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Kirche in WDR 3 | 31.10.2016 | 07:50 Uhr

Gelassen loslassen können

„Mach ein Ende aller Unrast“. Manchmal schicke ich so ein Stoßgebet zum Himmel. Denn häufig habe ich das Gefühl, der Zeitdruck sitzt mir im Nacken. Termine sind dicht gedrängt.

To-do-Listen werden kaum kleiner. Gerne möchte ich den vielen drängenden Erwartungen gerecht werden, die an mich gerichtet werden. Es ist schön, viele davon erfüllen zu können. Und da hinein setze ich meine Kraft. Aber der Alltagsbetrieb ist manchmal ziemlich gnadenlos.

„Mach ein Ende aller Unrast“. Das Stoßgebet von der Unrast stammt aus einem längeren Gebet von Jörg Zink, einem evangelischen Theologen, der vor wenigen Wochen verstorben ist. Es ist mir seit Jahren vertraut und ich bete es immer wieder einmal. Es beginnt mit den Worten: „Ich lasse mich Dir, Herr, und bitte Dich: Mach ein Ende aller Unrast,…“

Wenn ich so bete, werfe ich Gott vor die Füße, was mich bewegt, bedrängt und in Beschlag nimmt. Mit den Worten des Gebets von Jörg Zink klingt das dann so:

„Meinen Willen, (Gott), lasse ich dir. (…)

Meine Gedanken lasse ich dir. (…)

Meine Pläne lasse ich dir. (…)

Meine Sorgen um andere Menschen lasse ich dir. (…)

Die Angst vor der Übermacht der anderen lasse ich dir, (…)

Meine Furcht vor meinem eigenen Versagen lasse ich dir. (…)

Alle ungelösten Fragen, alle Mühe mit mir selbst. (…)“ (1)

Ich muss nicht länger dieses und jenes tun. Ich kann loslassen, kann lassen. Es kommt nicht auf meine Leistungen an. Bei Gott habe ich einen guten Namen. Deshalb: „Ich lasse mich dir, Herr,…“ Daran glaube ich, darauf setze ich.

Heute ist Reformationstag. Die evangelischen Kirchen erinnern sich daran, wie vor fast 500 Jahren alles begann. Damals hatte der Mönch Martin Luther entdeckt: Das Leben ist manchmal ziemlich gnadenlos. Aber ich habe einen gnädigen Gott. Das zählt.

Als mündiger evangelischer Christ, lasse ich mir deshalb nicht von anderen die Spielregeln diktieren, lasse mich nicht in ein Korsett zwingen, muss nicht wie ein Hamster am Rad drehen. Ich gehöre zu Gott. Zu ihm habe ich sozusagen einen barrierefreien Zugang. Ich kann direkt zu ihm sprechen, singen und beten. Ich höre auf Worte aus der Bibel. Ich habe ein Gewissen. Entscheidungen kann mir niemand abnehmen. Auch nicht die Kirche. Ich treffe sie nach reiflicher Prüfung und indem ich Gott im Lesen der Bibel, im Gebet und im Gespräch mit anderen befrage. Ich packe an, tue etwas - so gut ich kann. Mache dabei auch Fehler, werde anderen nicht gerecht. Aber ich bin mehr als die Summe meiner Fehler.

Vieles verbindet mich als evangelischer Christ mit anderen Konfessionen. Das zeigt sich darin, dass wir gemeinsam Menschen in Not helfen. Flüchtlingen, Arbeitslosen, Kranken und Pflegebedürftigen, Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen und vielen mehr. Und wenn wir vor verschlossenen Türen stehen, können wir gemeinsam beten: „Ich gebe es auf, gegen verschlossene Türen zu rennen, und warte auf dich, (Gott). Du wirst sie öffnen. Ich lasse mich dir. Ich gehöre dir, Herr. Du hast mich in deiner guten Hand. Ich danke dir.“

Gelassenheit an diesem Tag und den Blick für das, was zählt, wünscht Ihnen Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

(1) Gebet von Jörg Zink auf http://www.susannealbers.de/03-Loccumer-Brevier01.html. (Abgerufen am 05.10.2016)

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