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Kirche in WDR 2 | 26.11.2014 | 05:55 Uhr

Geheimnisse

Die Schauspielerin Jessica Biel bekommt davon Bauchschmerzen und Migräne. Alec Baldwin wird schon mal handgreiflich und Hally Berry setzt sich für schärfere Gesetze ein. Drei Prominente, die - wie die meisten ihrer Kollegen – darunter leiden, dass sie von Kameras verfolgt werden. Ob heimlich beim Tanken, beim Knutschen oder auf den Fluren eines Krankenhauses. Es gibt kaum einen Ort oder Augenblick, wo sie vor den neugierigen Blicken der Paparazzis oder ihrer Fans (und deren Kameras) sicher wären.

„Prima leben ohne Privatsphäre“ heißt das Buch von Christian Heller. Der Titel kingt zynisch und es ist es auch. Denn: Der Verlust der Privatsphäre trifft nicht nur berühmte Menschen. Der Autor stellt fest, die Privatsphäre ist ein Auslaufmodell ist. Denn: Wir leben im digitalen Zeitalter. Der Kampf ist bereits verloren: Das Private ist öffentlich. Eine Erfahrung, die jeder von uns macht, der von Amazon plötzlich passende Bücher vorgeschlagen bekommt , von iTunes die richtigen Lieder und auf Facebook die echten Freunde. Wir sind bereits gläserne Menschen, ob uns das passt oder nicht.

Das Netz hat sicher auch viele gute Seiten. Die virtuelle Offenheit vereinfacht das Leben, ermöglicht denen Gesprächsmöglichkeiten, die sonst isoliert wären und bietet sogar medizinische Hilfe. Mehr Toleranz und Solidarität sind ebenfalls Folgen. Immer mehr Menschen in Unrecht-Staaten haben ihr Leben letztendlich der weltweiten Solidarität im Netz zu verdanken. Aber diese Errungenschaft, darf nicht auf Kosten unserer privaten Schutzzone gehen. Sie gehört zur Menschenwürde. „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle“, meinte Albert Einstein.

Wir brauchen das Geheimnis. Nicht nur, weil es schützt, etwas für sich zu behalten, was angreifbar machen könnte. Sondern auch deshalb, weil es ohne Geheimnis keine Innerlichkeit gibt. Als Martin Luther für das lateinische "mysterium" das deutsche Wort "Geheimnis" fand und damit ein Wort, das vom Begriff "Heim" lebt, wusste er, was er formulierte. Ein Geheimnis erschafft, eine zweite Welt, einen Ort des Unbeobachteten und Unsichtbaren. In diese Welt können wir uns zurückziehen. Hier können wir sicher sein vor fremden Blicken und Kommentaren, Erlebnisse können wir erst mal mit uns ausmachen, Gedanken und Gefühle im Verborgenen reifen lassen bevor wir sie – wenn überhaupt – bekannt machen.

Ohne Geheimnis gäbe es auch keine Theologie, keine Philosophie, keinen Glauben. Die Religion lebt von der Verbindung zum Verborgenen. Und selbst wir Christen, die dieses Geheimnis mehr gelüftet haben als die anderen großen Religionen, - weil Gott Mensch geworden ist - leben vom Geheimnis des Glaubens, denn ein Mysterium bleibt Gott trotzdem. Glauben hält das für möglich, was im Dunkeln liegt. Glauben heißt, Dinge im Geheimen zu erwarten, die nach dem augenblicklichen Stand der Erkenntnisse nicht möglich sind: unerklärliche Genesungen, unerwartete Wendungen des Schicksals oder ein überraschendes, beglückendes Wiedersehen. Die Transparenz unseres Lebens im Internet ist nicht mehr aufzuhalten, aber für den Artenschutz des Geheimnisses in unserem Leben können wir uns einsetzen. und dieses kostbare Gut bewusst pflegen.

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