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Kirche in WDR 5 | 29.10.2014 | 06:55 Uhr

Fröhlich, mutig und frei- Reformation und Politik. Margot Käßmann

O-Ton Margot Käßmann: Das zentrale Anliegen der Reformation ist für mich die Freiheit des Einzelgewissens. Du darfst denken, Du sollst sogar fragen! Mach Dir selbst ein Bild und handle dann nach Deinem Gewissen!

Autorin: sagt Margot Käßmann – ehemals Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland – heute Botschafterin des Reformationsjubiläums. Ihr Job ist es, daran zu erinnern, was die Reformatoren, die Begründer der evangelischen Kirche, vor 500 Jahren wollten. Zu fragen: Was ist bis heute wichtig. Für Margot Käßmann ist es die Freiheit des Einzelgewissens – die Unabhängigkeit von kirchlichen Dogmen – fest geschriebenen Glaubenssätzen.

O-Ton Margot Käßmann: Was für mich immer wichtig ist, ist, dass in einer Predigt vor allem dieser biblische Text und das Leben der Menschen in einen Dialog kommen, dass die Menschen sehen, das hat mit mir zu tun, das geht um mein Leben. Hier bin ich gefragt. Dass ich Menschen angucke und sage: „Hallo, ja, Ihr seid gemeint! Das meint Euch, das ist nicht irgendwas von vor 2000 und 3000 Jahren. Überleg mal, was das für Dich bedeutet.“

Autorin: - Margot Käßmann fallen da einige Beispiele aus jüngster Vergangenheit ein, wo Menschen die Bibel und die Worte der Reformatoren ernst genommen haben und sich mutig engagierten. Insbesondere wenn es darum ging, sich mit der Obrigkeit anzulegen.

O-Ton Margot Käßmann: In unserem eigenen Land kann ich sagen, dass doch die Menschen in der DDR 88/89, die mutig für die Freiheit, freie Rede, Meinungsfreiheit, Wahlfreiheit eingetreten sind, das sind für mich Vorbilder

Autorin: Heute ist Margot Käßmann ganz auf der Seite derer, die sich mit der Staatsmacht anlegen und Rüstungsexporte boykottieren.

O-Ton Margot Käßmann: Evangelische und Katholiken, Menschen aus dem Osten und dem Westen, Jüngere und Ältere haben sich zusammengetan und gesagt: „Rüstungsexporte müssen wir stoppen!“ Das ist ein christliches Uranliegen. Sowas begeistert mich, und da bin ich auch gerne dabei. Wahrscheinlich auch, weil meine Familie damals aus Hinterpommern fliehen musste 45/46/47, und das Eintreten für den Frieden, das ist für mich ein Herzensanliegen und wird’s auch bleiben.

Autorin: Auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist für Margot Käßmann ein Erbe der Reformation. Frauen verdienen immer noch fast ein Viertel weniger als Männer und jede vierte Frau ist in Deutschland Opfer von Gewalt:

O-Ton Margot Käßmann: Und wenn wir auf die Welt insgesamt gucken: Vergewaltigung, Genitalverstümmelung, Diskriminierung von Frauen. Das ist und bleibt ein riesiges Thema, (und ich finde, das bleibt auch für Christinnen und Christen ein Thema,) weil es meiner Lesart der Bibel völlig widerspricht, wo steht: Gott schuf den Menschen zum eigenen Bilde und schuf den Menschen als Mann und Frau, das heißt, sie sind gleichberechtigt.

Autorin: Neben den großen Aufgaben, vor denen wir heute wie schon zu Martin Luthers Zeiten stehen, gehört aber auch die Zusage Gottes: Du bist gerechtfertigt - allein aus Glauben:

O-Ton Margot Käßmann: Die Rechtfertigungslehre ist heute doch auch verständlich, wenn wir sehen, wie sehr ein enormer Druck aufgebaut wird, dass Dein Leben nur Sinn macht, wenn Du viel Geld verdienst, wenn Du schön aussiehst, wenn Du erfolgreich bist. Und Du bist ein Versager, oder Dein Leben macht keinen Sinn, wenn Du arbeitslos wirst, wenn Du behindert bist, wenn Du nicht mithalten kannst, dem ganzen Druck nicht standhältst. Da zu sagen: Nichts, was Du tust, ob Du ganz viel schaffst im Leben oder nicht, ist entscheidend, sondern dass Gott Dir Sinn zusagt. Du bist wer! Dein Leben macht schon längst Sinn!

Autorin: Dies ist die befreiende Botschaft von der Gnade Gottes. Und deshalb darf die Kirche auch deutlich ausgelassener sein:

O-Ton Käßmann: Meines Erachtens darf Kirche fröhlicher sein. Eine Gemeinschaft der Heiligen darf ruhig, um mit Nietzsche zu sprechen, ein bisschen erlöster aussehen. Das wünsche ich mir.

Autorin: Eine Gemeinschaft von Menschen, die mutig für Frieden und Gerechtigkeit einsteht und fröhlich und gelassen ihren Glauben miteinander teilt, das wäre ein gutes Ziel, meint Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius aus Wuppertal.

"Zuerst Gerechtigkeit": Weitere Interviews mit den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus Politik und Kirche finden Sie auf einer CD, dort ergänzt durch Texte der Theologin und Poetin Dorothee Sölle sowie Musik. Die CD mit dem Titel „zuerst Gerechtigkeit – Stimmen, Einwürfe und Visionen", wird herausgegeben von der Gender- und Gleichstellungsstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland, Telefon 0211/4562-680, E-Mail: gender@ekir.de, Schutzgebühr: 5 Euro, ab zehn CDs je 2 Euro.

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