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Kirche in WDR 4 | 16.07.2015 | 08:55 Uhr

Engel

Guten Morgen, liebe Hörer und Hörerinnen!

können Sie sich etwas unter Engeln vorstellen? In den Buchhandlungen gibt es zumindest unzählige Bücher, deren Autoren mit diesen Wesen vertraut zu sein scheinen. Da liest man Buchtitel wie: „Engel und ihre Geheimnisse: ihre Natur, ihre Sprache und wie man sich ihnen öffnet.“ Dann „Der Engel-Ratgeber“, „Die Weisheit der Engel für gute und schwierige Zeiten“ oder „Engel machen Wünsche wahr: Himmlische Energien für Glück und Erfüllung“ und noch vieles mehr. Dazu Bilder von menschlichen Gestalten mit großen Flügeln, die vertrauenerweckend aussehen. Ein recht eigenartiges Gemisch, dessen Grundbotschaft meint, dass sie – die Engel – uns gut tun.

In diesem Punkt stimme ich mit der Grundbotschaft überein: sie wollen unser Bestes. Doch wage ich nicht zu beurteilen, wie sie das wollen und was sie für uns für das Beste halten. Die Bibel lässt immer wieder Engel als Boten Gottes zu Menschen kommen, die ihnen Gutes verkünden und bringen.

Eine Stelle aus dem Buch Exodus (23,20-21) geht mir dabei immer besonders nahe. Da spricht Gott zum Menschen:

Sprecher:

„Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn und hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig.“

Dieser Engel, von dem Gott spricht, wird uns nicht einfach nehmen und am Ende wieder absetzen, sondern er respektiert unsere Freiheit. Denn – so heißt es ja in dem Zitat aus dem Buch Exodus: Gott bittet den Menschen, auf ihn zu achten und auf seine Stimme zu hören. Auch das passt noch zu den ermunternden Bildern von Engeln, die uns in den Büchern begegnen. Doch dann wird es etwas schwierig: „Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen!“ Das weckt eine Ahnung von Größe und Erhabenheit dieser Wesen, die bis jetzt in den Bildern noch nicht vorkamen. Wie so oft in der Bibel werden die Leser in der Vorstellung von kuscheliger Geborgenheit aufgeschreckt. Plötzlich erfahren sie die fremde Größe. Gott selbst ist im Engel gegenwärtig in seinem Namen. Nur zu oft bin ich in der Gefahr, ihn zu klein zu denken in meiner Sehnsucht nach Harmonie und Geborgenheit. Auch wenn er sich in der Menschwerdung ganz klein gemacht hat, ist er doch von erschreckender Größe. In seinen Duineser Elegien hat der Dichter Rainer Maria Rilke in ähnlicher Weise über Engel geschrieben:

Sprecher:

„Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich“ .

Viele erschrecken vor dem, was ihnen zu groß ist, was sie zu überwältigen droht. Auch vor dem Guten, das zu erhaben ist, als dass sie es bewältigen könnten, erschrecken sie. Erst wer zulässt, dass die Engel in ihrer Erhabenheit und Größe für einen auch erschreckend sind, in dem könnte auch eine Ahnung wachsen, wie unermesslich und unvorstellbar für menschliche Begriffe die Erhabenheit Gottes ist. Und diesem Gott ist nichts zu klein, was unser Heil betrifft.

Dass Sie heute auf Ihren Engel achten, wünscht Ihnen Ihre Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

4*Rainer Maria Rilke, Duineser Elegien, Kap. 1.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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