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Kirche in WDR 3 | 22.01.2014 | 07:50 Uhr

Ganz bestimmt vorherbestimmt?

Liebe Hörerin, lieber Hörer, „Ja, ich will“. Geigenmusik, ein verliebtes Paar, See und Berge im Sonnenschein; sie im weißen Hochzeitskleid, er im Hochzeitsanzug. „Wir sind füreinander bestimmt. Daran glaube ich ganz fest.“ - „Ich auch“. Seliger Blick, Umarmung, großer Kuss. Der Nachspann beginnt. Das Publikum bleibt noch eine Weile im Kinosaal sitzen und hört die verklingende Musik. Ach ja, jetzt haben sie sich doch gekriegt. Das war doch klar. Und dann geht’s durch das Foyer nach draußen.

Mögen Sie Liebesfilme? Glauben Sie an die eine große Liebe? Gibt es das, Menschen, die füreinander bestimmt sind und sich finden durch alle Turbulenzen hindurch, einmal am Anfang und dann immer wieder neu? Ich glaube, ein bisschen von diesem romantischen Traum trägt wohl jeder in sich, sogar dann, wenn der tatsächliche Lebensweg ganz anders verläuft und die Erfahrung eine ganz andere Sprache spricht.

Für etwas oder jemanden bestimmt sein - es gibt Menschen, von denen sagen wir: „Das ist der geborene Schauspieler.“ – „Das ist die geborene Sängerin.“ – „Das war mir von Anfang an die die Wiege gelegt.“ Begabungen und Talente können unglaublich stark sein. Und manchmal entfaltet unsere Lebensgeschichte auch einen Sog in eine bestimmte Richtung, so dass wir gar nicht so genau sagen können: War das wirklich meine Wahl und Entscheidung, oder sollte es einfach so sein? Wenn wir in der Kirche Kinder taufen oder wenn Heranwachsende oder Erwachsene sich taufen lassen, willigen sie darin ein: Es ist bereits etwas über mein Leben bestimmt worden, Gott hat mich schon längst gerufen.

Sprecherin: „Fürchte dich nicht; spricht Gott. Denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir!“ (Jesaja 43,1)

Viele Eltern oder Täuflinge suchen sich diesen Spruch aus dem Buch des Propheten Jesaja in der Bibel als Taufspruch aus. Wir lassen uns das gern sagen: „Fürchte dich nicht. Du gehörst zu mir.“ Und wir hören es gern, wenn es einem anderen Menschen zugesprochen wird. Es gibt im Leben keinen Anspruch auf Glück. Und dennoch sind die Würfel schon gefallen: Es gibt nämlich den Zuspruch der Seligkeit durch Glück und Unglück hindurch. Das ist bereits vorherbestimmt:

Sprecherin: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. […] Gleichwie der Regen […] vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar […] so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ (Jesaja 55,8-11 i. A.)

Diese Art von Fremdbestimmung lasse ich mir gern gefallen. Wenn Vorherbestimmung so aussieht, dann möchte ich beinahe sagen: Mehr davon. Das Schicksal ist blind, der Sternenhimmel ist kalt, das Glück launisch und „des Menschen Herz ein trotzig und verzagt Ding“, wie Martin Luther einst sagte. Aber ich soll frei und getrost meine Straße ziehen, weil ich meine Bestimmung nicht verlieren werde, komme, was da wolle. Was sollte das Leben mir mehr bieten? Oft ist schon eine Spur gelegt, der wir folgen, obwohl wir deren Gesetzmäßigkeit nicht verstehen.

Eine nette Anekdote erzählt von dem kleinen Hans, der seinem Vater freudig mitteilt: „Ich kann schon schreiben!“ - „Und was hast du geschrieben?“ – „Das weiß ich nicht; ich kann ja noch nicht lesen!“ (1)

Wer weiß, vielleicht schreiben wir ja auch auf vorbestimmten Linien und lernen das Lesen erst später, Tag für Tag. Bestimmt? Bestimmt, vielleicht sogar vorherbestimmt…

Dass Sie in Ihrer Bestimmung Erfüllung finden, wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Dieter Beese aus Bochum.

(1) Wezel, Peter (Hg.): Selig sind die Humorvollen. 365 christliche Witze. Leipzig: Benno-Verlag, o. J.

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