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Kirche in WDR 5 | 04.11.2015 | 06:55 Uhr

Glaube handgreiflich: Heilen

Guten Morgen,

was meinen Sie, worauf achtet ein erfahrener Personalchef beim Bewerbungsgespräch am meisten?

a)auf die Frisur

b)auf die Kleidung

c)auf die Hände seines Gegenübers

Richtig: Er schaut besonders auf die Hände. Er weiß um die erstaunlichen Erkenntnisse der Psychologen: Was wir in bestimmten Situationen mit unseren Händen machen, verrät oft mehr, als wir ausdrücklich zugeben wollen.

Wer behauptet, offen und zugewandt auf Menschen zuzugehen und dabei die Hände verkrampft auf die Tischplatte drückt, entlarvt sich, ohne es selbst zu merken.

Um diesen Zusammenhang weiß offenbar auch ein altes Kirchenlied.

Es handelt von der Nachfolge Jesu und rät den Gläubigen: Lasst uns auf Seine Hände schaun, an Seinem Reiche mutig baun…

Gerne gehe ich diesem Hinweis nach und bin überrascht, wie oft, wie anschaulich und ausführlich in der Bibel von den Händen Jesu die Rede ist. Mich fasziniert, wie eigentlich die ganze Jesus-Botschaft in der Sprache seiner Hände ausgedrückt werden kann, vor allem, wenn Jesus sich den Kranken zuwendet und sich an ihnen buchstäblich als ‚Heiland’ erweist.

Besonders anschaulich beschreibt die Bibel diese Szene: Die kleine Synagoge am Ufer des Sees ist randvoll von Menschen. An diesem Sabbat sind deutlich mehr zum Gebet gekommen als sonst üblich. Zu groß war die Neugier: Alle wollen den Rabbi sehen, von dem sie schon so viel gehört hatten. Trotz des Gedränges ist aus Respekt vor dem berühmten Gast um das Rednerpult eine Fläche frei geblieben. Jesus steht in der Mitte und schaut in die Runde. Sein Blick trifft auf die Frau, die tief gebeugt in der ersten Reihe vor ihm hockt.

Alle im Ort kennen die Frau, manche sagen, sie ist im Banne böser Mächte. Seit achtzehn Jahren ist sie mit einem gekrümmten Rücken geschlagen, so dass sie nur vor sich auf den Boden schauen kann. Jesus unterbricht seine Predigt und bittet die Frau zu sich in die Mitte. Alle in der Synagoge halten den Atem an.

Und in die fast unwirkliche Stille hinein hören sie ihn sagen: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst!

Was jetzt kommt, stelle ich mir gerne in Zeitlupe vor:

JESUS LEGT DER FRAU DIE HÄNDE AUF UND AUGENBLICKLICH RICHTET SIE SICH AUF.

Schnell ist jetzt aus der Stille ein Tumult geworden. Die Menge ist außer sich. Der Synagogenvorsteher ist aufgesprungen und versucht mit seinem Schrei den Lärm zu übertönen: Es ist doch Sabbat! An sechs Tagen könnt ihr kommen und euch meinetwegen heilen lassen, aber doch nicht am Sabbat. Heute ist Ruhetag!

Jesus bleibt ganz gelassen und wendet sich dem Eiferer zu: Du brauchst mir nicht zu sagen, was ich am Sabbat tun darf. Du bindest doch auch am Sabbat deinen Esel los und führst ihn zur Tränke. Und hier regst du dich auf, weil ich diese arme Frau von ihrer Fessel befreit habe?

Dietmar Schmidt, ich bin Pastor in Bochum.

Was ich mir wünsche am Morgen dieses Mittwochs?

Etwas von der Aufmerksamkeit des Meisters, der die gebeugte Frau nicht übersah.

Ob mir heute gelingt, die Menschen wahrzunehmen, die in meiner Nähe darauf warten, aufgerichtet zu werden?

Etwas von der Freiheit Jesu, der sich auch durch fromm kaschierte Engstirnigkeit

nicht einschüchtern ließ.

Ob mir gelingt, mein Herz weit zu machen, um der Menschen willen, und gegen alle kleinkarierte Gesetzesfrömmigkeit?

Diese Jesus-Geschichte lasst mich ahnen: Glaube ist hand-greiflich!

Gott sei Dank.

Copyright Vorschaubild: wikipeida

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