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Kirche in WDR 3 | 16.10.2017 | 07:50 Uhr

Genesis

"Sie werden lachen: Die Bibel". So hat Bertolt Brecht geantwortet auf die Frage nach seinem Lieblingsbuch. Das überrascht bei einem Schriftsteller mit atheistischem und kommunistischem Hintergrund. Aber offenbar fand Brecht in der Bibel wirkliche Lebensfragen angesprochen: existentielles Leiden durch Hunger und Krieg, Themen wie Kinderlosigkeit, Schuldgefühle, Eifersucht und und und ... Vielleicht lächeln Sie ungläubig. Aber tatsächlich sind all das Themen der Bibel.

Heute ist Montag. Bis Samstag habe ich damit sechs Versuche, alltagstaugliche Zugänge zur Heiligen Schrift der Christenheit aufzuzeigen. Als Leiter der Bibelschule des Erzbistums Köln möchte ich diesen Versuch mit Ihen wagen. Vielleicht ist ein Zugang dabei, den Sie probieren möchten. Dreimal werde ich mit Ihnen einen Blick ins Alte Testament werfen, dreimal ins Neue.

Meine Empfehlung für heute: Übernehmen Sie etwas von dem Blick, mit dem Bertolt Brecht die Bibel gelesen hat, und: Lesen Sie so genau wie möglich!

Nehmen wir Kain und Abel. Schon in alten Auslegungen liest man, Gott habe das Opfer Kains nicht angenommen, weil der böse war. Nichts davon steht in der Bibel. Nein, dass Kain den Grund nicht kennt, ist das eigentliche Problem. Möglicherweise kann Gott nicht zwei Opfer gleichzeitig annehmen. Solche sehr menschlichen Vorstellungen von Gott sind in alttestamentlicher Zeit keineswegs ungewöhnlich. Aber wie wir Menschen so sind: Wir rechnen beim anderen eher mit einer schlechten als einer guten Absicht. Kain sieht sich von Gott benachteiligt, rächt sich aber an Abel, da er Gott selbst nicht erreichen kann. Unterstellung und Bauernopfer - beide Mechanismen sind bis heute bei Konflikten nicht ausgestorben! Und so setzt die Gewaltspirale gleich zum Beginn der Bibel ein.

Gott fragt Kain vor dem Mord nach dem Grund seines Zorns und Gott merkt sogar an, dass Kain den Zorn auch überwinden kann. Dass Kain sich aber nicht aufhalten lässt, das sagt viel über uns Menschen aus. Freilich: Die Bibel erzählt von der Gottesbeziehung der Menschen – keine Frage, aber sie ist vor allem ein Lehrbuch über das Allzumenschliche. Die Zusage Gottes aber bleibt darin genau so wahr: Du kannst dich auch dafür entscheiden, auszuhalten, was du ohne Gewalt nicht ändern kannst. Der freie Wille des Menschen ist das Instrument zur Entscheidung und bleibt bestehen auch in dessen Schattenseiten. Diesen immer wieder, ganz persönlich, zum Guten anzuwenden – das kann uns keiner abnehmen. Nicht mal ein Gott. Was das für die Konflikte global, aber auch bis hinein ins Wohnzimmer von Familien bedeuten kann, brauche ich nicht auszuführen.

Ich breche ab. Lesen Sie selbst nach und weiter im vierten Kapitel des Buches Genesis, dem ersten Buch der Bibel. Lesen Sie die alten biblischen Texte finden sie darin die alten, zeitlosen Fragen nach der menschlichen Existenz. Das ist ein Zugang, der sich nicht nur für den Existenzialisten Brecht im 20. Jahrhundert gelohnt hat. Ich finde: Die Bezüge zum Alltag ergeben sich auch heute fast von selbst.

Kommen Sie gut in diese Woche! Aus der Bibelschule in Köln grüßt Sie

Gunther Fleischer

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