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Kirche in WDR 4 | 29.04.2015 | 08:55 Uhr

Gewalt in der Bibel

Guten Morgen! Wie halten die Religionen es mit der Gewalt? Viele Christen denken: „Wir haben das Evangelium von der Vergebung, und die Juden haben `Auge um Auge, Zahn um Zahn`. Wir haben das Gebot der Feindesliebe und die Muslime haben den heiligen Krieg. Da wären wir mit unserer Bergpredigt also fein raus.“

Beim religiösen Sprücheklopfen entdecken einige jedoch, dass auch Jesus nicht immer ein astreiner Friedensprediger war. Sagt er doch: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Matthäus 10,34)

Nein, die Bibel ist kein friedliches Buch. Wenn man es darauf anlegt, kann man haufenweise Zitate finden, mit denen man trefflich zur Gewalt anstacheln kann. Mit Versen, die man nach der Steinbruchmethode aus dem Zusammenhang gebrochen hat, kann man eben alles beweisen. Nicht umsonst hauen sich Jesus und der Teufel in der Versuchungsgeschichte Zitate aus den heiligen Schriften um die Ohren. Auch der Satan ist bibelfest. „Spring vom Tempel herab“, flüstert er Jesus ein, „oder steht nicht geschrieben: Gott wird seinen Engeln Befehl geben, dass sie dich auf Händen tragen.“ So kann man sogar mit dem friedlichsten Bibelwort zum Selbstmord verführen. Der Teufel ist ein Fundamentalist.

Doch auch wenn man nicht mit fundamentalistischer Steinbruchmethode an die Texte herangeht, ist man manchmal befremdet. Warum das ganze Morden, die Rachephantasien, das große Sterben in der Bibel? Weil die Welt so ist. Gewalt war und ist eine Realität, und die Bibel bringt sie zur Sprache. Direkt am Anfang zeigt sich allerdings, aus welcher Perspektive sie das tut: Da steht gleich zu Beginn die Erzählung von Kain und Abel. Abel wird von seinem eigenen Bruder ermordet. Sein Blut schreit zum Himmel. Aus dieser Perspektive erzählt die Bibel: Aus der Perspektive der kleinen Leute, die sich nicht wehren können und sich manchmal nach Rache sehnen.

Die Bibel verschließt nicht die Augen vor dem Teufelskreis der Gewalt und davor, wie sie aus Opfern neue Täter erstehen lässt. Das heißt nicht, dass sie die Gewalt heiligt. Sie zeigt aber, wie schwer es ist, aus diesem Teufelskreis auszusteigen. Wieder zu Jesus: Er ist nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Das ist überhaupt nicht der Aufruf die Waffe in die Hand zu nehmen. Er sagt hier nüchtern, worauf man sich einlässt, wenn man ihm folgt.

Die Friedensbotschaft der Bergpredigt führt erstmal nicht zum Frieden. Sie führt im Gegenteil zur Entzweiung und zum Streit bis in die eigene Familie. Weil sie die Mächtigen herausfordert. Weil sie die Bequemen in ihrer Bequemlichkeit stört. Jesus endete nicht unter dem Schwert, aber am Kreuz dafür.

Als Friedenstifter lebt man nicht in Frieden in dieser unfriedlichen Welt. Es ist eine Welt, in der Eltern befohlen wird ihre Kinder zu opfern für den Profit, für das Ansehen, für Gott und Vaterland. Genau das ist das Thema in einer der grausamsten Bibelgeschichten. Gott befiehlt dem Abraham seinen Sohn zu opfern. Er gehorcht, so wie fast alle Väter, wenn von oben befohlen wird. Soweit die tausendfach erlebte Wirklichkeit. Die Geschichte endet so, dass Gott eingreift. Bevor Abraham seinen Sohn töten kann, verbietet Gott es ihm. Menschenopfer sollen um Gottes Willen nicht sein.

Ja, die Bibel erzählt von Gewalt, aber sie verherrlicht sie nicht. Sie braucht keine Sprücheklopfer, sondern Leser, die ihre Texte verantwortungsvoll auslegen. Manchmal muss man den Mut haben, biblische Texte mit der Bibel zu kritisieren. Dazu gehört es zu verstehen: In ihrem Mittelpunkt steht nicht Gewalt, sondern was Psalm 85 unnachahmlich sagt: Güte und Treue begegnen sich. Gerechtigkeit und Friede küssen sich. So soll es sein. Ihre Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.

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