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Kirche in WDR 5 | 26.04.2017 | 06:55 Uhr

Endlich frei

Guten Morgen!

In diesem Jahr sind wir in Nordrhein-Westfalen gleich zweimal aufgerufen, wählen zu gehen. Jetzt bald wählen wir einen neuen Landtag und dann im Herbst den Bundestag. Für die meisten von uns ist das ganz selbstverständlich, dass wir das können: wählen – mitbestimmen, wer unser Land regieren soll. Es ist uns so selbstverständlich, dass viele von ihrem Wahlrecht gar nicht mehr Gebrauch machen.

In vielen Ländern der Welt dürfen Menschen bis heute nicht wählen. Und nicht selten war es in der Geschichte so, dass nur ausgewählte Menschen ihre Stimme abgeben durften. Heute ist der Jahrestag der ersten freien Wahlen in Südafrika 1994. Nach den Jahren der Apartheid, der Rassentrennung durfte zum ersten Mal nicht nur die weiße Bevölkerung an die Wahlurnen gehen, sondern alle Südafrikaner. Danach wurde Nelson Mandela Präsident. Er hatte wegen seines Kampfes gegen das unmenschliche Regime der Rassentrennung 27 Jahre im Gefängnis zugebracht. Man hatte ihn weggesperrt wie so viele andere auch. Noch andere bezahlten ihren Kampf für die Freiheit mit dem Leben. Am Ende der ersten freien Wahlen soll Nelson Mandela gesagt haben: „Ihr könnt es von den Dächern rufen: Endlich frei!“

In diesem Jahr feiern die evangelischen Kirchen 500 Jahre Reformation. Denn am 31. Oktober vor 500 Jahren hatte Martin Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht. Viele Kirchen – auch in Nordrhein-Westfalen – nehmen mit dem Motto, das sie sich jeweils für dieses besondere Jahr gegeben haben, den Gedanken der Freiheit auf. Auch bei uns in der Lippischen Landeskirche feiern wir unter dem Motto „gemeinsam frei“. Wir wollen an das erinnern, was in der Reformationszeit neu entdeckt wurde: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ So hat es der Apostel Paulus einmal formuliert. Gott befreit uns davon, uns selbst rechtfertigen zu müssen. Gott nimmt uns an und liebt uns, ohne dass wir selbst etwas dafür tun müssten oder auch nur könnten. Wir werden frei davon, um uns selbst zu kreisen und so zugleich frei für unsere Nächsten.

Oft aber haben die Kirchen den Gedanken der Freiheit nicht weit genug gedacht. Im Gegenteil. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sogar Kirchen das System der Rassentrennung in Südafrika unterstützt haben? Oder wie sonst wäre es zu erklären, dass Christen über Jahrhunderte an der Sklaverei beteiligt waren oder gar oder gar selbst Sklavenhalter waren?

Andere Christen haben sich aus ihrem Glauben heraus für die Freiheit von Menschen stark gemacht und für diese Freiheit gekämpft. In einem Bekenntnis unserer Partnerkirche in Südafrika heißt es, „dass die Kirche als Eigentum Gottes dort stehen muss, wo Gott selbst steht, nämlich an der Seite der Entrechteten, gegen alle Formen der Ungerechtigkeit.“. Es ist unser Auftrag, uns nicht zu schnell abzufinden mit der Welt wie sie ist, sondern für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten.

Als Nelson Mandela nach 27 Jahren aus dem Gefängnis frei kam, mahnte er: „Um frei zu sein, genügt es nicht, einfach die Ketten abzuwerfen. […] Die wahre Prüfung für unsere Hingabe an die Freiheit hat gerade erst begonnen.“ (1)

Dieser Gedanke möge auch uns in Deutschland in diesem Wahljahr leiten.

Das wünscht sich,

Ihr Dietmar Arends, Landessuperintendent aus Detmold.

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