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Kirche in WDR 4 | 25.09.2014 | 08:55 Uhr

Entscheidungszwänge

Guten Morgen!

Gerade eben im Hauptbahnhof – noch schnell vor der Aufzeichnung im Funkhaus einen Kaffee, damit die Stimme auf Touren kommt. Schnell...“ Welcher darf’s denn sein? Brasilianische Mischung, Kolumbianischer Hochland...“ Kolumbien passt gut – Meine Gedanken gehen in das Partnerland des Bistums Aachen. „Normal, mittel, groß?“ Groß, na klar. „Möchten Sie mit Geschmack?“ Die freundliche Verkäuferin fängt an, mich zu nerven. Mein Gott, ich will doch nur einen schnellen Kaffee... Nein – kein Geschmack. Ich pansch doch nicht in gutem, kolumbianischen Hochlandkaffee herum... „Milch und oder Zucker?“ Schwarz, danke. „Zum Mitnehmen oder hier trinken?“ Ich glaube es nicht – einen schnellen Kaffee – und schon steht man wie vor einem dieser undurchschaubaren Fahrkarten-Automaten mit ebenso undurchschaubaren Wahlmöglichkeiten. Nur, dass es hier immerhin noch ein menschliches Wesen hinter der Theke ist, das mir eine Entscheidung nach der anderen abnötigt. „Hier gibt es alles nach Wunsch...“ lächelt die Kaffee-Verkäuferin verständnisvoll immer noch freundlich und mit einer scheinbar unerschütterlichen Geduld und Ausdauer. Sie hat wohl meinen Gesichtsausdruck richtig interpretiert. Alles nach Wunsch... Als wenn das Leben eine Art Wunschkonzert ist. Ist es eben nicht – das ist doch die Wahrheit. Wenn es wirklich um etwas geht, sind meine Wunschmöglichkeiten doch sehr schnell erschöpft. Komisch, denke ich mir, im Supermarkt, im Fast-Food-Restaurant oder eben hier in der Kaffee-Bar stehe ich für Banalitäten vor zig-Entscheidungen. „Alles nach Wunsch...“ klingen mir die Worte der freundlichen Kaffee-Verkäuferin nach.

Manchmal denke ich: Das ist nicht mehr meine Welt, in der ich auf Schritt und Tritt zu Entscheidungen genötigt werde. Ich kenne Menschen, die regelmäßig an solchen, wenn auch scheinbar belanglosen Entscheidungen scheitern. Ich denke an einen Freund, der sich mit einem Einkaufszettel auf den Weg in den Supermarkt machte. „Schwarze Tee“ stand da unter vielen anderen Positionen. Doch welcher sollte es sein? Welche Marke? Welche Menge, welche Sorte... Ich kann mir gut vorstellen, wie er vor dem riesigen Tee-Regal stand. Am Ende hat ihn das so mitgenommen, dass er einfach ohne einen jeglichen Einkauf wieder nach Hause zurückgekehrt ist. Schweißgebadet, vollkommen fertig mit den Nerven, gescheitert an einem Päckchen schwarzen Tee. Nur froh, aus dieser Konsumhölle entkommen zu sein. Ja, es gibt immer mehr Menschen wie ihn, die vor lauter Entscheidungen gar nichts mehr entscheiden und alles einfach an sich und um sich herum geschehen lassen. Und ich erlebe, wie sie langsam aber sicher daran zugrunde gehen. Klar – die Welt ist nicht einfacher geworden. Und sie wird anscheinend immer komplizierter. Da hilft einfach nicht der Blick zurück in die sogenannte „gute alte Zeit...“, in der alles scheinbar viel einfacher war. Und es hilft schon gar nicht die immer mal wieder hörbare Sehnsucht nach einfachen Entscheidungen. Ich glaube, dass es wichtig ist, für sich selbst eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Die nämlich, die wichtige von unwichtigen Entscheidungen zu unterscheiden.

Auch wenn es schwerfällt: Unterscheiden, dass es weniger wichtig ist, welche Tassengröße du wählst als dich zu einer fair gehandelten Kaffeesorte zu entscheiden, zum Beispiel.

Gute Entscheidungen wünscht Ihnen für den heutigen Tag, Ulrich Clancett aus Jüchen.

Copyright Vorschaubild: Kleuske CCBY-SA 2.0 flickr

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