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Hörmal | 30.03.2014 | 07:45 Uhr

Gastfreundschaft

Vor drei Tagen bin ich aus Ghana in Westafrika zurückgekehrt. Seit zehn Jahren bin ich dort Gast in einem Priesterseminar in der Stadt Tamale im Norden des Landes. Ich halte dort Vorlesungen für die angehenden Priester. Und jedes Mal, wenn ich nach Tamale komme, bin ich überwältigt von der Gastfreundschaft, die ich erfahre. In Ghana fühle ich mich mittlerweile fast daheim. Und das hat auch mein Bild von Afrika sehr verändert.

Als Kind war dieses Bild geprägt durch Fernsehserien wie Tarzan oder Daktari, dem Tierarzt mit dem schielenden Löwen Clarence und der Schimpansin Judy. Heute weiß ich natürlich, dass die Serie ausschließlich in den USA gedreht wurde und dass es das Afrika, das in der Serie gezeichnet wird, so gar nicht gibt. Auch wenn es in der Nähe von Tamale einen wunderschönen Nationalpark gibt mit Elefanten, Antilopen, Affen und Wildschweinen, die sich gerade jetzt am Ende der Trockenzeit an einem großen Wasserloch tummeln, hat das mit dem Afrikabild meiner Kindheit nichts zu tun. Afrika ist eben mehr als die Tiere, die wir aus den Tierfilmen kennen. Das wäre so, als würde man Deutschland über die Murmeltiere. Wattwürmer und die schwarz-weißen Kühe definieren.

Überhaupt ist es blauäugig, pauschal von dem Afrika zu sprechen. Der ganze Kontinent ist fast dreimal so groß wie Europa und hat gerade eineinhalb mal so viele Einwohner. Die Bevölkerung ist ebenso unterschiedlich in Prägung, Mentalität und Aussehen, wie sie es in Europa ist; und Afrika lässt sich genauso wenig auf einen Nenner bringen wie Europa.

Das Bild, das ich inzwischen von Afrika habe, ist viel differenzierter und verdankt sich vor allem der vielen persönlichen Begegnungen, die ich in Ghana gemacht habe, wohl wissend, dass es auch nur ein Ausschnitt aus einem größeren Bild von ganz Afrika ist.

In Ghana fällt mir immer wieder auf, wie gerade auch in den ärmsten Dörfern Gastfreundschaft gepflegt wird. Zur Begrüßung wird etwas Wasser gereicht, was in diesen trockenen Regionen überlebensnotwendig ist. Diese Erfahrung der Gastfreundschaft hat mich sehr beeindruckt, denn Gastfreundschaft ist eine Haltung, die tatsächlich etwas mit Überleben zu tun hat: Es geht darum, einem anderen etwas Heimat zu eröffnen, ihm Schutz, Sicherheit und Hilfe zu gewähren, weil er sich ja in der Fremde nicht auskennt und dort vielleicht sogar Gefahren ausgesetzt ist. Obwohl ich mich nach den zehn Jahren im Norden Ghanas etwas auskenne, bin ich doch immer wieder auf die Gastfreundschaft der Menschen dort angewiesen. Natürlich kennt Gastfreundschaft auch ihre Grenzen, denn ich will den Menschen dort auch nicht unnötig zur Last fallen. Es geht um eine Balance zwischen geben und nehmen, das heißt um eine wechselseitige Verantwortung von Gastgeber und Gast.

Was schließlich beide verbindet, ist das, was der Apostel Petrus grundsätzlich über die Menschen gesagt hat, dass sie „Fremde und Gäste (…) in dieser Welt“ sind (1 Petr 2,11). Und egal, ob ich nun in Afrika oder Europa oder sonst wo in der Welt bin, ich bin davon überzeugt: Je mehr ich mich selbst in dieser Welt als Gast verstehe, umso mehr werde ich auch bereit sein Gastgeber zu sein für andere.

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