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Kirche in WDR 4 | 08.02.2014 | 08:55 Uhr

Erstens Toleranz, zweitens Toleranz

Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer,

im Leben sind drei Dinge wichtig. Erstens: Toleranz. Zweitens: Toleranz. Und drittens: Toleranz. Dieser Satz von Henry James fällt mir ein, wenn ich in diesem Jahr an die Olympischen Winterspiele in Sotschi denke, die gestern eröffnet wurden. Die Sportlerinnen und Sportler werden bestimmt alles geben, damit es friedliche und faire Wettkämpfe werden. Sie werden miteinander um die begehrten Plätze und Medaillen streiten. Und sie wissen, worauf es dabei ankommt: auf das eigene Können und die eigene Geschicklichkeit. Und in der ganzen Welt fiebern die Fans mit und blicken in diesen Tagen besonders nach Sotschi.

Der faire Sport ist das eine. Genauso wichtig ist es aber, hinzuschauen und zu entdecken, wie die Menschen in Sotschi und ganz Russland leben. Wie demokratisch ist dieses Land eigentlich, in dem Menschen aufgrund ihrer Religion und sexuellen Orientierung immer noch diskriminiert werden, ja sogar bestraft werden? Wie passt das zusammen mit dem fröhlichen und bunten Bild der Olympischen Spiele? Wie passt das zusammen mit den christlichen Werten, die auch in Russland hochgehalten werden?

Wenn ich Jesus richtig verstehe, dann hat er sich gerade mit Menschen eingelassen, die von anderen diskriminiert und ausgegrenzt worden sind. Er hatte keine Berührungsängste vor den Leprakranken und Steuereintreibern. Eine Ehebrecherin hat er vor der Gewalt der Männer geschützt. Für ihn waren die Fremden nicht fremd, sondern er hat sie mit offenen Armen und vor allem mit einem offenen Herzen willkommen geheißen. Ist auf sie zugegangen und hat sie zur Freundschaft eingeladen.

Jesus hat Menschen nicht verurteilt, nur weil sie anders leben, glauben und lieben. Im Gegenteil: Er ist ihnen barmherzig begegnet. Jesus hat den Glauben nicht auf Moral reduziert. Er hat Barmherzigkeit und Toleranz nicht nur gepredigt, sondern ganz praktisch vorgelebt. Starre moralische Regeln sind ein ganz schlechter Ratgeber für politisches Handeln. Daran erinnern uns Christen wie zum Beispiel Papst Franziskus immer wieder.

Berührt hat mich in diesen Tagen die Geschichte von Alexej, einem jungen russischen Handwerker aus Sotschi. Vor einigen Wochen hat er sich seiner Familie und seinen Freunden gegenüber als homosexuell geoutet. Für sie war das kein Problem, auch nicht, als er zum ersten Mal mit seinem Freund nach Hause gekommen ist. Aber immer ist da auch die Angst vor denen, die seine Art zu leben nicht tolerieren können. Anfang des Jahres ist er auf dem Nachhauseweg von maskierten Männern überfallen, getreten und geschlagen worden. Sie haben ihn beschimpft mit eindeutig zweideutigen Ausdrücken. Schwer verletzt ist er von Freunden gefunden worden, die ihn ins Krankenhaus gebracht haben. Alexej und seine Freunde sind verbittert über ihr Land, das sich der Welt bunt und fröhlich präsentiert, das aber hinter der Fassade alles andere als tolerant und menschenfreundlich ist.

Es gibt in diesen Tagen viele Formen des Protestes dagegen. Auch viele Christinnen und Christen beteiligen sich daran. Sie fordern Toleranz ein für eine Gesellschaft, in der Vielfalt als Bereicherung, und nicht als Bedrohung erlebt wird. Von den olympischen Spielen in Sotschi kann so ein starkes Signal ausgehen. Nicht nur für den Sport, sondern für eine bessere und gerechte Welt, in der Menschen keine Angst voreinander haben müssen. Auf faire und tolerante Spiele freut sich Pfarrer Sven Dreiser aus Lövenich-Erkelenz.

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