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katholisch

Hörmal | 09.03.2014 | 07:45 Uhr

Fastenzeit

Es lebe der Unterschied! Seit letztem Mittwoch ist in der katholischen Kirche Fastenzeit! Klar, denn seit Aschermittwoch ist das ausgelassene Feiern an Karneval vorbei und jetzt gilt es zu fasten – sechs Wochen bis Ostern. Wenn man nicht gerade strenggläubiger Christ ist, dann kann man sich schon fragen, was das denn eigentlich noch soll – die Fastenzeit? Meine Definition ist: Es geht – ganz einfach gesagt – um den Unterschied, um Kontraste.

Und das fängt schon bei der menschlichen Wahrnehmung an. Unsere gesamte Sinneswahrnehmung beruht darauf, dass es Kontraste gibt. Man stelle sich bloß einmal vor, alles wäre unterschiedslos gleich: Also keine Farbkontraste, immer derselbe Geschmack, keine Tondifferenzen. Alles wäre langweilig, monoton und letztlich wären wir orientierungslos.

Der französische Maler und Performancekünstler Yves Klein hat diese Erfahrung in einem seiner Werk deutlich werden lassen: dem „Raum der Leere“. 1961 gestaltete er im Museum Haus Lange in Krefeld einen kleinen geschlossenen Raum, der bis heute bei speziellen Führungen noch zu sehen ist. Ganz in weiß ausgemalt hängt lediglich von der Decke eine Neonröhre, die den Raum erleuchtet. Bei längerem Aufenthalt verliert der Betrachter bald die Orientierung, weil die Raumecken links und rechts, oben und unten angesichts der einheitlichen Farbgebung nicht mehr wahrgenommen werden. Er kann sich gerade noch auf die Schwerkraft verlassen, die ihm deutlich macht, wo der Boden ist, sonst aber scheint alles konturlos zu verschwimmen.

Würde man in dem leeren Raum mit dem eintönigen Weiß nur eine einzige schwarze Linie an die Wand malen, wäre sofort der Bann gebrochen: Der Kontrast verschafft Orientierung und damit Sicherheit. Es lebe also der Unterschied!

Und genau darum geht es auch in der Fastenzeit: Einen Kontrast schaffen, um gegen die Gewohnheit des Alltags einen Akzent zu setzen. Natürlich geht es mir zumeist anders als dem „Raum der Leere“ in „Haus Lange“: Mein Leben ist so vollgestopft mit Dingen, dass ich deswegen den Überblick verliere. Und somit bedeutet Fasten für mich erst einmal Reduktion: Ziel ist auch hier eine Orientierung, allerdings mehr im Sinne eines neuen Bewusstseins: Was bedeutet mir etwas? Was bereichert mein Leben? Was ist mir wichtig?

Wie das gehen kann? So unpopulär sich das anhört: Es geht um den freiwilligen Verzicht auf etwas. Ich habe mir in dieser Fastenzeit einmal vorgenommen, auf Wein zu verzichten. Den trinke ich gern in geselliger Runde. Wenn ich aber jede Gelegenheit ausnutze, dann wird das Weintrinken ziemlich gewöhnlich und verliert seine Besonderheit. Also will ich in diesem Jahr bis Ostern bewusst darauf verzichten, um den Genuss wieder mehr schätzen zu lernen.

Das gilt übrigens für viele Konsumgüter: Was immer vorhanden ist, wird in der Regel wenig geschätzt. Ich bin überzeugt: Fasten als Kontrasterfahrung kann so zu einem bewussteren und vertiefteren Leben verhelfen, quasi freiwillige Verknappung als Qualitätssteigerung des Lebens.

Für mich beinhaltet das auch eine religiöse Dimension: Ich werde wieder etwas dankbarer für all das, was ich habe. Gott sei Dank: Es lebe der Unterschied!

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