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Sonntagskirche | 13.11.2016 | 08:55 Uhr

Engel beherbergen

Heute ist Volkstrauertag. Mein Vater wurde 1942 Soldat. Siegesgewiss zog er damals gegen „den Russen“, den „kulturlosen Untermenschen“ im Osten. So dachte er.

Den Gegner runtermachen - als minderwertig, fremd und finster. Abwerten, entwürdigen, gar ausmerzen - darin war mein Vater damals ganz Kind seiner Zeit.

Doch zieht dieses Muster sich durch bis heute: „Der Pole“, „der Jude“, „der Türke“, „der Kurde“, „der Syrer“, „der Muslim“ heißt es da. Der Einzelne – der zählt nicht. Wird entwürdigt, abgestempelt.

Kriege beginnen in den Köpfen und Herzen: Fremde abstempeln und den eigenen Clan verherrlichen.

„Die Geschwisterliebe bleibe“ (Hebräer 13) – lese ich in einem alten Brief des Neuen Testaments. Und dann: „Die Fremdenliebe vergesst nicht.“

Fremdenliebe? Das war und ist wohl gerade ein Fremdwort – vor allem in Europa.

Die Fremdenliebe vergesst nicht!

Wie das geht, erlebte unsere Familie eindrücklich an Michail, dem 18-jährigen Schuster aus der Ukraine, Kriegsgefangener - als Fremdarbeiter 1943 unserem kleinen Bauernhof zugewiesen. Mit der Familie durften Zwangsarbeiter nicht an einem Tisch sitzen – so war’s polizeilich vorgeschrieben. In einer Heukammer schlief er.

Und doch unterstützte Michail unsere Mutter zwei Jahre lang nach Kräften, den Hof zu bearbeiten - bei vier Kindern. Er wurde meinen Geschwistern zum großen Bruder, baute ihnen Spielsachen, gar eine Armbrust.

Als schlussendlich die Front näherkam, brachte er das Vieh in Sicherheit und auch die Landmaschinen. Verpasste den Kindern noch einen Haarschnitt, wollte gar die Kühe noch melken, bevor er sich zur Sammelstelle begab nach der Kapitulation.

Sechs Jahrzehnte vergingen. Dann suchten und fanden zwei meiner älteren Brüder den Engel ihrer Kindheit in der Ukraine wieder. Und erfuhren: Michail war von Stalin interniert worden als „Heimatverräter“, weil er Kriegsgefangener bei den Deutschen gewesen war. Auch an der Fachhochschule durfte er nicht studieren, trotz bestandener Prüfung. Er wurde als einzelner Mensch entwürdigt, abgestempelt als – „der Deutsche“.

Und schloss doch seine Besucher aus Deutschland beim Wiedersehen in beide Arme. Rief: „Meine Kinder!“

Wie heißt es in der Bibel? „Die Fremdenliebe vergesst nicht, denn durch sie haben manche – ohne ihr Wissen – Engel beherbergt.“

„Lenk deinen Schritt engelwärts“, rät uns ein Gedicht. (1) Das meint: Öffne dich für Gott und deinen Nächsten. Manche haben – ohne ihr Wissen – Engel beherbergt. Das wünsche ich Ihnen an diesem Sonntag und an allen weiteren Tagen: „Lenk deinen Schritt engelwärts“. Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna.

(1) Rose Ausländer: Der Engel in dir.

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