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Hörmal | 29.10.2017 | 07:45 Uhr

Geschenkte Zeit

Zeitumstellung! Heute Nacht wurden die Uhren wieder zurückgestellt: eine geschenkte Stunde zur Winterzeit. Dabei ist das mit der „geschenkten Zeit“ ja so eine Sache – das hebt sich mit der Sommerzeit im Frühjahr wieder auf. Die Zeit fließt. Einige würden sogar sagen, sie rennt. Und im Grunde bekommt keiner von uns Zeit geschenkt. Wie viel Lebenszeit wir noch haben, jeder von uns, das wissen wir nicht. Was wir daraus machen, das aber liegt zum großen Teil an uns.

Mir wurde das noch mal bewusst durch einen Winzer, Anfang des Monats, genauer am 4. Oktober, dem Geburtstag meiner Mutter. Wir hatten uns auf einem Weingut an der Mosel einquartiert. Die Weinlese lief da auf Hochtouren.

Frühmorgens heulten schon die Maschinen auf dem Hof. Das Wetter war wieder schlechter geworden und die Winzer hatten den späten Zeitpunkt zur Ernte abgewartet, um noch möglichst viel Sonne für die Trauben abzubekommen. Jetzt musste alles ganz schnell gehen: Schwerstarbeit. Wir wanderten durch die Weinberge und sahen überall die Helfer bei der Arbeit.

Am Abend dann, als wir mit meiner Mutter einen Wein und auch zwei tranken, kam der Winzer persönlich noch vorbei und setzte sich zu uns. Dass er das allein schon gemacht hat, nach so einem langen Tag, das hat mich schwer beeindruckt.

Er hat uns dann detailreich von der Lese berichtet, gab uns Tipps rund zum Verkosten seiner Weine. Und ziemlich schnell kam er auch darauf zu sprechen, warum diese Weinlese für ihn eine Besondere war: Kurz vorm Weihnachtfest im letzten Winter bekam er nämlich die Diagnose: Krebs, Speiseröhrenkrebs. Der Krebs ist der kleine Bruder von Gevatter Tod. Und jeder, der mit dieser Krankheit konfrontiert wird, beginnt noch einmal neu, die Tage zu zählen.

Für den Winzer hieß das: seine Tochter musste schneller eingearbeitet werden, weil er selbst die Zeit für Chemo und Reha brauchte, um überhaupt noch eine Chance zu haben, die nächste Lese zu erleben. Zugegeben: Das war schon ein schweres Thema, plötzlich, an einem weinseligen Geburtstagsabend. Aber irgendwie passte das auch, denn auch in meiner Familie spielt der Krebs mittlerweile eine Rolle. Wir hätten sicherlich noch weiter mit dem Winzer gesprochen. Aber irgendwann schaute der auf seine Uhr, fuhr hoch und sagte: „Ich muss los, Mensch ärgere dich nicht spielen.“

Unsere Gesichter zeigten ihm wohl, dass er das erklären musste. Und er verriet uns, dass seine Familie – die mit Weingut und Gästebetrieb weiß Gott viel um die Ohren hat – seit Jahren ein kleines Ritual pflegt: Am Ende des Tages spielen sie immer zusammen eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“. Und er sagte: Das hilft, allen Stress und auch die kleinen Verstimmungen abzubauen. Egal wie stressig der Tag auch ist, am Ende ist immer noch Zeit für eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“. Sein Schwiegervater, auch Weinbauer, hat ihm nämlich einmal geraten, nichts vom Vortag mitzunehmen in den nächsten Tag.

Ich fand das klasse! Der Winzer investiert jeden Tag einen Teil seiner Zeit, um Stress und Druck abzulassen – beim Spiel mit der Familie. Wow!

Es gibt Leute, die können Stress und Druck im Gebet ablassen, mit Meditation oder mit Sport. Aber ich finde es sympathisch, das die Winzerfamilie von der Mosel das zusammen macht, mit diesem Spiel – und wenn es dann noch „Mensch ärgere dich nicht“ ist, dann heißt das doch: Nimm Dir die Zeit. Und nimm dein Leben spielerisch – egal, was es Dir gerade abverlangt.

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