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Kirche in WDR 4 | 28.04.2015 | 08:55 Uhr

Frauenfriedenskongress 1915

Guten Morgen! Heute vor einhundert Jahren trafen sich in Den Haag 1136 Frauen aus Europa und den USA. Die Amerikanerin Jane Addams wurde dafür mit der Bezeichnung „gefährlichste Frau der Nation“ getadelt. Bevor ich dazu komme, was diese Frauen so gefährlich machte, hören Sie ein paar Sätze des Journalisten Kurt Tucholsky über den Ersten Weltkrieg:

Sprecher: „Neben den evangelischen Pastören hat es im Kriege noch eine Menschengattung gegeben, die gar nicht genug Blut saufen konnte: das war eine bestimmte Schicht, ein bestimmter Typus der deutschen Frau. Die hat wirklich himmlische Blutrosen ins irdische Leben geflochten. (...) Jene deutschen Mütter, die ernsthaft und kleingehirnig ausriefen: ‚Ich bedaure nur, nicht noch einen Sohn zu haben, damit ich ihn dem Vaterlande geben kann’“ (1)

Der unerbittliche tucholskysche Spott treibt einem gründlich die Meinung aus, der Krieg sei allein das Werk der Männer gewesen. Auch wenn Frauen keine Gewehre in den Händen hielten, sondern Strickstrümpfe für die Helden an der Front - sie waren genauso infiziert von Militarismus und Nationalismus.

Zurück zu Jane Addams: Nun erklärt sich, warum sie so gefährlich war. Sie weigerte sich, dem Krieg warme Socken anzuziehen. Die gefährliche Jane war in einer Quäkergemeinde aufgewachsen. Diese christliche Glaubensgemeinschaft ist wie kaum eine andere kompromisslos dem Pazifismus verpflichtet. Jane Addams vergaß ihr Quäkererbe nie. Die christliche Lehre menschlich anzuwenden, darum ging es ihr. Und so reiste sie zum Treffen der Frauen nach Den Haag, wo am 28. April 1915 der Erste Frauen-Friedenskongress eröffnet wurde. Janes Addams war seine Präsidentin. Seine Organisatorinnen waren die erste deutsche promovierte Juristin Anita Augspurger und ihre Lebensgefährtin Lidia Gustava Heymann. Die Frauen verabschiedeten eine Resolution. Sie begann: „Wir Frauen, versammelt im Internationalen Kongress, protestieren gegen den Wahnsinn und den Horror des Krieges.“ (2) Der damalige Wahn hieß: Der Krieg befördert die Zivilisation und veredelt die Menschen. Dagegen behaupteten die Friedens-Frauen: Der Krieg zerstört die Humanität. Sie forderten Friedensverhandlungen, Kontrolle des Waffenhandels und einen Internationalen Gerichtshof.

Ihr Protest gegen den Krieg gehörte für die Frauen zur Frauenemanzipation dazu. Er war nicht ein Plus, sondern ein Teil ihres Kampfes für Frauenrechte. Nenne man es also nicht schon Emanzipation, wenn Frauen genauso wie die Männer an die Waffen dürfen. Was ist das für ein Dürfen, das ein Muss zum Töten werden kann? Nenne man es nicht schon Emanzipation, wenn eine Frau Verteidigungsministerin wird. Was ist das für eine Freiheit, wenn eine weibliche Stimme für die Notwendigkeit von Kriegseinsätzen wirbt? Emanzipation – das heißt, dass Krieg und Gewaltverhältnissen der Garaus gemacht wird. Für Männer und für Frauen.

Tucholsky schrieb zum Schluss:

Sprecher: „Ich wünsche jedem meiner Leser eine Frau, die ein tapferes Herz hat und ihre Heimat liebt, und die ihre Kinder groß ziehen will – zu einem anderen Schicksal, als dekoriert im Ackergraben zu verrecken.“

Ich wünsche darüber hinaus jeder meiner Hörerinnen, ob bemannt oder unbemannt, den Widerspruchsgeist von Jane Addams, Anita Augspurg und Lidia Gustava Heymann. Sie hatten keine Männer. Sie zogen keine Kinder groß. Sie waren lesbisch. Aber sie wussten besser als viele Ehefrauen, Mütter und evangelische Pastöre, dass Krieg nicht Schicksal, sondern ein Verbrechen ist.

Ihre Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.

1 Ignaz Wrobel, alias Kurt Tucholsky: Der Krieg und die deutsche Frau, http://www.textlog.de/tucholsky-krieg-frau.html

2 eigene Übersetzung aus dem Originaldokument,

http://www.ub.gu.se/kvinndata/portaler/fred/samarbete/pdf/resolutions_1915.pdf

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