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Kirche in WDR 5 | 15.09.2015 | 06:55 Uhr

Ent-Sorger Gott

Hören Sie das? Dieses Klappern. Das Anfahren eines Lastwagens, das Krachen von Gegenständen auf den Asphalt. Männer, die sich Dinge zurufen? Guten Morgen! Während diese Radioandacht läuft, fahren sie eifrig durch unsere Straßen und fallen einem kaum noch auf. Es sei denn man muss hinter ihnen warten: Die Leute von den Entsorgungsunternehmen oder landläufig: Müllmänner genannt - manchmal auch -frauen. Mich haben sie als Kind immer fasziniert: Wenn ich bei meinen Großeltern in Hildesheim war und nicht schlafen konnte, setzte ich mich auf die Lehne von Opas Sessel und schaute herunter auf den Marktplatz. Plötzlich tauchte das berühmte orange Auto auf. Ich habe mich damals gefragt und frage bis heute: Warum sind die orange? Aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall habe ich dann beobachtet, wie die Männer die Tonnen aus den Einfahrten und von den Straßenrändern herbei rollten und zogen und sie in die Klammergriffe am Lastwagen einhakten. Dann wurde mit zischender Hydraulik ein Hebel gezogen und die Tonne angehoben und entleert in den riesigen Bauch des orangenen Ungeheuers. Großartig!

Und dann die Erinnerung an andere Bilder im Fernsehen - Müllberge. In Neapel, wo die Müllabfuhr öfter mal gestreikt hat oder auch in den USA. Säckeweise Unrat - Ratten - Gestank. Oder in anderen Ländern: Müllberge, auf denen Menschen wohnen müssen. Gruselig! Kaum etwas würde das makellose Lebensgefühl unserer westlichen Welt so sehr beeinträchtigen wie ein langer Streik der Entsorgungsunternehmen. Wir sind abhängig von ihnen. Wir produzieren permanent Müll. Wir sortieren diesen Müll sorgfältig und das ist gut! Aber es ändert nichts daran: Irgendwann muss er weg. Auch sortierte Haufen in der Wohnung oder am Straßenrand stinken irgendwann und müllen einen zu. Die Entsorgungsunternehmen sorgen dafür, dass dieser Müll beseitigt wird. Verbrannt. Verbuddelt. Aus den Augen. Einfach mal: Danke für und an unsere Entsorger!

Mich fasziniert darüber hinaus ein ganz anderes Entsorgungsunternehmen: Gott. Was? Sie meinen, ich rede hier respektlos von Gott? Ganz und gar nicht - ich nehme den Begriff wörtlich: Ent-sorgen. Sorgen loswerden. Sorgen und Grübelei sind Friedensräuber. Sie verhindern zuverlässig, dass wir in den Frieden und die Geborgenheit hinein kommen, die Gott uns als mögliche Gefühlsbasis für unser Leben zugedacht hat. Wir produzieren Sorgen und Grübelei ohne Unterlass - das ist nicht zu vermeiden. Wir leben nicht im Paradies, wo Sorgen überflüssig wäre. Doch wohin damit? Nun gibt es auch da Strategien, das alles schön zu sortieren. Sorgentrennung. Man kann sie aufschreiben und in Sorgenpuppen stecken, man kann sie vom Kopf her versuchen klar zu kriegen und nach Lösungen suchen, man kann sie verdrängen und in eine entfernte Schublade stecken. Man kann sich auch ständig um sie drehen in der Hoffnung, dass sie dadurch klarer und kleiner werden - meist wird uns nur schwindelig und speiübel dabei. Letztlich liegen die Sorgen wie Müllsäcke in der Gegend herum. Ballast, der Klarheit und Frieden in unseren Herzen zumüllt.

Gott ist hier ganz wörtlich der Ent-Sorger. Jesus fordert uns in seinem Namen auf, uns nicht zu sorgen. Und weil das nicht so einfach ist, gibt er auch Tipps wie das geht und die haben es in sich: Lebe heute, lebe gegenwärtig. Ein Tag nach dem anderen, denk nicht immer schon an die Probleme von übermorgen. Schau auf mich, deinen Herrn, der dich hält und versorgt. Und: Ich sorge nicht nur für dich, sondern auch an deiner Stelle. Ich spüre deine Sorgen und nehme sie an mein Herz. Ich kann helfen und verwandeln. Wirf deine Sorgen auf mich. (1.Petrus 5,7). Dass Sie diese Wohltat des großen Ent-Sorgers erleben, das wünscht Ihnen Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

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