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Kirche in WDR 5 | 05.08.2017 | 06:55 Uhr

Gefiederte Freunde

Guten Morgen!

Wenn ich Gott wäre, dann wäre ich neidisch. Ich wäre neidisch auf meine Dienstboten, sprich: auf meine Engel. Die sind bei den Menschen nämlich beliebter als Gott. Der Glaube an Engel hat den Glauben an Gott weit überholt.

Warum? Engel scheinen zu erfüllen, wonach sich viele sehnen: nach Sicherheit in unsicheren Zeiten zum Beispiel. Oder nach irgendetwas gegen den schnöden Materialismus.

Dieser Engelglaube hat eine eigene Religiosität jenseits der christlichen Kirchengemeinden entwickelt, mit Engelheilerinnen und Engelkongressen.

In Zeiten, in denen der Lebensplan nicht mehr von einem Gott vorherbestimmt ist, vertraut man sich himmlischen Bodyguards an. Das entlastet. Denn es ist zwar befreiend, aber auch anstrengend, selbst Manager seiner Biografie zu sein. Man ist selbstbestimmt, aber auch zur Selbstbestimmung gezwungen. Früher fürchtete man einen Gott, der einem ein schweres Schicksal zuteilt, aber eben auch den Weg zeigt. Heute fürchtet man sich, dass man versagt als Schicksalsunternehmer des eigenen Lebens und sich verirrt. Engel sind für viele deshalb nicht nur Bodyguards, sondern auch Krisenmanager. Sie machen die Bahn frei und räumen Steine aus dem Weg. Sie stehen dem Ego aber nicht im Wege wie ein sperriger Gott, der etwas verlangt oder gebietet.

Diese Engel, denen viele sich heute anvertrauen, haben nicht viel zu tun mit den Gottesboten, von denen in der Bibel zu lesen ist. Da kann es vorkommen, dass Gottes Engel sich einem in den Weg stellt und einen Ringkampf beginnt. So ergeht es Jakob. Er hat seinen Zwillingsbruder betrogen und fürchtet sich vor dem Wiedersehen mit ihm. Jakob muss, bevor um Verzeihung bitten kann, mit einem Engel raufen. Engel sind nicht dazu geschickt, es einem unbedingt leichter zu machen. Engel konfrontieren mit dem Unliebsamen. Engel nötigen zu Entscheidungskämpfen. Engel stören das Gewohnte, kehren die Lebenspläne und Weltenläufe um. Die junge Maria zum Beispiel wird vom Gottesboten völlig herausgerissen aus ihrem Lebensplan, sie wird vor die Entscheidung gestellt, ob sie die Zumutung akzeptiert, Mutter eines unehelichen Sohnes zu werden.

Nicht nur die biblischen Geschichten, auch die Lebenserfahrung – übrigens auch Jesu Lebenserfahrung – zeigen, dass nicht immer ein Schutzengel da ist, der das Schlimmste verhütet. Wo sind die Engel, die die Opfer vor den Bomben beschirmen? Wo sind die Engel, die vor Krankheit bewahren? Wo sind die Engel, die aus Naturkatastrophen retten? Es sind die Helfer und Helferinnen von Brot für die Welt und Misereor, von Ärzte ohne Grenzen, von Amnesty International und viele Andere. Doch weil sie statt Heiligenschein und Flügel nur zupackende Hände haben, können sie nicht überall sein. Sie stoßen oft an ihre Grenzen. Sie werden manchmal beschimpft und geschlagen, bisweilen sogar von denen, die sie retten wollen. Sie bleiben selbst oft unbehütet und bräuchten gute Mächte, die sie in Lebensgefahr beschirmen.

Ich glaube nicht an übernatürliche Engelwesen. Ich glaube nicht, dass jeder seinen persönlichen Schutzengel hat. Ich glaube aber, dass ein Engel, ein Gottesbote, in jedem von uns steckt und dass jeder beflügelt werden kann zur Hilfe zu eilen oder sich quer zu stellen, wo es nötig ist.

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