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Kirche in WDR 5 | 12.04.2016 | 06:55 Uhr

Es wächst automatisch

Autor: Guten Morgen, Frühling. Herrlich! Überall neue, grüne Pflanzen, Blätter und Blüten. Obwohl sich das jedes Jahr im Frühling wiederholt, ist es ein Wunder, das mich staunen lässt. Da lohnt es sich, einmal stehen zu bleiben und eine Blüte oder einen jungen Trieb an einem Baum genauer zu betrachten. Das ist wirklich wunderbar gemacht, denke ich. Wie symmetrisch die Blätter der Apfelblüte angeordnet sind. Und das feine Gewebe der jungen Buchenblätter. Als man im 18. Jahrhundert begann, Naturphänomene wissenschaftlich genauer zu untersuchen, kamen auch viele Forscher aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie erkannten beim Blick durch das Mikroskop: Es muss der Schöpfer der Welt sein, der das alles so wunderbar geordnet hat und der allen Tieren und Pflanzen so eine schöne, oft gleichmäßige Form gegeben hat. Im Jahr 1741 etwa schrieb Johann Christian Benemann ein Buch über „Die Tulpe zum Ruhm ihres Schöpfers und Vergnügen edler Gemüther“. Die Tulpe konnte für den Forscher nur ein Hinweis auf Gottes wunderbares Wirken in unserer Welt sein. Davon war er überzeugt.

Dieses Staunen über die Natur finde ich auch schon bei Jesus. Auch er ist so ein Naturbetrachter. Und er meint: So wie in der Schöpfung alles wächst, so verhält es sich auch mit Gottes Wirken in unserer Welt:

Sprecherin: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag. Und der Same geht auf und wächst – der Mensch weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht: zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in die Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt der Mensch alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. (Markus 4,26-29).

Autor: In der Zeit zwischen Aussaat und Ernte, was passiert da eigentlich? Es beginnt damit, dass ein Mensch Samen auf das Land wirft. Dann legt er sich hin und wird wieder wach: „schläft und steht auf“, man könnte das wie in einer Endlosschleife lesen – schläft und steht auf, schläft und steht auf, „und der Same geht auf und wächst“. Von selbst – wörtlich steht da im griechischen Urtext der Bibel „automátä“, automatisch also wächst der Halm aus dem Samen heraus. Dafür muss der Mensch nichts machen. Erst wenn das volle Korn da ist, kann er mit der Sichel ernten.

Jesus wirbt mit diesem Gleichnis für mehr Gelassenheit. Denn die Saat wächst ja von selbst. Der Mensch kann da wenig zu tun. Für die Aussaat kann er Verantwortung übernehmen. Das Wachsen aber ist dem überlassen, der alles wachsen lässt. Und so lässt Gott auch Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen wachsen. Christlich gesprochen: Das Reich Gottes. Es wird schon wachsen, wenn Gott etwas bewirken will. Da ist Gelassenheit angesagt. Das wird nicht allen gefallen. In allen Religionen gibt es die, die meinen, sie müssten das Wirken Gottes in der Welt, das sogenannte Reich Gottes, mit ihren Mittel durchsetzen, dafür sogar Gewalt anwenden. Wir erleben das ja an vielen Stellen der Erde. „Automatisch“ aber wächst dieses Reich, denn es ist schon viel ausgesät worden. Die Kraft muss sich erst entfalten und die Ernte wird noch eintreten.

Jesus lenkt mit dem Gleichnis unsere Aufmerksamkeit auf das, was schon angelegt worden ist, aber sich noch nicht ganz entfaltet hat. Das gilt für viele Bereiche des Lebens. Ein Lehrer etwa ist klug, wenn er erkennt, welches Potential in seinen Schülern schlummert. Und beim Betrachten einer Tulpe kann ich sehen, welche Schönheit Gott geschaffen hat – einfach nur so, um uns zu erfreuen. Oft ist in der Gegenwart noch verborgen, was in der Zukunft wachsen kann. Manches wird heute ausgesät, damit es in Zukunft da ist. Auch Gottes Zukunft ist so unter uns gegenwärtig. Bleiben Sie aufmerksam für das, was da ganz automatisch ans Licht kommen will. Ihr Albrecht Philipps, Pfarrer aus Ochtrup.

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