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Kirche in WDR 3 | 09.02.2016 | 07:50 Uhr

Freude am Glauben

Guten Morgen, liebe Hörer und Hörerinnen!

Am letzten Tag des Karnevals geht es mir um die Freude, die tiefer sitzt als alles Vergnügen und die mir viel bedeutet: Die Freude am Glauben. Papst Franziskus meditierte über sie in seinem ersten großen Schreiben als Papst.

Aber auch sein Vorgänger sprach über sie. Als im Jahr 2011 Papst Benedikt XVI. Deutschland besuchte, rief er dazu auf, die Freude des Glaubens neu zu entdecken und die Schönheit des Glaubens zu feiern.

Papst Benedikt sagte das beim letzten Besuch in seinem Heimatland. Und er rief dazu gerade die deutschen Katholiken auf. Liegen doch hierzulande schon seit Jahren eher die Schwanengesänge vom Rückgang des Kirchlichen in der Luft, als ein freudiges Lied. In meiner Erinnerung ist noch die etwas erbitterte Reaktion einer Freundin auf diesen Aufruf hin lebendig: angesichts einer deprimierenden Familiensituation und dann der Eucharistiefeier mit immer nur fünf älteren Frauen und einem eher schwierigen Pfarrer wusste sie nicht so recht, wo denn diese Freude und Schönheit des Glaubens zu finden sei.

Wo finde ich diese Freude? Es hat etwas mit einer Erfahrung zu tun, die ich mache, je älter ich werde. Das Altwerden bringt unweigerlich eine gewisse Konzentration mit sich – man könnte auch sagen, der Spielraum wird kleiner: meine Lebensjahre, meine Kräfte, meine Entfaltungsmöglichkeiten, ja auch das Vergnügliche im Leben – all das schränkt sich ein. Und indem ich es frei annehme als meine Wirklichkeit, wächst darin die gelassene Freude. Mein Fokus wird kleiner – aber dadurch wird mir immer deutlicher erfahrbar, worum es geht.

Und erfahren habe ich dies – und erfahre es immer wieder neu im Dom zu Münster. Dort feiert die Kirche noch immer große Liturgien, mit oft großartiger Musik, viel Weihrauch, zahlreichen Messdienern und so weiter. Und unsere Schwesterngemeinschaft feiert mit, wir stehen meist im Chorgestühl hinter dem Hauptaltar und schauen mitten in das Kirchenschiff: An den großen kirchlichen Festtagen ziehen alle, die die Liturgie mitgestalten, durch den ganzen Dom ein. Noch immer ein gewaltiger Anblick. Aber in all dem ist der für mich persönlich anrührendste Moment, wenn ich mitten in der großen Prozession das Kapitelskreuz entdecke, das ein Messediener trägt. Dieses Kreuz ist überraschend klein für einen solchen großen Kirchraum, aber es wird zu jeder Liturgie vorangetragen. Und wenn ich dann ganz hinten hoch über den Köpfen der einziehenden Messdiener, Priester und Bischöfe das Kreuz mit dem Corpus erkennen kann, wie es langsam, leicht schwankend nach vorn getragen wird, geht mir das Herz auf: Christus hält Einzug – und allein um Ihn geht es in dieser Kirche, sowohl im Dom wie auch in der großen Kirche, die alle Gläubigen bilden. Hierin finde ich meine Freude am Glauben. Alles weitere, was geschieht, meint nur Ihn.

Das meine ich mit der Erfahrung der Fokussierung. Wenn ich diesen Fokus klar vor Augen habe, dann muss ich meine Glaubensfreude nicht an äußeren Umständen festmachen, seien sie gut oder schlecht.

Bei der Freude und Schönheit des Glaubens geht es nicht um ein ästhetisches Erlebnis oder ein heiteres Element im Alltag. Das alles sind Randerscheinungen. Je älter ich werde, desto sicherer bin ich mir: meine Freude am Glauben will sich letztendlich nur an einem festmachen: an Christus. Aber diese Erfahrung musste reifen. Und geholfen hat mir, immer wieder umzukehren – zu ihm.

Die Fastenzeit kann helfen, die Schönheit des Glaubens selbst zu entdecken, um die es letztlich geht. Dazu gehört Umkehr aus Selbstverliebtheit, Besserwisserei und Aktionismus zum Beispiel. In dem, was unser Leben verdunkelt, was uns einengt, müssen wir nicht hängen bleiben. Umkehr zu Gott, Umkehr zum Leben bedeutet Vorwärtskommen. Dann kann ich tatsächlich auch in einer kleinen Gemeinde mit einem vielleicht ungeliebten Pfarrer die Schönheit des Glaubens feiern, weil es um Gott geht.

Das könnte ein Impuls für die Fastenzeit sein: auch in meinem Alltag immer mehr Ihn zu meinen, dass Er über allem sichtbar wird – genau wie beim Einzug im Dom, nicht immer in gleicher Höhe, etwas schwankend, den Schritten derer angepasst, die Ihn tragen; aber Er ist gemeint.

Dass die Freude nicht endet, wenn das Vergnügen abnimmt, wünscht Ihnen Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

Copyright Vorschaubild: Dom Muenster TijsB CCBY-SA 2.0 flickr

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