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Hörmal | 18.02.2018 | 07:45 Uhr

Frau Gertrude bricht ihr Schweigen

O-Ton: Die Beleidigung anderer, das Runtermachen, das schlecht machen, das stört mich am allermeisten.

Autorin: sagt Gertrude Pressburger. Die Österreicherin hat als Einzige aus ihrer Familie den Holocaust überlebt. Heute ist sie 90. Als sie ihre Eltern und ihre beiden Brüder das letzte Mal sah, war sie gerade mal 17. Nach der Befreiung kehrte sie nach Wien zurück. Doch dort stiegen bittere Erinnerungen in ihr hoch – an all den Hass und an die Häme, der sie ausgesetzt war, weil sie jüdische Vorfahren hatte.

O-Ton: „ Wie die Juden die Wege die Straßen reinigen mussten, sind die Wiener gestanden, haben zugeschaut und haben gelacht, schaut euch dies an, haha, das war lustig.“

Autorin: Nach dem Krieg sehnte sie sich nach Normalität. Sie heiratete und bekam eine Tochter. Selbst ihrem Mann erzählte sie nichts von dem Erlebten, das sich -so drückt sie es aus- „zu einem Stein in ihrer Brust verhärtet“ hatte. Sie schützte sich vor ihren Erinnerungen, indem sie schwieg, jahrzehntelang. Bis ein Wort alles änderte.

O-Ton: „Der Punkt bei mir war, wie der Strache das Wort Bürgerkrieg gesagt hat, da ist mir kalt über den Rücken geronnen und ich hab mir gedacht; das darf nicht einmal erwähnt werden, nicht einmal angedacht werden.“

Autorin: Heinz-Christian Strache, der Vorsitzende der FPÖ, hatte in den Raum gestellt, dass ein Bürgerkrieg in Österreich nicht unwahrscheinlich sei.

O-Ton: „ Ich hab’ einen Bürgerkrieg als siebenjähriges Kind erlebt, da hab ich meine ersten Toten gesehen. Leider nicht die letzten. Aber das hab ich nie vergessen. Das hat sich so eingegraben in mir, dass ich das heute noch weiß und dann sagt ein Politiker ‚ein Bürgerkrieg wäre möglich’? Das darf doch nicht sein!“

Autorin: Und sie meldet sich zu Wort. Mit einer Video-Botschaft wird sie im Wahlkampf bekannt. Ringt um Worte, überlegt, setzt neu an. Es ist, als könne man ihr beim Denken zuhören. Und so wird sie zu „Frau Gertrude“, zu einer kraftvollen Stimme gegen rechte Parolen.

O-Ton: keine...das Niedrigste aus dem Volk aus den Leuten herausholen. Nicht das Anständige, sondern das Niedrigste. Das war schon einmal der Fall.

Und das versucht man wieder rauszuholen aus den Menschen und das schmerzt und das fürchte ich.

Autorin: Was sie hört und sieht, macht ihr Angst und bewegt sie, andere zu warnen.

O- Ton: Ich kann nicht zu Hause nur im kleinen Kreis groß reden „Das passt mir nicht.“ Und wenn Wahl ist, geh ich nicht hin? Ich muss mein Recht als Bürger in Anspruch nehmen, aber ich muss mir vorher überlegen: Was wähl ich? Nicht hören; jö, der hat was Schönes gesagt. Den wähl ich. Sondern überlegen, und was macht der draus? Was könnte daraus entstehen?

Autorin: Ende Januar erschien ihr Buch „Gelebt, erlebt, überlebt“. Erinnern sei keine Befreiung gewesen, sie habe es dennoch getan, sagt sie. Nicht für sich, sondern für die nächste Generation, damit die nicht erleben muss, was sie erleben musste.

O-Töne aus: https://www.youtube.com/watch?v=UkT852IQg_g&t=235s

Rechtefreigabe durch: Verein "Gemeinsam für Van der Bellen", Reinhard Pickl-Herk.

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