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Kirche in WDR 4 | 29.12.2017 | 08:55 Uhr

Fringsen

Beim Jahreswechsel denke ich immer an den Kölner Kardinal Josef Frings, an seine berühmte Silvesterpredigt aus dem Jahr 1946.

Nach dem schrecklichen Krieg haben die Menschen gehungert und gefroren in der Winterzeit. Jeder hatte versucht, irgendwie etwas zu Essen und zum Heizen zu finden. Es gab Lebensmittelmarken, aber die reichten vorne und hinten nicht.

Viele Städter waren aufs Land zu den Bauern gefahren und haben gegen Lebensmittel getauscht, was sie noch hatten: Uhren, Schmuck, Bettwäsche – es ging ums Überleben.

Was die Menschen dann von den Bauern bekamen, musste oft auch noch geschmuggelt werden, zwischen den englischen, der französischen und der amerikanischen Zone. Denn das Rheinland war „Trizonesien“, also in drei Zonen der Besatzer aufgeteilt. Im Osten war die russische Zone als vierte. Meine Oma hat mir viel aus dieser Zeit erzählt. Spannend fand ich als Kind, dass manche Frauen innen unter ihrem Unterrock kleine Fächer aufgenäht hatten, in denen dann Lebensmittel versteckt wurden. Was war denn, wenn es Butter war? Ist die nicht ausgelaufen, weil sie warm wurde? Nein, sagte die Oma. Die Züge waren kaum beheizt.

Kohle, um zu heizen, nahmen sich die Menschen von den Güterzügen weg, die das Heizmaterial zu den Besatzungsmächten wegfuhren. Die Lokführer fuhren oft extra langsam, damit die frierenden Menschen auf die Züge klettern konnten. Das war natürlich sehr gefährlich.

Viele fragten sich: dürfen wir das, Kohle stehlen, Lebensmittel schmuggeln, oder ist es nicht eine Sünde gegen das siebte Gebot.

Da kam ihnen Kardinal Frings in seiner Predigt an Silvester 1946 zu Hilfe. Er hielt sie nicht im Kölner Dom, sondern in der Kirche Sankt Engelbert in Köln-Riehl, von den Menschen wegen ihrer modernen Form auch "Zitronenpresse" genannt. Der Kardinal ging also mitten unter die Menschen. Er sagte; "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Leben und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder Bitten, nicht erlangen kann.“ Dieses Wort verbreitete sich in ganz Deutschland in Windeseile. Die Menschen nannten den Mundraub, wie es strafrechtlich damals hieß, nun „FRINGSEN“. Etwas wegnehmen, um zu überleben. Diese Predigt machte den Kardinal berühmt.

Was kann uns das heute sagen, im Wohlstand? Wir sollten umgekehrt fringsen. Also nichts wegnehmen und stehlen, sondern denen gegeben, die in Not sind. Zum Glück machen das ja viele! Vor kurzem wieder zu Weihnachten bei den Sammlungen für Brot für die Welt oder Adveniat.

„Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt“ ist eines meiner Lieblingslieder. Vielleicht gefällt es Ihnen ja auch.

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