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Kirche in WDR 5 | 18.05.2018 | 06:55 Uhr

„Es nimmt mich wunder!“

Einer meiner Freunde ist Schweizer. Es gibt vieles, was ich an ihm schätze. Manches geht mir regelrecht zu Herzen. Sein Bedürfnis, stets mehr zu sagen und nach mehr zu fragen, als nach dem Üblichen, gehört dazu. Seine „schweizerische“ Art zu sprechen, gibt all dem eine besondere Note. Jedes Wort scheint fein ausgesucht. Überraschend ist für mich, wie viele Redewendungen es im Schwizerdütsch gibt, die den Weg zu uns über die nahe Grenze nie geschafft haben. Ein einziges Gespräch wird manchmal zur Entdeckungsreise durch die faszinierende Welt der Sprachbilder. – Eine der schönsten Entdeckungen, die ich bisher machen durfte, spricht sich so aus: „Es nimmt mich wunder!“

Mein Freund verwendet diesen Ausdruck, wenn er mit viel Interesse bei der Sache ist, gespannt den Fortgang eines Ereignisses verfolgt oder neugierig bis zitternd auf dessen Ausgang wartet. Bis dahin nimmt es ihn – staunend oder bangend – wunder.

Für unser gegenseitiges Verstehen ist es hilfreich, um den Alltagsgebrauch bestimmter Redewendungen zu wissen. Bei meinen Wortentdeckungen liegt der eigentliche Schatz aber da verborgen, wo sich die Rede in meinem Herzen ganz eigene Zusammenhänge sucht.

„Es nimmt mich wunder!“ Für mich ist das ein Sehnsuchtswort. Ja, würde mich das Wunder doch manchmal einfach mitnehmen. Das Wunder der Auferstehung und des Lebens. Wenn sich Enttäuschung breit macht. Oder Überforderung. Wenn ich das Grübeln gerade nicht lassen kann. Wenn ich mich verkrümelt hab‘. Wenn mich etwas schmerzt oder ein Zuvielerlei auf mir lastet. – Wenn es mich dann doch nur wundernähme!

Die Menschen in nächster Nähe zu Jesus von Nazareth haben das offensichtlich erfahren. Mit meinem Schweizer Freund möchte ich sagen: es hat sie wundergenommen über Jesu Tod hinaus. Davon zeugen die Lesungen aus der Apostelgeschichte, die in den Wochen zwischen Ostern und Pfingsten in den Kirchen gelesen werden.

Die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus muss für seine Jüngerinnen und Jünger von mitreißender Kraft gewesen sein. Auch für die, die sich an Jesu Seite mitunter schwer taten. Auch sie lassen sich schließlich wundernehmen.

Und so beginnen Menschen, die zu Jesu Lebzeiten mit dem Himmel auf Erden unterschiedlichste Erfahrungen gemacht und zum Teil grundverschiedene Haltungen eingenommen haben, dann doch gemeinsam eine Geschichte, an der Christen bis heute Anteil haben. Weil das Wunder sie hat packen können, trauen sie sich auf die Brücke, die herüberführt in die neuen Möglichkeiten des Lebens – stärker als der Tod. Mit Pfingsten ging das als gemeinsame Sache dann so richtig los. Der Anfang der Kirche war gemacht – auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß, was daraus werden wird. So tut die ganz frühe Gemeinde das für sie Entscheidende: Sie betet (vgl. Apg 1,14). Das bedeutet nicht, dass sie die Hände in den Schoß legt. Vielmehr sucht sie den, der ihr Antwort geben kann auf die Frage, wie ihr Leben denn aussehen soll. Es ist eine betende Suche mit geöffneter Hand. Ein offenes Warten auf den, der „einen wundernimmt“. Ich ahne, nur wer sich dafür offen hält, den kann‘s auch packen: das Wunder des Lebens stärker als der Tod.

Dass es auch Sie an diesem Pfingstwochenende, das nun vor uns liegt, irgendwann wundernimmt, wünscht Ihnen Vera Krause aus Köln.

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