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Kirche in WDR 3 | 20.01.2014 | 07:50 Uhr

Führung

Liebe Hörerin, lieber Hörer, „…und hier meine Damen und Herren, schauen Sie mal zur rechten Seite nach oben. Da, sehen Sie diese ganz kleine Einzelheit? Die gibt dem ganzen Kirchenfenster eine prägende Note… Sehen Sie, wie sich von diesem Punkt aus das goldene, österliche Licht im Raum verteilt.“ – Das Publikum staunt: „Ah!“

Kirchenführungen sind beliebt. Architekturgeschichtlich oder kunsthistorisch Interessierte lassen sich durch alte und neue Kirchen führen. Aber nicht nur sie: Viele Gäste - überzeugte Christen, religiös eher skeptische oder auch gar nicht festgelegte Menschen - verschaffen sich auf diese Weise einen Eindruck von den Gotteshäusern. Und sie lassen sich erklären, was es mit den Kirchenfenstern, Orgelprospekten, Kanzeln, Altartischen, Taufsteinen und Abendmahlsgeschirren auf sich hat.

Stadtführungen, Museumsführungen, Ausstellungsführungen. Manchmal gleicht die Kirchenführung anderen Führungen, wie man sie kennt. Manchmal entsteht auch so etwas wie eine andächtige Stille. Frommes Ergriffensein und eine schwingende Atmosphäre berührter Innerlichkeit breiten sich aus. Das hängt von der Kunst und den Kenntnissen der „Führungskräfte“ ab, aber auch von der Offenheit der Teilnehmenden.

Führung und Verführung können eng zusammenhängen. Eine Führung durch die Kirche, was ist das? Ein unverbindlicher Rundgang, eine Zeitreise, ein missionarischer Vereinnahmungsversuch, ein Angebot zur Begegnung mit Gott?

Führung – was für ein Wort! In Deutschland hat dieses Wort einen schrecklichen Beigeschmack. „Führer befiehl, wir folgen!“ Der Führer weiß vermeintlich, wo es langgeht, die Geführten geben bequem ihre Verantwortung nach oben ab und verlieren dabei ihre Freiheit und ihre Würde.

Zu missbrauchtem Vertrauen gibt es nur eine Alternative, erneuertes Vertrauen. Und das entsteht, wenn ich selbst entdecken darf, selbst zu einer Einsicht gelange. Dazu brauche ich aber auch Anleitung von denen, die mir die Augen öffnen für Dinge, die ich noch nicht wissen kann. Wie die Kirchenführerin die Augen öffnet für das kleine, aber entscheidende Detail im Kirchenfenster.

Von Kindesbeinen an sind wir darauf angewiesen, dass wir geführt und geleitet werden. Wir leben aus einem Vertrauen, das uns nicht in die Irre führt sondern auf einen guten Weg. Alles andere ist zerstörerisch und macht krank. Da macht jeder seine Erfahrungen, in der Liebe zum Beispiel oder am Arbeitsplatz. Sich jemandem anvertrauen – ihm oder ihr zutrauen, dass sie mich nicht in die Irre leitet. In einem Morgenlied im evangelischen Gesangbuch heißt es:

„Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.“ (Text: Heinrich Albert (1642), EG 445,5)

Wie ein roter Faden zieht sich das Vertrauen auf Gottes Führung durch die Bibel. Gottes Wort ist also ein Führer, ein Lebensführer. Es führt durch das neue Jahr, das gerade begonnen hat, durch den Tag, der jetzt gerade noch jung ist, durch ein ganzes Leben und über die Grenzen des Lebens hinaus. „Führe uns nicht in Versuchung“, bitten Christen im Vaterunser. „Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen“ bekennen sie mit den Worten des 23. Psalms.

Mit dem Staunen fängt es bekanntlich immer an. Das wussten schon die alten Philosophen. Wer sich vertrauensvoll auf Gottes Führung einlassen möchte, dem kann es so gehen, wie dem Publikum, dem sich bei der Kirchenführung ein neuer Horizont auftut: „Ah!“ – Und wer weiß, vielleicht möchten Sie ja nach dem „Ah!“ auch „B“ sagen.

Dann bin ich mir gewiss, dass der, der in Ihnen das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird. Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Dieter Beese aus Bochum.

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