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Kirche in WDR 2 | 21.02.2015 | 05:55 Uhr

Frei von Furcht

Angst, so kann man oft hören, ist ein typisch deutsches Phänomen. Das Wort ist sogar aus dem Deutschen in andere Sprachen übergegangen. In der englischsprachigen Sozialforschung spricht man von „German Angst“, um auszudrücken, dass bei uns die Furcht vor bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen und bedrohlichen Ereignissen stärker ausgeprägt sei als überall sonst auf der Welt.

Mit solchen Etiketten, die ganzen Völkern aufgeklebt werden, sollte man vorsichtig sein. Dass der Türke faul ist, der Spanier stolz und der Brite humorvoll, sind Vorurteile, die vielleicht an der einen oder anderen Beobachtung einen Anhalt haben, aber ansonsten nur den Blick dafür vernebeln, dass es überall faule, stolze und humorvolle Menschen gibt und diese niemals in einem bestimmten Volk besonders gehäuft auftreten. Ähnlich ist es mit der deutschen Angst.

Richtig ist hingegen, wie zum Beispiel demoskopische Befragungen zeigen, dass bei uns viele Menschen enorme Ängste haben, für die es wenig Grund gibt. Millionen fürchten um ihren Arbeitsplatz, obwohl in kaum einem Land der Welt die Arbeitsplätze so sicher und die Arbeitslosenquoten so niedrig sind wie hier. Deutliche Mehrheiten fühlen sich ökonomisch bedroht, obwohl kein europäisches Land durch die Wirtschafts- und Finanzkrise so unbeschadet hindurch kommt wie wir. Zehntausende gehen mit dumpfen Parolen gegen eine angebliche Überfremdung der deutschen Kultur auf die Straßen, und das vor allem in Regionen, in denen so gut wie keine Ausländer leben.

Vielleicht liegt das daran, dass, wer besonders viel zu verlieren hat, besonders viel Angst davor hat, etwas zu verlieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass unserer Gesellschaft allmählich die Mitte verloren geht. Zwischen zynisch abgeschriebenen Hartz-IV-Beziehern und einer Elite, die immer mehr Reichtum und Sicherheit anhäuft, leben viele Menschen, die befürchten, nach unten abzurutschen. Und sie erkennen den Kitt nicht mehr, der das Ganze zusammenhält: Sogenannte Werte werden beliebig. Meinungsbildung findet als individuelle Googelei im Internet statt. Politische Diskurse verlagern sich aus dem Parlament in das Gequassel der Talkshows. Religiöse Identität gibt’s nur noch auf dem Fußballplatz, wo in der Fankurve die neuen Nazis stehen.

Aus all dem könnte man ein bedrückendes Gesamtbild machen. Wichtiger scheint mir etwas anderes zu sein. Eine Welt ganz ohne Angst gibt es nämlich gar nicht. Und also ist die Frage, wie man mit ihr umzugehen lernt. In der Bibel wird Jesus das Wort zugeschrieben: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Damit ist nicht gemeint, dass sich Angst in Luft auflöst. Auch nicht, dass es neben und über unserer Welt eine andere angstfreie gäbe. Nein, Jesus verweist auf das, was er in dieser Welt ganz praktisch tut und sagt: Orientierung an Gottes Geboten. Liebe zum anderen Menschen. Achtung vor jedem Geschöpf. Einsatz für den Schwächeren. Widerstand gegen jede Form von Ausgrenzung. Das alles klingt banal. Aber genau das zu tun, ist das einfachste und, so glaube ich, das einzige Rezept, um mitten im Alltag die Ängste auszuhalten und zu überwinden.

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