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Kirche in WDR 4 | 26.05.2016 | 08:55 Uhr

Euer Ja sei ein Ja

Kaum ein Tag ohne Demo!

Den Eindruck habe ich jedenfalls, wenn ich morgens die Zeitung aufschlage. Es wird demonstriert, was das Zeug hält: Gegen Flüchtlingsunterkünfte, gegen gefällte Bäume gegen die Regierung.

Und wenn ich auch manchmal nicht mehr durchblicke – grundsätzlich finde ich es gut, wenn Menschen demonstrieren. Damit zeigen sie nämlich öffentlich, wofür oder wogegen sie sind. Auch wenn es nicht immer meine Meinung ist, die da lautstark vertreten wird: Ich mag es, wenn Menschen friedlich zeigen, was sie denken. Mit solchen Leuten kann ich mich nämlich im Zweifelsfall auseinandersetzen – ganz direkt, von Mensch zu Mensch.

Heute wird auch wieder demonstriert, und das sogar an einem Feiertag. Allerdings nicht gegen etwas, sondern für etwas. Die Katholische Kirche feiert nämlich Fronleichnam. In vielen Städten und Dörfern ziehen Christen in Prozessionen durch die Straßen. Sie zeigen damit öffentlich und sichtbar, dass sie an Jesus Christus glauben.

Ehrlich gesagt: So wie ich solche Prozessionen bisher miterlebt habe, habe ich meine Probleme damit. Sie sehen für mich aus wie Festumzüge eines Trachtenvereins: alte Fahnen und Blasmusik. „Typisch Kirche“, denke ich: alt, verstaubt, traditionell, langweilig – übrig geblieben aus längst vergangenen Zeiten.

Trotzdem gehe ich da mit – weil mir die Menschen aus unserer Gemeinde wichtig sind. Und wenn wir dann gemeinsam unterwegs sind, demonstrieren wir öffentlich unseren Glauben. Im wahrsten Sinne des Wortes zeigen wir Flagge.

Jeder am Straßenrand kann mich sehen, mich damit einordnen als Christ, zusammen mit den anderen Christinnen und Christen, die im selben Stadtteil wohnen, vielleicht sogar nebenan.

Dabei ist es ja heute wirklich nicht cool, sich in der Öffentlichkeit als Christ oder Christin zu outen. Die Gemeinschaft in der Prozession tut dann wieder gut und macht es etwas leichter.

Wie aber sieht es aus, wenn ich tatsächlich mal alleine für meine Meinung oder Haltung einstehen muss, wenn ich nicht von Gleichgesinnten umgeben bin, wie bei einer Demonstration? Zum Beispiel in der Kneipe, auf ‘ner Party, am Arbeitsplatz? Wie ist das, wenn ich spüre: Die Anderen drumherum lehnen meine Meinung ab? Ich hatte in einer solchen Situation schon mal Angst, dass die Leute nicht nur meine Meinung, sondern damit auch mich als Mensch ablehnen, dass sie mich auslachen oder für blöd halten würden. Das wollte ich natürlich nicht. Hätte ich mich also verbiegen und den Anderen nach dem Mund reden sollen? – Ich habe mich damals anders entschieden, meinen ganzen Mut zusammen genommen und gesagt: „Nein! Das sehe ich anders. Aus dem und dem Grund…

Die Anderen waren überrascht. Damit hatten sie wohl nicht gerechnet. Es folgte ein Moment Stille – dann musste ich heftig diskutieren. Ich musste auch sehen, wie zwei in der Runde sich vielsagende Blicke zuwarfen, ich fühlte mich ausgegrenzt und angegriffen, und dann – ging es mir trotzdem gut. Weil ich ehrlich geblieben bin. Weil ich abends mit gutem Gewissen in den Spiegel gucken konnte. Weil ich sagen konnte: „Das habe ich heute gut gemacht.“

Jesus Christus sagt in der Bibel: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ Ich verstehe das so: Steh zu dem, was du denkst. Sag ehrlich deine Meinung. Mach dich ruhig angreifbar.

Ich jedenfalls fühle mich dadurch bestärkt. Die eigene Meinung sagen, das mag manchmal unbequem sein. Aber es gibt mir ein gutes Gefühl, egal ob alleine oder mit anderen gemeinsam bei einer Demo. Es ist nicht immer leicht, aber es schafft auch Klarheit, für mich und für die anderen. Und – wie gesagt – abends der anerkennende Blick aus dem Spiegel. Vielleicht springt so eine Haltung sogar auf Andere über.

Einen guten Fronleichnamstag wünscht Ihnen aus Essen

Pastoralreferent Martin Dautzenberg

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