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Kirche in WDR 2 | 02.04.2014 | 05:55 Uhr

Freitheit und Verantwortung

Blumen auf dem Maidan. Russische Panzer auf der Krim. Politisches Muskelspiel im Westen. Menschen, die noch für ihren Glauben an Freiheit kämpfen. Volksabstimmung, wo nicht abgestimmt werden darf. Dazwischen: Uli Hoeness.

Ich gestehe, mich haben der Prozess und die sich darin offenbarende Arroganz richtig aufgeregt. Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. 28 Millionen Euro. Dreieinhalb Jahre Haft. Das ist doch ein Witz. Als ehemaliger Gefängnisseelsorger könnte ich stundenlang Geschichten von jugendlichen Inhaftierten erzählen, die wegen ein paar hundert Euro für zwei Jahre und mehr ins Gefängnis kamen. Sie hatten dann Autoradios geklaut oder Handys, hatten Drogen genommen oder waren mehrfach „Schwarzgefahren“. Solche Jugendlichen haben keine Staranwälte, sondern nur einen Pflichtverteidiger. Und den sehen sie manchmal im Gerichtssaal zum ersten Mal. Alltag in deutschen Gerichten. Auf Feten regt man sich über ein geklautes Autoradio auf und schmunzelt über Steuerhinterziehung. Ein „Kavaliersdelikt“, so sagt man.

Ich habe mal überschlagen: Wenn eine Erzieherin oder ein Altenpfleger im Schnitt einen Bruttolohn von 25.000 Euro im Jahr verdienen, so könnte man allein mit der Steuerschuld von Herrn Hoeness hundert dringend benötigte Pfleger oder Erzieherinnen zehn Jahre lang anstellen. Wir reden vom Pflegenotstand, und dass eine menschenwürdige Pflege in Deutschland nicht bezahlbar ist. Wir reden von einer mangelhaften U3 Betreuung, und dass Plätze in Kindergärten fehlen. Auf der anderen Seite halten sich Menschen für besonders clever, wenn sie ihre Steuern unserem Gemeinwesen vorenthalten, um ihr Vermögen in der Schweiz noch zu vermehren.

Und was hat das eine mit dem anderen zu tun: Der Maidan in Kiew mit dem Marienplatz in München? Die Menschen in der Ukraine und auf der Krim mit den Menschen bei uns im Westen wie Herrn Hoeness und Herrn Zumwinkel?

Die einen kämpfen für ihre Freiheit, die anderen missbrauchen sie. Die einen sehnen sich existentiell nach Gerechtigkeit, die anderen zocken damit. Die einen geben ihr Leben für die höchsten Güter, die anderen treten sie mit Füssen.

Wer hat, der hat auch immer Verantwortung. Und wer viel besitzt, der hat viel Verantwortung. Und wer nie Unterdrückung und Unfreiheit erleben musste, sondern ein Leben in Freiheit und Wohlstand geschenkt bekam, der hat mit der Freiheit und dem Wohlstand verdammt sorgfältig und genau umzugehen. Ich habe erst im Gefängnis gelernt, wie wertvoll Freiheit ist. Heute verbinde ich Gesichter, Geschichten und Erfahrungen damit. Vielleicht kann auch Herr Hoeness noch von den Begegnungen im Gefängnis profitieren.

Bei der Vorbereitung auf die Morgenandacht habe ich mal nachgesehen, wie oft eigentlich Freiheit und Verantwortung in der Bibel vorkommen. Ich war überrascht: Gar nicht so oft. Man findet eher Begriffe wie „Herausführen“ im Sinne von „befreien“. Gott hat sein Volk herausgeführt. Gott befreit Menschen.

Unvergleichbar viel öfter kommen in der Bibel Worte wie Gerechtigkeit und Liebe vor. Beziehungsbegriffe. Sehr konkret. Damit verbinden sich reale Taten und Haltungen.

Irgendwie hängt alles zusammen: Die Blumen auf dem Maidan, der Marienplatz in München, die Sehnsucht nach Freiheit und unsere Verantwortung. Nur manchmal brauchen wir jemanden, der uns daran erinnert.

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