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Hörmal | 07.06.2015 | 07:45 Uhr

Gefühle Zeigen

Gefühle zeigen, das kann nicht jeder gleich gut. Denn wenn ich meine Gefühle zeige und das, was mich innerlich bewegt, dann gebe ich etwas sehr Persönliches von mir Preis. Gefühle zeigen, macht mich deswegen auch angreifbar und verletzlich. Wer will schon gerne seine gezeigten Gefühle als Schwäche ausgelegt bekommen, womöglich als „gefühlsduselig“ abgestempelt werden?

Dabei hat Gefühle zu zeigen auch etwas Befreiendes: Den körperlichen wie seelischen Schmerz, eben nicht zu unterdrücken, sondern ihn herauszuschreien. Oder: Zuneigung nicht verklemmen, sondern sie zeigen: durch eine Berührung, ein Lächeln. Eins jedenfalls ist klar: Wer Gefühle zeigt, der wird persönlich. Und das kann auch irritieren.

So auch in der Kunst. Jahrhundertelang galt das persönliche Gefühl der Künstler wenig. Vielmehr galt es, etwas zu schaffen, das vielleicht geniehaft war, aber das größer war als der persönliche Ausdruck des Künstlers.

Genau heute vor 110 Jahren gründete sich eine Künstlergruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, Gefühle zu zeigen und zwar in ihren Bildern. Die Künstlergruppe „Die Brücke“ wollte nicht mehr die Wirklichkeit von Stadt, Mensch und Natur einfach abbilden, sondern die Künstler wollten zum Ausdruck bringen, was sie selbst empfanden beim Anblick von Stadt, Mensch und Natur. Die Künstler der „Brücke“ waren Wegbereiter des Kunststils, der später Expressionismus genannt wurde. Sie verstanden Kunst als Ausdruck seelischen Empfindens.

„Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.“ , schrieben sie in ihr Manifest und wollten damit den Kunstbetrieb insgesamt voran treiben.

Das innere Erleben zum Ausdruck bringen, ganz subjektiv, durch kräftige Farben, spontanen Pinselstrich, Verfremdung der Formen. Kein Wunder, dass manche der damaligen Zeitgenossen diesen Expressionismus für unnatürlich hielten und ablehnten. Sie waren irritiert. Andere wurden durch die Impulse der Brücke-Maler inspiriert, ihren eigenen Gefühlen künstlerisch eine Gestalt zu geben.

Der Name der Künstlergruppe war somit Programm:

Brücke zu sein, Inneres nach außen zu tragen;

Brücke zu sein für andere Menschen, die sich jetzt auch trauten, ihre Gefühle zu zeigen – und das nicht nur in Bildern.

So gesehen verwundert es mich nicht, dass einige Künstler der Brücke sich auch mit religiösen Motiven beschäftigt haben. Denn: Religion ist im Grunde ja auch ein Brücke, von innen nach außen, von mir zu dir und darüber hinaus zu einer Wirklichkeit, die jenseits dieser Welt ist und zugleich persönlich erfahrbar ist.

Ich weiß nicht, wie viele expressionistische Darstellungen der Brücke-Maler es von Jesus gibt, es sind aber eine ganze Menge, in leuchtenden Farben und demonstrativen Gesten. Diese Jesus-Darstellungen damals haben auch viele Zeitgenossen irritiert; sie hielten das für pietätslos? Aber ich bin mir sicher, dass Jesus Freude an den Ideen und Werken der Expressionisten gehabt hätte, heißt es doch, dass er seine Gefühle oft gezeigt hat, als er Mitleid hatte mit Kranken und Armen, um seinen toten Freund Lazarus geweint hat und selbst Angst vor dem Sterben hatte. Gefühle zu zeigen, das macht den Gottessohn Jesus menschlich und baut eine Brücke von ihm zu mir und allen Menschen.

*Aus dem Manifest der Brücke, 1906.

Copyright Vorschaubild:Playing Futures Applied: Emil Nolde, Christus und die Kinder CCBY.20. flickr

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