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Kirche in WDR 5 | 30.09.2017 | 06:55 Uhr

Flüchtlingsboote

Guten Morgen,

wer in Libyen ein volles Flüchtlingsboot besteigt, weiß wie gefährlich die Überfahrt ist. Und gleichzeitig ist es für viele die einzige Hoffnung. Im Schwanenteich in Wittenberg lagen in diesem Sommer aus Holz geflochtene Boote. Flüchtlingsboote, obwohl sie niemals Menschen über das Mittelmeer getragen haben. Ein Kunstwerk, gebaut von Menschen, die geflüchtet sind. Sie waren Teil der Reformations-Ausstellung ‚Tore der Freiheit‘ in Wittenberg. Dort habe ich Michael Ebner von der Fachhochschule Salzburg getroffen. Er ist der künstlerische Leiter dieses Projektes.

O-Ton Ebner: Die Intention der Installation am Schwanenteich ist symbolischer Natur, das heißt einerseits geht’s um Boote als Ausdruck von Katastrophe und Verzweiflung, und gleichzeitig san die Boote stellvertretend für Hoffnung, das heißt, diese Boote sind entstanden in internationalen Workshops gemeinsam mit Asylsuchenden, wo es darum gangen ist, zu kooperieren, und was wir gemerkt haben, dass im Zusammenhang mit dieser handwerklichen Tätigkeit, Boote zu bauen und Hölzer miteinander zu vernähen, dass man dann ins Gespräch kommt, in den Diskurs einsteigt und hinterher mehr voneinander weiß. (…)

Autorin: Handwerker, Asylsuchende, Studierende, Professoren. Alle haben hier zusammengearbeitet und so gelernt, sich besser zu verstehen. Ein Schritt auf dem Weg zum Frieden. Ich habe Michael Ebner gefragt, was ihm einfällt, wenn er den Begriff ‚Frieden‘ hört.

O-Ton Ebner: Die Friedensthematik ist für mich eine Thematik von Ressourcen, das heißt, wenn die Ressourcen ungerecht verteilt sind, dann kommt es in der weiteren Folge zu diesen Auswirkungen, die wir derzeit haben. Und unser Anspruch ist, dass wenn wir verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen, dann reicht’s für sehr viele, (…) dann kann man friedvoll miteinander umgehen.

Autorin: Martin Luther hat ein Lied komponiert mit dem Titel ‚Verleih uns Frieden gnädiglich‘. Was bedeutet das? Einen Rasenmäher kann man verleihen, eine Medaille wird verliehen. Aber Frieden? Ein Bekannter erwiderte spontan: „Was geliehen ist, das muss man zurückgeben, Gottes Frieden ist aber Geschenk.“ Ja, aber wir haben eine Verantwortung für das Geschenk. Ich stelle mir das vor wie bei einer Auszeichnung: da wird ein Zertifikat verliehen oder ein Pokal: Glückwunsch! Ihr könnt in Frieden leben! Wir können den Frieden aber nicht wie einen Pokal in den Schrank stellen und uns auf unseren Lorbeeren ausruhen. Sondern Gott will, dass wir etwas machen aus unserer Begabung, uns anspornen lassen zu Größerem oder zu Mehr. So verstehe ich Luthers Bitte: Verleih uns Frieden gnädiglich.

Für Michael Ebner, den künstlerischen Leiter der Ausstellung „Flüchtlingsboote“ am Schwanenteich in Wittenberg wird die Idee konkret in der Arbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen:

O-Ton Ebner: Über das Arbeiten, über das gemeinsame Tun entsteht Akzeptanz, entsteht das Interesse an der anderen Person, entsteht Interesse an dessen Fähigkeiten und Fertigkeiten und dann ist das eine Basis für eine humanistische Gesinnung, die aus unserer Sicht für dieses Europa stehen soll und dieses Europa im Wesentlichen ausmacht und es wert macht, hier zu leben.

Autorin: ‚Verleih uns Frieden gnädiglich‘. Gnädiglich. Ja, denke ich: Wer auf Gottes Gnade vertraut macht nicht sich selbst zum Alleskönner. Selbstüberschätzung und Übermut haben noch nie zu wirklich Gutem geführt. Ich will auch weiterhin die Ärmel aufkrempeln für den Frieden. Und am Ende des Tages will ich zu Bett gehen und so wie Martin Luther beten: ‚Verleih uns Frieden gnädiglich, Amen.`

Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.

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