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Kirche in WDR 2 | 14.11.2014 | 05:55 Uhr

Flüchtlingshelfer werden kriminalisiert

Es ist nicht zu glauben. Tagtäglich sehen und hören wir, wie sie verfolgt, gefoltert und getötet werden. Menschen in Syrien und im Irak. Gleichzeitig werden jene bei uns ins Gefängnis gesperrt, die ihren Landsleuten bei der Flucht aus den Kriegsgebieten helfen.

Sie werden beschuldigt, aus der Not der Flüchtlinge Kapital zu schlagen. Schutzsuchende abzuzocken und auf unsichere Wege in den Westen zu schicken. Einverstanden, Schleusungskriminalität ist ein Verbrechen.

Doch Flüchtlingshelfer sind nicht gleich Flüchtlingshelfer. Manche helfen nur ihren Freunden, Verwandten und Leuten aus dem Dorf. So wie Mohammed Darwish aus Essen. Mittlerweile verurteilt zu drei Jahren Haft. Angeblich wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern. Dabei hat er doch nur seinen Landsleuten geholfen. Damals lebte er in Athen, als die ersten aus seinem Dorf kamen. Ihn um Hilfe baten. Sie ließen sich Geld von Verwandten aus Deutschland schicken, damit er ihnen ein Flugticket besorgt und gefälschte Papiere. Denn: Legal nach Deutschland einzureisen war und ist nicht möglich. Gerade mal 20.000 Syrer will die Bundesregierung aufnehmen, doch neun Millionen sind auf der Flucht. Neun Millionen Syrer und eine Million Menschen aus dem Irak.

Ebenfalls inhaftiert und gerichtlich vorgeführt wurde Hanna L. aus Essen. Der 59-jährige Bauingenieur lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Er hat Familie und ein hübsches Reihenhaus, das hat er bereits abbezahlt. Hanna L. soll der "Hauptorganisator, Schleuser und Schleuser-Finanzier" gewesen sein, so hatten es die Fahnder in einem Vermerk notiert. Medien nannten ihn den "König der Schleuser". Dabei war er nur von Freunden gebeten worden, Geld nach Syrien an seinen Bruder zu überweisen, damit dieser es an ihre Verwandten weiterleiten kann. Klar, es ging darum, Angehörige illegal nach Deutschland zu holen.

Aber Hanna L. ist kein Mafiakönig, sondern ein unbescholtener Bürger, der kriminalisiert wird und jetzt seine legale, gut bezahlte Arbeit verloren hat. Krimineller Menschenhandel oder moralisch gebotene Fluchthilfe?

Diese Frage zu klären, scheint nicht immer einfach zu sein. In diesen beiden Fällen ist aber klar: Hier haben einfach Menschen einfach ihrem Nächsten geholfen. Und: dafür Geld bekommen.

Noch vor 30 Jahren wurden bei uns Fluchthelfer als Helden gefeiert – jene denen es gelungen war, Menschen bei der Flucht aus der DDR zu helfen. Auch das war illegal. Sein Honorar als Schleuser konnte man in Westdeutschland sogar höchstrichterlich einklagen.

Der Fall von Mohammed Darwish aus Essen kommt jetzt vor den Bundesgerichtshof.

Das Urteil dürfen wir mit Spannung erwarten. Denn: Auf Gesetze zu beharren, auf Einwanderungsgesetze, die Menschen gefährden oder womöglich töten, ist gegen das Gesetz. Gegen das Gesetz Jesu, der allen gesagt hat – auch der Bundesregierung- Gesetze sind um des Menschen willen da und nicht umgekehrt. Gesetze sollen Menschen retten und nicht töten. Daran sollten wir uns in diesen Tagen erinnern. Wenn wir Fluchthelfer kriminalisieren und unsere Grenzen hermetisch abriegeln, um jene abzuwimmeln, die Krieg, Folter und Flucht überlebt haben.

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