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Kirche in WDR 5 | 06.11.2015 | 06:55 Uhr

Glaube handgreiflich: Tasten

Ihr könnt mir viel erzählen, hatte Thomas gesagt, ich glaube es nicht! Dabei hatten die Freunde sich doch alle Mühe gemacht, ihm genau zu schildern, was sie erlebt hatten: Wie sie sich an jenem Abend heimlich in der Wohnung getroffen hatten; aus Angst, sie könnten erkannt werden und es könnte ihnen am Ende so ergehen wie dem Meister, waren sie erst im Schutz der Dunkelheit zum verabredeten Treffpunkt gekommen. Und um ganz sicher zu gehen, hatten sie sogar die Tür verriegelt, für den Fall, dass ihnen jemand gefolgt war.

Plötzlich habe Jesus mitten im Raum gestanden. Er hätte sie begrüßt wie immer. Sie hätten die Wunden an seinem geschundenen Leib gesehen, ja, sie hätten sogar seinen Atem gespürt. Doch Thomas war nicht umzustimmen. Ihr könnt mir viel erzählen, hatte er gesagt, ich glaube es nicht! Ich war doch dabei, als er am Kreuz gestorben ist. Wer weiß, welcher Erscheinung ihr aufgesessen seid. Ich will die Male der Nägel an seinen Händen mit eigenen Augen sehen. Ich muss ihn anfassen können, um zu glauben, dass er lebt.

Acht Tage später: Die gleiche Szene, dieselbe Wohnung, dieselben Freunde, jetzt ist Thomas dabei. Wieder haben sie aus Angst die Tür verriegelt. Und wieder, wie vor einer Woche, tritt Jesus in ihre Mitte. Er grüßt in die Runde: Schalom, meine Freunde! Dann wendet er sich gleich dem Thomas zu.

Was jetzt kommt, stelle ich mir gerne in Zeitlupe vor:

STRECK DEINEN FINGER AUS – HIER SIND MEINE HÄNDE!

STRECK DEINE HAND AUS – HIER IST MEINE SEITE!

Es berührt mich zutiefst, mit welcher souveränen Freundlichkeit Jesus hier seinem skeptischen Freund begegnet. Kein böses Wort. Kein Ausschluss aus dem Kreis der Apostel, keine ‚Exkommunikation’! Und vor allem, keine Moralpredigt: Du willst ein Apostel sein? Solche kritischen Zeitgenossen kann ich nicht gebrauchen! Hätte er ja sagen können. Hat er aber nicht gesagt.

Er hat sich den Bedingungen, die Thomas gestellt hatte, ausgeliefert: Hier sind meine Hände. Hautnahe Berührung als Zeugnis des Glaubens. Wir haben uns daran gewöhnt, im Blick auf diese Begegnung vom ‚ungläubigen Thomas’ zu sprechen. Für mich klingt das nicht wie ein Makel, sondern wie ein Ehrentitel; wie eine Ermutigung für alle, denen es schwerfällt zu glauben.

Ein Lied, das ich gerne singe, hat aus diesem Gedanken ein Gebet gemacht:

O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten; und führe selbst die Hand, mit der wir nach dir tasten…

Deshalb bin ich im Gottesdienst der Gemeinde besonders dankbar für jede Stelle, in der Berührung vorkommt. Ich finde, es sollte mehr davon geben.

Dietmar Schmidt, ich bin Pastor in Bochum.

Was ich mir wünsche am Morgen dieses Feitags?

Etwas von dem Mut des Thomas, der es genau wissen wollte.

Ob mir gelingt, auch meine Zweifel zuzugeben, meine Skepsis und meine Unsicherheiten nicht zu verschweigen?

Etwas von dem Glück des Thomas, der durch den Zweifel zum Glauben kam.

Ob mir gelingt, in der Not der Menschen, die mir begegnen, den Auferstanden zu erkennen, der mir seine Wunden zeigt?

Diese Jesus-Geschichte lasst mich ahnen: Glaube ist hand-greiflich!

Gott sei Dank.

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