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Kirche in WDR 2 | 27.04.2016 | 05:55 Uhr

Für alle, die mehr Geschmack als Geld haben

Ich habe eine neue Dachterrasse. Jetzt brauche ich große Pflanzen, einen leistungsstarken Beamer, für ein gutes Open-Air-Kino auf der Hauswand gegenüber und einen Pool. So eine kleine Fläche zum Schwimmen und Plantschen wäre wirklich ideal. Fürs Wochenende wünsche ich mir ein Haus am See. Man muss ja auch mal raus aus dem Getümmel.

Ich leide unter dem Diderot-Effekt. Der Begriff stammt aus der Konsumforschung. Wenn wir etwas besitzen, sollen die anderen Dinge auch dazu passen. Wir kaufen ein neues Kleid und brauchen plötzlich unbedingt die passenden Schuhe und neue Ohrringe dazu, und dann fällt uns auf, dass wir keine Handtasche für dieses neue Outfit besitzen.

Denis Diderot, nachdem dieser Effekt benannt wurde, war ein berühmter französischer Philosoph und Verfasser einer umfangreichen Enzyklopädie aus dem 18. Jahrhundert. Zu seinem Nachlass gehört unter anderem eine lehrreiche Geschichte.

Sie berichtet von einem Mann, der nach dem Erwerb eines neuen totschicken Hausrockes plötzlich entdeckt, welcher „Plunder“ sich in seinem Haus angesammelt hat. Der neue, schicke Morgenmantel passt nicht mehr zu dem alten, verschlissenen Sessel, dem Teppich, dem schlichten Bücherregal. Nach und nach müssen deswegen die alten Tapeten, das hölzerne Regal, der alte Schreibtisch, und schließlich die rahmenlose Stiche an der Wand weichen. Einzug halten Damast-Tapete, edle Sitzmöbel und ein kostbarer Schreibtisch. Die Bücher wandern in einen teuren Intarsienschrank. Der stolze Besitzer des neuen Haurockes gerät in einen Kaufrausch, der ihn am Ende ruiniert.

Er wird Opfer einer Kauf-Kettenreaktion, die heute als Diderot-Effekt bekannt ist und längst in der Werbung ausgenutzt wird. Eine neue Anschaffung führt häufig zu einer Spirale weiterer Anschaffungen. Wir kaufen lauter Dinge, die wir vor dem ersten Kauf überhaupt nicht wollten, geschweige denn brauchten. Jetzt hingegen glauben wir, sie würden uns fehlen, bevor wir wieder glücklich und zufrieden sein können.

Ich glaube, wir alle haben einen Diderot in uns. Die Dinge die wir kaufen, mit denen wir uns umgeben, transportieren eine "Bedeutung“. Und da wir immer nach Übereinstimmung mit uns selbst streben, versuchen wir die die Dinge des Lebens so auszuwählen, dass sie ein sinnvolles Ganzes ergeben. Und so entsteht der ganze Schlamassel. Große Firmen lassen sich extra beraten, um diese Kettenreaktion gewinnbringend bei uns auszulösen.

Da ziehe ich lieber die Notbremse im Kopf. Eigentlich weiß ich es doch: Ich werde nicht besser oder anders durch die Dinge, die ich um mich herum drapiere. Der ganze Plunder ist überflüssig und die meisten Sachen brauche ich nicht.

Ich glaube, wir sind einzigartig und interessant durch unser pures Sein, unser Verhalten, unser Denken. Wir sind eine göttliche Erfindung, die ohne passendes Auto, ohne passende Uhr oder Handy wirkt. Gott sieht zu unserem Glück nicht das, was wir angeschafft haben, sondern sieht unser Herz an. Diese wertvolle Erkenntnis ist bei jeder neuen Anschaffung hilfreich. Sie ist kostenlos, bereichert das Leben aber enorm.

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