: Und sie erkannten ihn, als er das Brot brach. So heißt es jedenfalls im Lukasevangelium.

Musik 1: Osterkantaten von Johann Sebastian Bach: Erfreut euch, ihr Herzen BWV 66 (2. Ostertag)

Das Evangelium vom Gang nach Emmaus hat etwas mit Trauerarbeit zu tun. Es erzählt davon, dass zwei Jünger Tod und Auferstehung Jesu nicht verstanden haben. Auf ihrem Weg nach Hause treffen sie auf Jesus Christus, der ihnen die Vorgänge erklärt. Sie verstehen ihn aber erst, als er mit ihnen das Brot bricht.

Als frühere Generationen noch nicht lesen und schreiben konnten, vor allem, als sie noch wenig kritisch, kaum wissenschaftlich dachten und über solch einen Text wie den Emmausgang im Lukasevangelium nicht disputierten oder über seine Auslegung stritten, haben sie sich andere Wege gewählt, etwas von dem nachzuvollziehen, was da in der Bibel stand. Sie haben versucht, den Inhalt des Evangeliums und den Inhalt der Liturgie ganz praktisch in ihren Alltag zu übersetzen. So haben sie zum Beispiel den Gang nach Emmaus – auf ihre Art – nachvollzogen.

Wie hat man sich das vorzustellen?

Am frühen Ostermontagnachmittag zog man mit der ganzen Familie los und wan-derte still zu einem Bildstock oder einer Kapelle. Still deshalb, weil man unterwegs über das Evangelium nachdachte: Hätte ich das Geschehen verstanden? In welcher Stimmung wäre ich nach Hause gegangen? Welche Konsequenzen hat die Auferstehung Jesu – für mich und meine Familie und alle Menschen?

Es blieb aber nicht nur beim äußeren Nachvollzug des Emmausganges und der in-neren Betrachtung der Auferstehungsbotschaft. Auch die Kleidung sollte zum Aus-druck bringen, dass es sich hier um ein großes Fest handelte: Am Ostertag zog man nicht nur einfach seine schicksten Klamotten an, die Sonntagskleidung eben. Nein, für diesen Tag kleideten sich viele Menschen auch neu ein! Die Auferstehung macht schließlich alles neu. So erinnerten sich viele Christen an eine Stelle im Epheserbrief (Eph 6, 11-13):

Sprecher:

„Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.“

Die neue Kleidung zu Ostern sollte symbolisch zeigen: Wir sind gewappnet gegen das Böse und die Dämonen, die Jesus durch die Auferstehung besiegt hat. Die Christen damals vollzogen den Gang der Emmausjünger nach und verinnerlichten so das Ostergeschehen und seine Bedeutung.

Übrigens: Der Emmausgang wäre nicht Teil eines katholischen Festes, wenn das Körperliche nicht auch neben dem Geistlichen stehen würde. Nur selten fehlt näm-lich in der Nähe einer gut besuchten Kapelle ein Gasthaus, in das man nach dem Emmausgang einen Kaffee trinken kann oder mehr noch eine stärkende Brotzeit. Dieser alte Brauch ist nicht allein in den Alpenländern zuhause. Es gibt ihn auch im Rheinland und in Westfalen.

Selbst während der Aufklärung, als Religion und christliches Brauchtum vor allem bei den Intellektuellen auf dem Tiefpunkt waren, war der Emmausgang präsent, natürlich nicht unter seinem richtigen Namen. Osterspaziergang hat Johann Wolfgang von Goethe das Geschehen genannt, das er im Faust 1 beschreibt und das mit dem folgenden Text endet:

Sprecher:

„Ich höre schon des Dorfs Getümmel, Hier ist des Volkes wahrer Him-mel, Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“

Musik 2: Osterkantaten von Johann Sebastian Bach: Cantate BWV 134 - Ein Herz, das seinem Jesum lebend weiß, (2. Aria)]

Neben dem Emmausgang gibt es zahlreiche Bräuche zu Ostern, die allesamt hel-fen wollen, das Geheimnis der Auferstehung zu deuten und zu verstehen. Einer der vielen Bräuche schien nach der Reformation untergegangen zu sein, von dem im 19. Jahrhundert fast nur hinter vorgehaltenen Händen erzählt wurde. Ich meine das Osterlachen, Ostergelächter oder Ostermärlein, das mit einem Fachbegriff „risus paschalis“ genannt wird, ein Brauch, der Ostern dazu gehörte, wie das Osterei. Hinter dem Osterlachen steht ein wichtiger Gedanke: Wie bei einem guten Witz die Pointe ein überraschendes Ende bereitet, das Unerwartete also ermöglicht wird, so ist es auch bei der Botschaft von der Auferstehung! Die Botschaft von der Auferstehung Jesu sagt doch gegen alle Erwartungen: Der Tod ist doch nicht das Letzte im Leben. Jesus hat alle Menschen vom ewigen Tod befreit. Das ist der Grund, warum man den Tod auslachen darf. Er ist nicht mehr der Sieger über das Leben. Er hat endgültig und für immer verloren.

Auch diese Erkenntnis setzten und setzen bis heute Prediger an Ostern in ein konkretes Geschehen um. Der Prediger hatte in seine Predigt eine Passage aufzunehmen, die die Gemeinde schallend lachen ließ. Es war ein Lachen aus tiefstem Herzen, nicht über andere, sondern wegen der scheinbar unerwarteten Pointe.

Setzt man das Osterlachen mit pfiffigem Hintersinn ein, erreicht man den gesuchten Zweck. Ein Beispiel: 2010 hat der evangelische Pastor Christhard Rüdiger in Chemnitz gepredigt:

Sprecher:

"Friedrich der Große, der Preußenkönig – wir erinnern uns: ‚Jeder soll nach seiner Fasson selig werden…’ – bekommt eine Akte vorgelegt. In ihr geht es um die Amtsenthebung eines Pfarrers, der er zustimmen soll. Dem Pfarrer wird Freigeisterei vorgeworfen. Er habe in seiner Osterpredigt öffentlich geäußert, dass er aus Vernunftgründen nicht an die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag glauben könne.

Der König soll die Eingabe mit folgenden Worten abgewiesen haben: ‚Dit is janz und jar seine Sache, wenn er nich auferstehen will, denn soll er doch meinetwejen am Jüngstn Tach liejen bleibm.’“

Ja – jeder soll nach seiner Fasson selig werden – mal gucken, was daraus wird, wenn der Mensch denkt und Gott lenkt. Nach biblischem Verständnis steht jedenfalls fest, dass Gott lacht. Davon berichten nicht nur die Psalmen im Alten Testament. Jesus selbst verspricht in seinen Seligpreisungen, dass die, die weinen, lachen werden. Für mich ist das ganz klar: Jesus lehrt zu lachen – in der Gewissheit des Sieges des Lebens über den Tod. So jedenfalls beschreibt es die geheime Offenbarung am Ende des Neuen Testamentes (Offb 21, 3f.):

Sprecher:

Gott wird bei allen Menschen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen; der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.

Musik 3: Bach - Cantate BWV 31 - Der Himmel lacht, die Erde jubiliert

Ob Emmausgang oder Osterlachen – an Ostern feiern die Christen das Gedächtnis an die Auferstehung Jesu. Ostern bedenkt aber auch die Konsequenz dieser Auferstehung für die Menschen. Nicht nur, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, sondern auch die Konsequenz daraus für das Leben hier und jetzt: Wir dürfen mit Gott lachen.

Ein Gebet, das der Ökumenische Rat der Kirchen 1991 gesprochen hat, bringt die Überzeugung sehr schön zum Ausdruck, dass es allen Grund gibt, hier und jetzt schon zu lachen, weil der Tod nicht das Letzte ist. Mögen viele auch in Jesu Wirken einen vergeblichen Versuch gesehen haben, dass Leben zu verändern, wer an ihn glaubt, kann eine andere Erfahrung machen:

Sprecher: Herr Jesus Christus,

Weil du das Brot mit den Armen gebrochen hast, wurdest du verachtet.

Weil du das Brot mit den Sündern und ausgestoßenen gebrochen hast, nannte man dich gottlos.

Weil du das Brot mit fröhlichen Menschen gebrochen hast, nannte man dich einen Weinsäufer und Fresser.

Weil du das Brot im Obergemach gebrochen hast, nahmst du den Kreuzweg endgültig auf dich.

Weil du das Brot auf dem Weg nach Emmaus gebrochen hast, öffnetest du, die Augen der Jünger.

Weil du das Brot gebrochen und geteilt hast, tun auch wir es und erbitten deinen Segen.

Herr Jesus Christus, segne das Brot, das wir brechen, und die Gemeinschaft, die wir miteinander teilen.

Amen.

Musik 4: Johann Sebastian Bach: BWV 249 Osteroratorium

Den Jüngern von Emmaus gingen die Augen auf, als Jesus das Brot brach. Ich bin überzeugt: Wenn wir heute mit allen Hilfsbedürftigen, die uns anvertraut sind, das Brot brechen, wird es uns so ergehen, wie den Jüngern von Emmaus damals: Wir werden mehr sehen als nur gebrochenes Brot, wir werden erkennen, dass Gott bei den Menschen ist.

Einen schönen zweiten Osterfeiertag wünscht Ihnen Ihr Professor Manfred Becker-Huberti.

Musik 5: Johann Sebastian Bach: BWV 249 Osteroratorium

*Quelle: http://www.predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predigt-ueber-das-osterlachen.html

Quelle: http://www.predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predigt-ueber-das-osterlachen.html

Copyright Vorschaubild: Pixabay

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