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Kirche in WDR 2 | 19.03.2014 | 05:55 Uhr

Erwartungen

Was erwarten Eltern von ihren Kindern? Stets das Beste! Und das ist ja auch gut so. Denn das zeigt, was Eltern ihren Kindern alles zutrauen! Das war bei Jesus nicht anders. Es gibt dazu eine wunderbare Geschichte – Sie werden sie vielleicht kennen: Jesus verwandelt Wasser in Wein.

Es ist Hochzeitsfeier in Kana. Jesus und seine Jünger sind eingeladen. Und Jesu Mutter Maria ist auch unter den Gästen. Mütter lassen ihre Söhne eben nicht so gerne aus dem Blick. Und dann passiert das Malheur dieser Feier: Der Wein ist aus. Das Fest droht zu scheitern. Und an dieser Stelle erzählt Johannes in seinem Evangelium ganz knapp eine bemerkenswerte Szene:

Als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihrem Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr!“ (Johannes-Evangelium, Kapitel 2, Vers 3)

Ich glaube, alle Söhne dieser Welt verstehen, was mit diesem Satz unausgesprochen gemeint ist: „Junge, tu was!“ – Ich finde es toll, was die Jesu Mutter hier ihrem Sohn zutraut. Ein paarmal ordentlich gepredigt hat er bislang, aber noch kein Wunder getan. Und jetzt soll er gleich das ganze Fest retten. Respekt. Aber, so einfach ist es nicht. Die Sache eskaliert: Jesus weigert sich, er gibt Widerworte und antwortet seiner Mutter:

„Was geht´s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ (Joh 2, 4)

Ich glaube, das war klar und deutlich: Mutter, so nicht! Jesus möchte der Erwartungshaltung seiner Mutter nicht entsprechen! – Gut, wir wissen, am Ende tut es Jesus doch. Er verwandelt Wasser in Wein. Aber nicht, weil seine Mutter ihm das sagt – das ist der Unterschied –, sondern weil er selbst entscheiden möchte, was er hier wann tun kann und möchte.

Tja, das Weinwunder klingt wie eine bittere Geschichte im Verhältnis von Mutter und Sohn, von Eltern und Kindern. Aber ich höre in diesen knappen Versen auch eine wunderbare Botschaft: Große Taten, Wunder entstehen nicht unter Druck, sondern aus Freiheit. Vielleicht werden Wunder sogar erst dann möglich, wenn ich mich von dem Erwartungsdruck anderer befreie!

Ich glaube, in dieser Szene zwischen Jesus und seiner Mutter liegt viel Weisheit. Man könnte damit ein Lehrbuch schreiben, wie Erziehung funktioniert, zu Hause wie in der Schule. Ich erlebe das aktuell bei unseren beiden Töchtern: Das Schulsystem ist geprägt von einem ungeheuren Druck. In immer kürzerer Zeit sollen junge Menschen immer mehr lernen. „Turbo-Abi“ heißt das. Und das bedeutet: Du musst funktionieren! Und zwar schnell und reibungslos, so wie es die Menschen erwarten! Denn nur dann wirst du im Leben was werden!

Ich wünsche mir – und ich finde es toll, dass ich Jesus da auf meiner Seite weiß –, dass wir in der Familie, in der Schule andere Wege finden. Möglichkeiten, dass Menschen ihre eigenen Stärken entwickeln können. Und das in ihrem eigenen Tempo.

„Meine Stunde kommt noch!“, sagt Jesus. Ein toller Satz. Auch eine tolle Botschaft für alle besorgten Eltern und Lehrer. Geben wir den Menschen, gerade denen, die uns am Herzen liegen, die Zeit und den Raum und die Freiheit, sich zu entwickeln. Dann werden sie wunderbar in unserer Welt wirken. Dann wird sogar Wasser zu Wein.

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