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Kirche in WDR 2 | 24.04.2017 | 05:55 Uhr

Erlösung

Der Abend war schon ziemlich weit fortgeschritten. Einige Gäste hatten die Geburtstagsfeier bereits verlassen. Aber wir übrigen saßen noch gemütlich beisammen. Und weil ich nun mal Pfarrer bin, kommt bei so einer Gelegenheit häufig noch irgendein religiöses Thema auf den Tisch. (Nach dem Motto: Wo wir heute jemanden auf dem Sofa sitzen haben, der sich mit so was auskennt, können wir ja alle Fragen stellen, für die es sonst kein Gesprächsforum gibt.)

In Wirklichkeit muss man natürlich nicht erst Theologie studieren, um zu religiösen Fragen was sagen zu können. Dafür reicht ein bisschen Glaube, etwas Denkvermögen und eine Portion Lebenserfahrung. Zum Glück wurde es dann auch keine Fragerunde mit mir als Mittelpunkt. Sondern ein munteres Hin und Her über Gott und die Welt.

Irgendwann kamen wir auch auf das Thema „Leben nach dem Tod“ zu sprechen. Ob es denn sein kann, dass da noch was kommt, wenn wir gestorben sind. Und wenn es so ein Leben nach dem Tod tatsächlich gibt - wo kommen wir denn da hin? Alle in den Himmel? Oder gibt es eine Unterscheidung?

Ziemlich schnell machte sich die Meinung breit, dass jemand wie Adolf Hitler ja wohl kaum in den Himmel kommen könnte. Es war auch niemand besonders scharf darauf, diesem oder einem vergleichbaren Menschen im Himmel zu begegnen. „Dem würd‘ ich doch erst mal eine ‘reinhauen“, sagte mein Sitznachbar. „Auch wenn das im Himmel wahrscheinlich nicht erlaubt ist.“

Und dann sagte unser Gastgeber etwas, das alle sehr nachdenklich machte: „Eigentlich wär‘ das doch die Erlösung: Wenn du im Himmel sitzt, rechts neben dir beispielsweise Adolf Hitler. Und links neben dir dein größter persönlicher Feind. Stellt Euch das doch mal vor: Alles hat sich so sehr verändert, dass das geht. Keiner haut dem anderen eine rein und keiner rennt angewidert weg. Weil alles so anders ist als jetzt. Die Vergangenheit mit allem Unrecht und allen Verletzungen liegt so weit hinter uns, dass sie uns nicht mehr belastet; nicht mehr weh tut und nicht mehr trennt. So dass wir wirklich erlöst sind von ihr.“

Einen Moment lang herrschte Stille im Raum. So richtig in Gang kam die Diskussion danach auch nicht mehr; die Runde löste sich ziemlich bald auf. Deshalb weiß ich nicht genau, was die anderen dachten. Aber mir ging diese Vorstellung noch ziemlich lange nach: Neben mir Adolf Hitler. Und auf der anderen Seite mein größter persönlicher Feind. Ich wüsste sofort, wer sich da anbieten würde. Und natürlich würde ich normalerweise zwischen diesen beiden keine drei Sekunden sitzen bleiben. Im Leben nicht!

Andererseits - das Leben ist ja dann vorbei. Mitsamt den Regeln, die jetzt gelten. Und ich glaub‘ schon, dass es toll wäre, wenn sich durch den Tod so viel verändern würde. Wenn wir tatsächlich alles hinter uns lassen könnten, wenn die ganzen alten Fehler und Verletzungen, wenn Opfer und Schuld nicht mehr die trennende Rolle spielen, wie sie es jetzt tun. Wenn das aufgehoben würde, das wäre eine Erlösung, die echt ihren Namen verdient. Weil sie alles umfasst und niemanden ausschließt.

Wie so was gehen soll, weiß ich nicht. Aber ich finde diesen Gedanke ziemlich verheißungsvoll.

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