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Kirche in WDR 2 | 16.10.2015 | 05:55 Uhr

Friedenspolitik

O-Ton 1: Renke Brahms, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Ich träume davon, dass irgendwann ein ziviler Friedensdienst genauso bekannt ist wie die Bundeswehr, weil es ein Instrument ist, was erfolgreich ist,

Autorin: sagt der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms. Nur ein Drittel der Summe der Militärausgaben gehen in Entwicklungshilfe und Zivile Friedensdienste. Ich treffe Renke Brahms Ende August auf einer Politiker-Tagung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Thema: Selig sind, die Frieden stiften. Ich erhoffe mir da Antworten auf meine Frage: Was muss sich ändern, wenn Friedenspolitik erfolgreich sein soll? Als Referent ist auch Fernsehjournalist Jörg Armbruster da:

O-Ton 2: Jörg Armbruster, Fernsehjournalist

Sicherheitspolitik muss vorausschauend sein, denn militärischer Einsatz deutet auch an, dass Politiker von Ereignissen überrascht worden sind. Das haben wir letztes Jahr im Islamischen Staat erlebt. Man hätte da viel früher reagieren können.

Autorin: Jörg Armbruster wünscht sich von der Politik Wachheit - und Ehrlichkeit. Dazu gehört für ihn: Saudi-Arabien trotz aller Ölinteressen offen darauf anzusprechen, dass die Salafisten hier ihren Nährboden finden. Oder:

O-Ton 3: Jörg Armbruster, Fernsehjournalist

Warum guckt die Welt zu bei der Bombardierung des Jemen? Da sind mehr Menschen gestorben bis heute als vor einem Jahr bei dem Gaza-Krieg. Und es gibt keine Demonstrationen dagegen, es gibt keine Resolutionen dagegen, es gibt keine Proteste dagegen. Es wird zugesehen. Und das halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit.

Autorin: Seit Ende März werden unter der Führung Saudi-Arabiens radikale Kräfte innerhalb des Jemens regelrecht herbeigebombt, so Armbruster. Es braucht langfristigere Perspektiven, wenn man Frieden schaffen will. Dazu gehört auch, den Hunger und die Ungerechtigkeit in bestimmten Ländern und Regionen der Welt zu bekämpfen. Renke Brahms:

O-Ton 4: Renke Brahms, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

Denn wir merken immer wieder, wie Konflikte entstehen aus dem Gefühl der ungerechten Behandlung, aus einer Perspektivlosigkeit für junge Menschen vor allen Dingen in den Staaten.

Autorin: Dabei muss die Bevölkerung des jeweiligen Staates aber unbedingt eingebunden sein. Überstülpen kann man nichts.

O-Ton 5: Renke Brahms, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland

Es nützt nichts, von außen Geld irgendwo hineinzugeben, sondern es hat immer etwas zu tun mit guter Regierungsführung, mit Strukturen vor Ort, die die Arbeit leisten. Es geht immer um die eigenständige Arbeit der lokalen Kräfte vor Ort und der Verantwortung in den Ländern selber. Darauf kommt es in der Tat sehr an.

Autorin: Das meint auch General a.D. Egon Ramms.

O-Ton 6: Egon Ramms, General a.D.

Die Bevölkerung muss einbezogen werden. Das, was wir in den Ländern machen, machen wir nicht für die Regierung, wir machen es für die Bevölkerung. Das gilt für die zivile wie für die militärische Seite.

Autorin: Schon damals in Afghanistan hatte der General beklagt, dass mit den Militäreinsätzen keine nachhaltige strategische Planung einhergegangen ist.

O-Ton 7: Egon Ramms, General a.D.

Ich habe früher immer mit Blick auf Afghanistan gesagt: 80 Prozent müssen zivil passieren, 20 Prozent militärisch.

Autorin: Heute ist ihm wichtig:

O-Ton 8: Egon Ramms, General a.D.

Wir müssen einfach in der gesamten Welt zur Kenntnis nehmen, dass wir einen Krisenbogen haben, der irgendwo in Nordafrika anfängt und irgendwo tief in Asien aufhört. Und wir müssen versuchen, diesen Krisenbogen unter Kontrolle zu kriegen – was eigentlich nur geht mit der Hilfe für die Menschen, die in diesem Krisenbogen leben.

Autorin: Es scheint, als sei dies nicht allein mit zivilen und friedlichen Mitteln zu schaffen. Fazit der drei Referenten: mehr Geld in zivile Friedensdienste stecken, Einsätze langfristiger und nachhaltiger planen. Bevölkerung vor Ort mit einbeziehen. In der Politik offen und ehrlich sein. Flagge zeigen und Kriegstreiber nicht unterstützen. Und ich? Habe viele neue Fragen, aber auch ein paar Antworten.

(1) Renke Brahms beklagt die Lücke zwischen dem, was wir in Deutschland ausgeben für das Militär für die zivilen Instrumente: für Verteidigung sind es 33 Milliarden Euro. Aber nur knapp zehn Milliarden Euro für Entwicklungshilfe und nur rund 34 Millionen Euro für den Zivilen Friedensdienst.

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