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Kirche in WDR 2 | 10.06.2015 | 05:55 Uhr

Gescheitert

Was für ein Flop: Richard Douglas Fosbury war ein mittelmäßiger Hochspringer. Er sprang der Konkurrenz regelmäßig hinterher und musste sich etwas einfallen lassen. Deshalb experimentierte er mit anderen Techniken und fand den für ihn idealen Sprung: Schneller Anlauf in einem Bogen, den Rumpf drehen bei den letzten Schritten und dann die Latte rücklings überspringen. Nicht nur seine Leistung verbesserte sich, sein Sprungstil ist bis heute Trumpf und wurde nach ihm benannt: Der Fosbury-Flop. Eine Sensation. Anfangs belächelt, wird Fosbury 1968 damit sogar Olympiasieger.

Der sogenannte Flop bezeichnet nicht nur eine Sprungtechnik, sondern einen Flop nennt man umgangssprachlich auch ein Misserfolg, ein Desaster oder eine Schlappe. ´To flop´ ist Englisch und bedeutet ´plumpsen´. Das klingt negativ und ist auch so gemeint. Bei mir floppt es immer wieder! Im handwerklichen Bereich vor allem. Gerade am Wochenende habe ich versucht, ein Regal anzubringen. Der Flop ist als hässliches Loch in der Wand und als schiefes Regal sichtbar. Oder in meinen Beziehungen. Da scheiterte mein letzter Besuch bei einem Freund so dermaßen, dass wir uns nicht mal verabschiedet haben.

Das macht mich traurig. Niemand scheitert gerne. Scheitern tut weh. Scheitern macht einsam. Und trotzdem scheitert jeder. Oft. Scheitern ist ein Tabuthema. Jedes Mal wird deutlich, dass es nicht gereicht hat. Es ist kein schönes Gefühl, sich eingestehen zu müssen: Ich hab´s vermasselt. Das kann ich mir nicht schön reden. Das Regal hängt schief. Punkt! Und der Besuch beim Freund klingt noch nach. Mist! Ich könnte mir in den Hintern beißen, weil ich genau die Themen angeschnitten habe, auf die er allergisch reagiert. Dabei wollte ich es doch richtig machen. Und trotzdem oder gerade deshalb ging es schief.

Und dennoch: Aus Scheitern kann etwas Großes entstehen. Wie bei Fosbury. Viele Fachbücher beschäftigen sich mit dem Thema. Fachartikel wie ´Richtig scheitern´ oder Schöner scheitern´ beschreiben, wie wichtig das Scheitern für ein erfolgreiches Leben ist. Menschen wachsen daran. Das mag ja alles sein. Aber es hilft mir in dem Moment des Scheiterns doch wenig, denn ich weiß ja nicht, wieviel Versuche ich benötige, um das Regal richtig anzuschrauben oder ob mein Freund überhaupt noch einmal mit mir reden möchte. Was hilft mir in der Phase des Scheiterns?

Fündig werde ich ebenfalls in einem Fachbuch, nämlich dem evangelischen Gesangbuch, dem Buch mit Liedern und Gebeten für den Gottesdienst. Nummer 923. Da steht ein Gebet, dass mich in meinem Scheitern ernst nimmt, beruhigt und tröstet: Gott, dir vertraue ich, dir kann ich es sagen: Ich soll antworten und weiß nicht was. Ich soll Probleme lösen und weiß nicht wie. Ich soll Menschen verstehen und kann es nicht. Ich fühle mich überfordert und habe Angst zu versagen. Du kannst mir helfen: Nimm mir die Angst. Gib mir ein ruhiges Herz.

Schenke mir klare Gedanken. Amen. Das Regal hängt immer noch schief, aber wie Fosbury versuche ich mich beim nächsten Mal an einer neuen Technik. Ich rufe meinen handwerklich begabten Schwager an. Und für den Streit zwischen meinem Freund und mir habe ich auf eine altbewährte, wenn auch sehr heikle Methode zurückgegriffen. Ich habe mich entschuldigt. War kein Flop. Hat geklappt.

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