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Kirche in WDR 3 | 22.05.2014 | 07:50 Uhr

Frosch oder Kröte

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Alles grünt und blüht und duftet. Der Mai bezirzt die Sinne. Werden Sie beim Blick in Nachbars Garten vielleicht ein bisschen neidisch? Was da alles blüht! So erging es auch Kröte. So viele schöne Blumen wie ihr Freund Frosch wollte sie auch haben. Frosch schenkte ihr eine Handvoll Samen, und Kröte streute sie auf die Erde. Sie marschierte zehnmal auf und ab – und war sauer. Sauer, weil die Samen immer noch nicht austrieben. „He, Samen, ihr sollt aufgehen“, schrie sie so laut sie konnte. Und damit nimmt diese Geschichte des US-amerikanischen Kinderbuchautors Arnold Lobel ihren Lauf. Denn die Samen denken natürlich nicht daran, sofort aufzugehen.

Es ist sehr unterhaltsam, was Kröte nun alles anstellt, um die Samen zum Aufgehen zu bewegen. Vielleicht – so überlegt sie – hat sie einfach auch zu laut geschrien und die Samen fürchten sich nun? Frosch rät ihr, sie einfach in Ruhe zu lassen und zu warten bis Sonne und Regen kommen. Aber Kröte gibt keine Ruhe. Vielleicht fürchten sich die Samen ja im Dunkeln. So zündet Kröte nachts Kerzen für die Samen an und liest ihnen Geschichten vor. Sie singt Lieder. Sie rezitiert Gedichte. Sie spielt auf ihrer Geige – nichts passiert. Aus lauter Frust schläft Kröte irgendwann ein. Und sie schläft lange. So lange, bis Frosch vorbeikommt: Schau mal, ruft er, was da wächst. Und tatsächlich, die Samen sind aufgegangen. Jetzt hat sie auch so einen schönen Garten wie Frosch. Kröte freut sich sehr: „Aber“ – so ihr Fazit – „ich habe auch schwer dafür gearbeitet.“

Eine, wie ich finde, wunderschöne Geschichte, weil sie so charmant etwas aufs Korn nimmt, was unsere Zeit sehr prägt: die Vorstellung, alles läge in unserer Hand. Die Idee, dass alles irgendwie machbar sei. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich finde es großartig und bin zutiefst dankbar dafür, wie zum Beispiel medizinische Errungenschaften unser Leben erleichtern, verbessern und verlängern. Doch gerät angesichts all der Möglichkeiten manchmal in Vergessenheit, dass es Dinge gibt, die wir einfach ganz gelassen betrachten können, weil sie ohne unser Zutun fertig und gut und schön werden.

Ein Gedanke, der vielen nicht ganz geheuer ist. Und steht nicht auch in der Bibel, dass wir uns engagieren sollen? Dass wir unsere Talente mehren und uns um die Armen und Hungernden kümmern sollen? Kröte sein. Das ist tatsächlich ein Weg zu Gott. Aber: Es gibt auch die Ermutigung, Frosch zu sein. Auch das bringt uns Gott nahe. Da wird zum Beispiel von einem Bauern erzählt, der Samen aufs Feld wirft „und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst“ – Der Bauer weiß nicht wie. Ganz ohne Geigenspiel und Kerzenschein: Die Samen gehen auf und bringen Frucht.

Frosch oder Kröte: Darauf vertrauen, dass es auch ohne mein Zutun gut wird – oder alle Hebel in Bewegung setzen, um etwas Gutes zu erreichen. Diese Spannung lässt sich nicht auflösen. Wir können einerseits darauf vertrauen, dass etwas wächst, auch wenn wir es nicht – oder noch nicht – sehen. Wir stehen andererseits aber auch vor der Aufgabe, genau hinzuschauen und zu unterscheiden: Was ist machbar, was dürfen und können wir gestalten? Und was bleibt uns entzogen? Um Antworten auf diese Fragen ringen wir zum Teil heftig.

Frosch vertraut auf die Sonne, den Regen und die Zeit. Kröte ist sich sicher, dass Kerzenschein und Geigentöne den gewünschten Erfolg gebracht haben. Wir lächeln darüber und ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde Kröte unglaublich sympathisch. Besser könnte man wohl kaum daran erinnert werden, dass es etwas gibt, was unserer Sorge und unserem Eifer entzogen bleibt – und dennoch gut wird.

Kommen Sie gut in den Tag! – Ihre Katharina Klöcker aus Münster

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