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Kirche in WDR 5 | 30.03.2017 | 06:55 Uhr

Fair

Autorin: Keine Figur steht so sehr für Gerechtigkeit und Wahrheit wie der Richter. Denn: Jeder Mensch soll einen fairen Prozess bekommen. Egal, welche Straftat er begangen hat. Ob Schwarzfahren, überhöhte Geschwindigkeit, Trunkenheit am Steuer, Diebstahl, Beleidigung, Raub, Gewalt.

Dr. Florian Hobbeling: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist die Kernnorm unseres Zusammenlebens. Und so müssen wir auch die Täter behandeln.

Autorin: … meint Dr. Florian Hobbeling, Strafrichter am Amtsgericht.

Dr. Florian Hobbeling: Wenn jemand zu mir kommt, versuche ich immer reinzugehen und zu sagen: Der Mann ist unschuldig. Das Gegenteil muss mir jetzt bewiesen werden.

Autorin: Zu Wort kommen der Staatsanwalt, der Angeklagte, Zeugen und die Gutachter.

Dr. Florian Hobbeling: Man muss die Wahrheit erst mal ermitteln, Menschen zuhören. Und herausfinden: Trifft der angeklagte Sachverhalt überhaupt zu? Und dann muss man auch entscheiden – nach Recht und Gesetz: Muss der Mensch jetzt auch verurteilt werden? Und wenn ja: wie?

Autorin: Genaues Zuhören ist wichtig in einem Verfahren. Mit seinem Urteil ist Florian Hobbeling nicht vorschnell bei der Hand. – Erst recht nicht bei Verfahren, an denen er selbst gar nicht teilnimmt, die ihm aber über die Medien zu Ohren kommen. In Internetforen liest er häufig Kommentare, in denen Menschen ziemlich schnell ziemlich harte Strafen fordern: „Schickt den Täter in den Bau! Oder gleich nach Sibirien!“

Dr. Florian Hobbeling: Ich glaube, dass wir den einzelnen Fall gar nicht so beurteilen können. Weil man immer nur in der Zeitung nachher liest, was da passiert ist. Ich gehe nicht davon aus, dass ich über alles sofort richten oder urteilen muss. Sondern nur über das, was ich beruflich zu tun habe.

Autorin: Wie er dann zu einem Strafmaß kommt, richtet sich nach der Frage: Was ist eigentlich gerecht? Welches Strafmaß ist angemessen? Zum Beispiel Schwarzfahren. Eigentlich muss das bestraft werden. Doch es gibt auch Konstellationen …

Dr. Florian Hobbeling: … wo die Menschen das gar nicht verstehen, wie bediene ich jetzt so ‘nen Fahrkartenautomaten? Auf dem Land in Afghanistan gab’s den vielleicht nicht. Das heißt nicht, dass jeder dort schwarzfahren darf. Wenn es ihm mal richtig erklärt worden ist, dann muss er das auch beachten. Aber dann gibt es auch manchmal sicher die Gelegenheit, dass man sagt: So, jetzt wolln wir mal hier die Kirche auch im Dorf lassen, und dann muss nicht jede Straftat bestraft werden.

Autorin: Im Zweifel für den Angeklagten, auch das ist ein Grundsatz für Florian Hobbeling. Keiner soll zu Unrecht verurteilt werden.

Dr. Florian Hobbeling: Wir müssen ein Staat sein, wo die Menschen sich drauf verlassen können: Wenn wir jemanden verurteilen, dann machen wir das nach festen Regeln und in einem fairen Verfahren und es darf kein Zweifel an der Schuld sein.

Autorin: Alles andere würde in einen Unrechtsstaat führen.

Dr. Florian Hobbeling: Wenn ich sage: Ach, das passt schon, verurteilen wir mal! – In so einem Land möchte ich nicht leben.

Autorin: Florian Hobbeling ist Christ. Zwischen dem deutschen Grundgesetz und der Bibel sieht er Ähnlichkeiten. Zum Beispiel im Grundgesetz der Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ oder „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.“ Und dann der Auftrag von Jesus: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Florian Hobbeling ist Christsein wichtig, aber sein Glaube beeinflusst sein Richteramt nicht.

Dr. Florian Hobbeling: Ich muss mich da neutral verhalten. Auf jeden Fall. Ich bin an das Gesetz gebunden und an die Verfassung unseres Landes und dort bin ich nicht als Katholik. Es kann ja sein, dass ein muslimischer Angeklagter vor mir sitzt. Und ich wende das Gesetz an. Das ist meine Aufgabe, die ich dann auch erledigen muss.

Autorin: Am Ende bedanken sich viele Verurteilte bei ihm – nicht für ein mildes Urteil, aber für einen fairen Prozess.

Es verabschiedet sich Antje Borchers aus Lemgo.

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