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Kirche in WDR 2 | 27.08.2015 | 05:55 Uhr

Flüchtlingskinder

Eine Frau Ende zwanzig hockt erschöpft auf dem Boden. Im Arm hält sie das Baby, das sie auf der Flucht zur Welt gebracht hat. Man sieht ihr die Strapazen des langen Weges an. Obwohl sie noch jung ist, ist ihr Haar schon grau. Aber sie hat überlebt. Nun sitzt sie hier, vertrieben von zu Hause, heimatlos in der Fremde. Auf der Suche nach einer Zukunft für sich und ihr Kind.

Dies könnte eine Flüchtlingsgeschichte unserer Tage sein. Ist es aber nicht. Es ist die Geschichte meiner Oma. Meine Mutter wurde 1945 auf der Flucht von Schlesien nach Westdeutschland geboren. Das ist jetzt 70 Jahre her. Und leider gibt es weltweit inzwischen wieder fast so viele Flüchtlinge wie damals.

Vielleicht berührt mich das Schicksal der Flüchtlinge heute gerade deshalb so sehr, weil es mich an meine eigenen Wurzeln erinnert. Ich bin aufgewachsen in dem Bewusstsein, ein Flüchtlingskind sozusagen in zweiter Generation zu sein. Das hat sich tief ins Gedächtnis meiner Familie eingebrannt. Ich habe gelernt: Schau nicht auf die Herkunft eines Menschen, sondern auf sein Herz.

Auch damals gab es Vorbehalte gegen Flüchtlinge: Wenn wir nicht aufpassen, nehmen sie uns alles weg. Und wir haben ja selbst kaum genug zum Leben. Wir waren zuerst hier, die haben kein Recht, hier zu sein. Bestimmt klauen die auch. Vielleicht schleppen sie noch Krankheiten ein. Und so weiter.

Flüchtlingskind zu sein, war nicht einfach. Da die Familien keinen nennenswerten Besitz retten konnten, waren sie besonders bildungshungrig. Denn das war ihre einzige Chance auf eine bessere Zukunft. Statistiken zufolge gehört deshalb ein Großteil der damaligen Flüchtlingskinder inzwischen zur deutschen Elite.

Abseits aller wirtschaftlichen Überlegungen ist Mitmenschlichkeit gegenüber Flüchtlingen für mich vor allem eine christliche Verantwortung. Im Matthäus-Evangelium heißt es:

„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“

Und Jesus sagt weiter:

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Und was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“

Meine Oma lebt nicht mehr. Und obwohl sie ihrer alten Heimat lange nachgetrauert hat, hat sie sich als „Immi“, wie der Kölner sagt, im Rheinland sehr wohl gefühlt. Heute kann ich vielleicht etwas von der Barmherzigkeit weiterverschenken, die meiner Familie widerfahren ist und ohne die ich heute nicht hier wäre.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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